Cognition, die Firma hinter dem KI-Programmier-Agenten Devin, hat über 1 Milliarde US-Dollar bei 26 Milliarden Bewertung eingesammelt. Über 90 Prozent des eigenen Codes schreibt inzwischen die KI.
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Wenn ein Unternehmen seinen eigenen Code zu neun Zehnteln von einer KI schreiben lässt, ist das der härteste denkbare Praxistest für autonome Coding-Agenten.
Während die grossen Modell-Labore um Milliarden ringen, liefert ein vergleichsweise junges Startup den vielleicht eindrücklichsten Beleg dafür, wie schnell sich die Softwareentwicklung verschiebt: Cognition, die Firma hinter dem KI-Programmier-Agenten Devin, hat am 27. Mai eine Finanzierungsrunde von über einer Milliarde US-Dollar bei einer Bewertung von 26 Milliarden abgeschlossen.
Angeführt wurde die Runde von Lux Capital, General Catalyst und 8VC; mit dabei sind unter anderem Ribbit Capital, Atreides Management und Peter Thiels Founders Fund. Die Bewertung hat sich seit der letzten Runde im September – damals 10,2 Milliarden – mehr als verdoppelt.
Der Grund liegt im Umsatz. Cognition ist nach eigenen Angaben innert zwölf Monaten von 37 auf 492 Millionen US-Dollar gewachsen. Zu den Kunden zählen Goldman Sachs, Mercedes-Benz und die US-Regierung. Das ist kein Forschungsprojekt mehr, sondern ein Produkt mit zahlender Grosskundschaft.
Die wohl aussagekräftigste Zahl steht etwas versteckt im Kleingedruckten: Über 90 Prozent des eigenen Codes von Cognition werden inzwischen von Devin geschrieben. Devin ist kein Autocomplete, das einzelne Zeilen vorschlägt, sondern ein Agent, der eine Aufgabenbeschreibung entgegennimmt und daraus eigenständig lauffähige Software plant, schreibt, debuggt und ausliefert – über mehrere Schritte hinweg.
Wenn ein Unternehmen seinen eigenen Code zu neun Zehnteln von einer KI schreiben lässt, ist das mehr als ein Marketing-Gag. Es ist ein Praxistest unter den härtesten denkbaren Bedingungen: am eigenen Produkt, mit dem eigenen Geld.
Für Schweizer Software-Teams, Startups und IT-Abteilungen ist Cognition ein Signal, das man schwer ignorieren kann. Der Engpass in der hiesigen Tech-Branche ist seit Jahren derselbe: zu wenige Entwicklerinnen und Entwickler. Agenten wie Devin verschieben die Frage von «Wie finde ich mehr Leute?» zu «Welche Arbeit übergebe ich der Maschine – und wie prüfe ich das Ergebnis?».
Gleichzeitig mahnt die 90-Prozent-Zahl zur Nüchternheit. Sie stammt von einer Firma mit eigenem, KI-affinem Code und perfekt dafür gebauten Prozessen – nicht aus einer durchschnittlichen KMU-Codebasis mit gewachsener Alt-Software. Der Sprung von «beeindruckende Demo» zu «produktiv im Schweizer Mittelstand» bleibt ein Stück Arbeit. Aber die Richtung steht fest, und das Tempo ist hoch.