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Deutschland-Stack: T-Systems und SAP gewinnen den 250-Millionen-KI-Cloud-Auftrag

Die deutsche Bundesverwaltung vergibt am 21. Mai 2026 einen 250-Millionen-Euro-Auftrag für eine eigene KI-Cloud – ohne Microsoft, AWS oder Google. T-Systems, SAP, Schwarz Digits und Codesphere teilen sich den Kuchen.

Pascal Eugster
Pascal Eugster
GRÜNDER & ENTWICKLER
24. MAI 2026
3 MIN. LESEZEIT
Skizze von Serverräumen unter einem Ministeriumssiegel mit deutscher Flagge und Vertrag, kinewsletter.ch Stil
Skizze von Serverräumen unter einem Ministeriumssiegel mit deutscher Flagge und Vertrag, kinewsletter.ch Stil
INHALT
0170/30, ein deutscher Tech-Cocktail02Adesso und Google haben aufgegeben03Was in der Cloud laufen soll04Spiegelbild für die Schweiz
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0170/30, ein deutscher Tech-Cocktail02Adesso und Google haben aufgegeben03Was in der Cloud laufen soll04Spiegelbild für die Schweiz
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DAS WICHTIGSTE IN KÜRZE

Berlin liefert die Blaupause für staatlich orchestrierte KI-Infrastruktur – die Schweiz könnte ihr Apertus-Programm mit einem ähnlichen Cloud-Pendant ergänzen.

Am 21. Mai 2026 hat die deutsche Bundesverwaltung den Zuschlag für eine eigene KI-Cloud vergeben – Gesamtvolumen rund 250 Millionen Euro. Die Mehrheit geht an die Telekom-Tochter T-Systems zusammen mit SAP. Ein zweites Konsortium aus dem Systemhaus SVA, der Schwarz-Gruppe-IT-Tochter Schwarz Digits und dem Karlsruher Tech-Unternehmen Codesphere sichert sich einen kleineren Teil. Es ist ein konkreter Schritt Richtung «Deutschland-Stack» – und ein klares Signal Richtung Brüssel.

70/30, ein deutscher Tech-Cocktail

Die Aufteilung des Auftrags ist sportlich austariert:

  • T-Systems + SAP bekommen 70 Prozent des Volumens – also rund 175 Millionen Euro.
  • SVA + Schwarz Digits + Codesphere teilen sich die restlichen 30 Prozent, also rund 75 Millionen Euro.

Hinter den Namen stecken zwei der grössten deutschen IT-Anbieter (Telekom, SAP), die zweitgrösste private IT-Infrastruktur Deutschlands (Schwarz Digits, betreibt unter anderem die Cloud für die Lidl-Mutter) sowie mit Codesphere ein vergleichsweise junges Karlsruher Unternehmen für agentenbasierte Cloud-Infrastruktur. Das Bundesinnenministerium will damit eine souveräne Plattform für KI-Anwendungen in der Verwaltung aufbauen.

Adesso und Google haben aufgegeben

Spannender als die Sieger sind die Verlierer. Der Auftrag wurde erst möglich, nachdem die mitbietenden Adesso und Google ihre Klagen gegen die Vergabe zurückgezogen haben. Damit ist Google aus der Liste der Anbieter für die Bundes-KI-Cloud raus – ein bemerkenswertes Detail, weil Google im US-Geschäft sonst zu den dominanten Cloud-Anbietern für Behörden gehört.

Für die Bundesregierung ist das ein Mini-Triumph: Nach Jahren US-dominierter Cloud-Diskussionen kommt erstmals eine staatsnahe KI-Infrastruktur in deutsche Hand – ohne dass sich Microsoft, AWS oder Google im Vertrag findet.

Was in der Cloud laufen soll

Konkret entstehen mehrere Bausteine, die zusammen als Deutschland-Stack vermarktet werden:

  • eine Hosting-Plattform für KI-Modelle und LLMs mit deutschem Rechtsrahmen
  • Werkzeuge für Sprachassistenten in der Verwaltung (das Bundesinnenministerium hat parallel bereits Sprachsteuerung für Behördenportale angekündigt)
  • Schnittstellen, damit Bundesbehörden ihre Fachverfahren KI-fähig machen können – ohne Daten in eine US-Cloud abfliessen zu lassen

Das Volumen klingt nicht riesig im Vergleich zu Hyperscaler-Budgets, ist aber als Startschuss gedacht – weitere Lose und Anschluss-Projekte sind absehbar.

Spiegelbild für die Schweiz

Für die Schweiz ist das Berliner Modell besonders interessant. Hier läuft mit Apertus (ETH/EPFL/CSCS) ein vergleichbarer Souveränitäts-Pfad, allerdings auf Modell- und Forschungsebene – noch ohne klar finanziertes Cloud-Pendant. Berlin zeigt nun, wie eine staatlich orchestrierte KI-Infrastruktur in der Praxis aussehen kann: konkrete Verträge, definierte Anbieter, knallharte Ausschreibung.

Wenn die Bundesverwaltung Bern künftig ähnliche Schritte plant – etwa rund um den Apertus-Roll-out für Bundesgericht und Kantone – liefert Deutschland gerade die Blaupause. Spannend wird die Frage, ob Schweizer Anbieter wie Infomaniak, Exoscale oder Swisscom an einer Schweizer Version eines solchen Stacks beteiligt würden.

Klar ist: Der europäische «KI-Souveränitäts-Wettbewerb» hat eine neue Eskalationsstufe erreicht – nicht in Form von Modell-Releases, sondern in Form von konkret vergebenen Verwaltungsaufträgen.

Quellen

Heise: Digitale Souveränität – Bund vergibt 250-Millionen-KI-Cloud-Auftrag↗ EXTERNER LINKCIO DE: KI-Millionendeal – SAP und T-Systems booten Google beim Bund aus↗ EXTERNER LINKHandelsblatt: Cloud – Bund vergibt Auftrag für KI-Cloud an Telekom-Tochter T-Systems↗ EXTERNER LINKBörse Express: KI-Cloud für Deutschland – Milliardenauftrag geht an T-Systems und SAP↗ EXTERNER LINK
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