Giotto verschenkt sein Flaggschiff Alto in Europa und bietet Solo für die eigene GPU an. Die Leistung belegen bisher nur Herstellerangaben.
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Teste Giotto Alto mit unkritischen Aufgaben und gib keine vertraulichen Daten ein, solange die Leistung nicht unabhängig geprüft ist.
Das Lausanner KI-Labor Giotto hat am 27. Oktober 2026 die Modelle Giotto Alto und Giotto Solo vorgestellt. Alto, das Flaggschiff für anspruchsvolles Reasoning (Denken in Zwischenschritten), läuft auf acht Nvidia-B300-GPUs und ist laut Giotto kostenlos für alle nutzbar, gehostet in Europa. Solo kommt mit einer einzigen GPU aus und soll in der eigenen Infrastruktur laufen. Für dich heisst das: Du kannst ein Schweizer Modell ohne Konto ausprobieren. Wie gut es wirklich ist, belegen bisher nur Herstellerangaben.
Alto läuft laut ICTjournal über eine geteilte Cloud, die in Europa betrieben wird. Dazu gibt es einen kostenlosen, anonymen Chat ohne Kontoerstellung sowie Apps für iOS und Android. Entwickler bekommen eine API (Programmierschnittstelle) mit Pauschalpreis, die laut Medienmitteilung auf eine gleichzeitige Anfrage begrenzt ist; mehr parallele Anfragen gibt es über Token-Pakete. Giotto sagt, die Cloud-Dienste stünden im Einklang mit der DSGVO und hingen nicht von US-Cloud-Infrastruktur ab. CEO Aldo Podestà formuliert den Anspruch so:
«Europe must offer more than a different flag on the same dependency.»
Solo richtet sich an Organisationen, die ihre Daten im Haus behalten wollen. Giotto nennt drei Wege: die geteilte Cloud, eine dedizierte Cloud in der Schweiz oder Europa (ab einer GPU, monatlich gemietet) oder die Installation vor Ort, von der Ein-GPU-Workstation bis zum Server-Rack. Die Lausanner setzen auf «Test-Time Compute»: Das Modell rechnet bei schwierigen Fragen länger, statt einfach immer grösser zu werden, wie ICTjournal unter Berufung auf ein Interview mit Podestà in der Zeitschrift Bilan schreibt. Wie viele die Modelle haben, nennt Giotto in der Mitteilung nicht.
Giotto bezeichnet Alto und Solo als «smartest European sovereign AI models on the market». Das ist eine Herstellerangabe. Auf der eigenen Website zeigt Giotto Vergleichstabellen: Alto erreicht dort 91,9 Prozent im Wissenschaftstest GPQA-Diamond, GPT 6 Astra kommt in derselben Tabelle auf 96,1 Prozent. Solo liegt im Mathetest AIME 2026 bei 96,6 Prozent, Googles Gemma 4 31B bei 89,2 Prozent. Unabhängig geprüft ist keine dieser Zahlen.
Zur Forschungsbasis: Giotto landete laut eigenen Angaben beim ARC-AGI-Wettbewerb (ein Test, ob KI aus wenigen Beispielen eine neue Regel ableitet) 2024 auf Platz 11 und 2025 auf Platz 2 von rund 1500 Teams. Gegründet wurde die Firma 2017 von EPFL-Mathematikabsolventen.
Giotto nennt weder Parameterzahlen noch eine unabhängige Auswertung. Die Benchmark-Tabellen stammen von der Firma selbst, und die Mitteilung liefert keine Angaben dazu, auf welcher Basis das Modell trainiert wurde. Wer von «Souveränität» spricht, muss sich an Prüfbarkeit messen lassen; das wird sich zeigen, sobald Dritte das Modell testen.
Probier den Chat mit unkritischen Aufgaben aus und vergleiche ihn mit deinem gewohnten Modell. Gib vorerst keine vertraulichen Firmendaten ein, solange die Leistung nicht unabhängig geprüft ist. Mit der FHNW forscht Giotto zudem schon an effizienterer Inferenz.
Das High-Performance-Computing-Labor der FHNW und das Lausanner KI-Labor Giotto.ai wollen gemeinsam Rechenaufwand und Inferenzkosten von KI-Modellen senken, ohne Leistung einzubüssen. Im Fokus: Serving-Engines, Deployment-Profile und Hardware-Beschleuniger.