WSJ berichtet von Gesprächen zwischen Google und SpaceX über orbitale Rechenzentren. Googles Project Suncatcher: 81 Satelliten mit TPUs an Bord. Erste Prototypen bis 2027.
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Google sucht Trägerraketen-Partner für sein Suncatcher-Cluster, und SpaceX ist der heisseste Kandidat – ein KI-Compute-Markt im Orbit nimmt Form an, an dem Anthropic schon mitfährt.
Wenn die Stromnetze und Wasservorräte am Boden für KI-Trainings nicht mehr reichen, sucht man neue Plätze. Laut Wall Street Journal verhandeln Google und SpaceX über die ersten kommerziellen Rechenzentren – im Erdorbit.
Hinter den jetzt durchgesickerten Gesprächen steht Googles Projekt Suncatcher, das DeepMind und Google Research letzten Herbst angekündigt hatten. Der Plan: ein orbitaler Compute-Cluster aus rund 81 Satelliten auf einem Radius von einem Kilometer, jeder mit Google-eigenen Tensor Processing Units (TPUs) an Bord. Die ersten zwei Prototyp-Satelliten sollen schon bis 2027 starten – als Test, ob Solarenergie, Kühlung und Inter-Satelliten-Kommunikation für KI-Workloads im Orbit überhaupt funktionieren.
Genau für diese Starts braucht Google einen Trägerraketen-Partner. Laut WSJ-Bericht vom 12. Mai spricht Alphabet derzeit mit mehreren Anbietern – und SpaceX ist der prominenteste. Das hat Symbolkraft: SpaceX bereitet einen IPO mit einer kolportierten Bewertung von 1,75 Billionen US-Dollar vor und verkauft Investoren die Idee, dass Rechenzentren im Weltraum die billigste Heimat für KI-Compute werden – bald. Google ist seit 2015 mit 900 Millionen Dollar bei SpaceX investiert. Die beiden kennen sich also.
Der Suncatcher-Deal landet in einer Zeit, in der die KI-Compute-Karte gerade neu gezeichnet wird. SpaceX hat im Februar xAI übernommen und betreibt damit das Colossus-Rechenzentrum in Memphis. Letzte Woche hat Anthropic einen Vertrag mit SpaceX über genau diese Compute-Kapazitäten unterzeichnet – mit der ausdrücklichen Option, später auch auf orbitale Infrastruktur zuzugreifen. Heisst: SpaceX-Rechenzentren werden zur neutralen Schicht, auf der sowohl Anthropic als auch Google fahren – während OpenAI parallel den eigenen Stargate-Campus baut.
Auch das Startup Cowboy Space hat letzte Woche 275 Millionen Dollar eingesammelt, um genug Trägerraketen für Space-Data-Center zu bauen. Die Investoren-Community wettet sichtbar darauf, dass Orbital-Compute kein Sci-Fi mehr ist, sondern eine Lieferketten-Frage.
So spannend die Vision: Aktuell kostet ein Rechenzentrum im Orbit, gerechnet auf die Satellitenkonstruktion plus Trägerrakete plus Wartung, ein Vielfaches eines terrestrischen Hyperscaler-Servers. Eine TechCrunch-Analyse vom Februar nannte die Wirtschaftlichkeit «brutal schlecht». Die Wette ist langfristig: Starship-Skaleneffekte und endlose Solarenergie sollen die Kalkulation in den nächsten zehn Jahren umdrehen. Der Vorteil im Hier und Jetzt: weniger lokaler Widerstand – während US-Gemeinden zunehmend gegen den Bau neuer KI-Rechenzentren protestieren, hat die Atmosphäre niemanden zu vertreiben.
Für die Schweizer Leserschaft hat das eine konkrete Anschlussfähigkeit: Das EPFL-Spinoff DPhi Space aus Lausanne hat im April 21 Millionen Franken eingesammelt, um eine Plattform für KI-Rechner in der Umlaufbahn zu bauen – mit dem Modul Clustergate-2, das LLMs direkt im Orbit ausführen soll. Während Google und SpaceX über Volumen reden, baut die Romandie an der Nische. Die Allianzen, die sich jetzt formen, entscheiden, wer in zehn Jahren am orbitalen Stromnetz hängt – und wer am Boden bleibt.