Google-DeepMind-Chef Demis Hassabis sieht die Menschheit «in den Vorbergen der Singularität» und hält AGI schon 2029 für möglich. Sein Appell: Regierungen, Ökonomen und Gesellschaft müssen sich jetzt vorbereiten – nicht erst, wenn das nächste Modell alle überrascht.
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Hassabis zieht das AGI-Zeitfenster auf 2029 vor und warnt, dass die gesellschaftliche Vorbereitung dem technischen Tempo dramatisch hinterherhinkt.
Demis Hassabis, Chef von Google DeepMind, hat eine ungewohnt deutliche Ansage gemacht. Am Rand von Googles Entwicklerkonferenz sagte er, die Menschheit stehe «in den Vorbergen der Singularität» – und habe nur noch wenige Jahre Zeit, sich auf eine allgemeine künstliche Intelligenz vorzubereiten.
Mit AGI (Artificial General Intelligence) ist eine KI gemeint, die in praktisch allen geistigen Aufgaben mit dem Menschen mithalten kann – nicht nur in einem engen Spezialgebiet. Bislang galt das als Fernziel. Hassabis rückt es jetzt näher heran.
Noch vor einem Jahr nannte Hassabis einen Zeitraum von 2030 bis 2035. Inzwischen erwartet er AGI weiterhin «grob um 2030» – hält aber 2029 für möglich. Der Grund für die neue Zuversicht: Die Branche habe den richtigen technischen Pfad gefunden.
Den entscheidenden Hinweis liefern für ihn die heutigen KI-Agenten – Systeme, die nicht nur antworten, sondern selbständig mehrstufige Aufgaben erledigen.
«Man kann sich die Agenten-Ära in diesem nächsten Jahr ein bisschen wie einen Probelauf vorstellen.»
Gemeint ist ein gesellschaftlicher Stresstest für deutlich mächtigere Systeme, die noch kommen.
Hassabis verwies auch auf Anthropics noch unveröffentlichtes Modell mit dem Codenamen Mythos, das Unternehmen und Behörden mit seinen Fähigkeiten überrascht habe. Das sei «wahrscheinlich ein guter Warnschuss vor den Bug» gewesen – ein Beleg dafür, wie wenig vorbereitet wir auf das Tempo dieser Entwicklung seien.
Bewusst wählte er drastische Worte, wie er einräumte: Sie sollten Regierungen, Ökonomen und die breite Öffentlichkeit aufrütteln. Sein Eindruck ist, dass die Debatte über die gesellschaftlichen Folgen von KI noch zu sehr in der Tech-Blase steckt.
«Du musst das ernst nehmen. Meine Ökonomen-Freunde nehmen es, finde ich, immer noch nicht ernst genug.»
Ein Meilenstein, auf den laut Hassabis alle führenden Labore hinarbeiten, ist die rekursive Selbstverbesserung – also Systeme, die ihre eigene Entwicklung spürbar beschleunigen. So weit sei man noch nicht. Aktuell sehe man eine «sanfte» Variante: Coding-Agenten, die Entwickler produktiver machen. Doch mit echten selbstverbessernden Systemen seien klare Tempogewinne – und ebenso klare Risiken – verbunden.
Hassabis sagte, er bespreche mögliche Sicherheitsmassnahmen mit den Chefs anderer Spitzenlabore, ohne Details zu nennen. Erste vorsichtige Schritte der US-Regierung hin zu verpflichtenden Modell-Tests vor dem Release nannte er einen Schritt in die richtige Richtung – der aber beschleunigt werden müsse.
Für dich klingt «Singularität» vielleicht nach Science-Fiction. Hassabis' Punkt ist ein anderer: Selbst wenn er sich um ein paar Jahre irrt, ist das Zeitfenster zur Vorbereitung kurz. Und Vorbereitung heisst nicht Code, sondern Politik, Bildung und Arbeitsmarkt.
Genau hier hat die Schweiz etwas mitzureden. Mit der nationalen KI-Initiative, dem offenen Sprachmodell Apertus und der Forschung an ETH und EPFL sitzt das Land näher an der Frontlinie, als viele denken. Hassabis' Appell richtet sich auch an Schweizer Ökonomen, Behörden und Unternehmen: die Zeit nutzen, solange es sie noch gibt – statt erst zu reagieren, wenn das nächste Modell wieder alle überrascht.