Mistral-Chef Arthur Mensch denkt laut über eigene KI-Chips nach und kündigt ein neues Inferenz-Rechenzentrum in Frankreich an. Rund vier Milliarden Euro investiert das Unternehmen in europäische Rechenpower.
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Europas KI-Hoffnung Mistral will unabhängiger von Nvidia werden – mit eigenem Chip-Gedankenspiel und Milliarden für Rechenzentren.
Europas grösste KI-Hoffnung will unabhängiger werden. Mistral-Chef Arthur Mensch hat gegenüber dem US-Sender CNBC erstmals durchblicken lassen, dass das Pariser Unternehmen über die Entwicklung eigener Chips nachdenkt – und gleichzeitig ein neues Rechenzentrum in Frankreich angekündigt.
Bisher hatte sich Mensch nie zu eigenen Halbleitern geäussert. Jetzt sagt er: «Of course, it is interesting» – und schliesst eigene Chips ausdrücklich nicht aus. Der Grund ist betriebswirtschaftlich: Massgeschneiderte Chips könnten «die Kosten für die Ausgabe von Tokens deutlich senken». Tokens sind die Dateneinheiten, die ein KI-Modell verarbeitet – je günstiger, desto besser die Marge. Vorerst bleibt Mistral aber bei Nvidia: «Eigene Chips kommen vielleicht irgendwann, aber im Moment verlassen wir uns auf Nvidia.» Damit würde Mistral langfristig dem Beispiel von Amazon und Google folgen, die ihre Rechenzentren längst mit selbst entworfenen Spezialchips (sogenannten ASICs) bestücken.
Parallel kündigte Mistral ein neues Rechenzentrum in Frankreich an, das speziell auf Inferencing ausgelegt ist – also auf den laufenden Betrieb der Modelle, nicht aufs Training. Insgesamt hat das Unternehmen rund vier Milliarden Euro in Rechenzentren in Frankreich und Schweden investiert. Mensch wird deutlich: «Europa hinkt beim Ausbau der Infrastruktur hinterher, und deshalb investieren wir, um diese Lücke zu schliessen.» Die zusätzliche Kapazität soll nicht nur eigene Kunden bedienen, sondern auch andere KI-Labore, die händeringend Rechenleistung suchen.
Mistral, mit knapp zwölf Milliarden Euro bewertet, gilt als Europas Antwort auf OpenAI und Anthropic – und setzt stark auf Geschäftskunden, darunter der Chipanlagen-Riese ASML. Zur gleichen Zeit stellte das Unternehmen eine neue Agenten-Plattform namens Vibe vor, die für Firmen eigenständig Aufgaben erledigt und Code schreibt. Die Grössenverhältnisse bleiben aber klar: Mistral peilt für 2026 eine Milliarde Euro Umsatz an – Anthropic kommt allein im zweiten Quartal auf 10,9 Milliarden US-Dollar.
Für dich als Nutzer in der Schweiz ist das relevant, weil mehr europäische Rechenleistung und ein möglicher eigener Chip die Abhängigkeit von US-Anbietern verringern – ein Argument, das bei Datenhoheit und Souveränität immer wichtiger wird.