Malta wird das erste Land, das allen Einwohnern ein Jahr ChatGPT Plus kostenlos gibt – nach einem KI-Literacy-Kurs der Universität Malta. Ein Modell, das andere EU-Staaten genau beobachten.
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Malta koppelt Premium-KI an einen kostenlosen KI-Kurs – ein neues Modell, wie Staaten Adoption und Kompetenz gleichzeitig steuern können.
Malta ist seit Freitag das erste Land der Welt, das allen Einwohnern ab 14 Jahren ein Jahr ChatGPT Plus kostenlos zur Verfügung stellt – im Gegenzug für einen kurzen Online-Kurs zu KI-Grundlagen. Die Partnerschaft mit OpenAI heisst «AI for All» und startet im Mai 2026. Wer den Kurs an der Universität Malta abschliesst, schaltet danach den 20-Dollar-Tarif für zwölf Monate frei. Auch im Ausland lebende Maltesinnen und Malteser sind eingeschlossen.
Bisher hat OpenAI Regierungen einzelne Behörden mit ChatGPT Enterprise ausgestattet – Estland für Schulen, Singapur für Verwaltungsaufgaben. Malta geht einen Schritt weiter: Hier bekommt jede Bürgerin und jeder Bürger den Premium-Zugang, ohne Behördenrolle. Das Programm läuft unter OpenAIs Initiative «OpenAI for Countries», die Sam Altman im April als nächste Phase der staatlichen Adoption angekündigt hatte.
Silvio Schembri, Maltas Minister für Wirtschaft und strategische Projekte, formuliert das Versprechen so:
«Durch den AI-for-Everyone-Kurs stellen wir sicher, dass jede Bürgerin und jeder Bürger – unabhängig vom Hintergrund – das Vertrauen und die Fähigkeiten aufbauen kann, um in einer digitalen Welt zu bestehen.»
Die Verteilung übernimmt die Malta Digital Innovation Authority. Eligible sind alle, die im maltesischen Online-Identitätssystem registriert sind.
Malta hat rund 550'000 Einwohner und sucht seit Jahren eine Position im EU-Wettbewerb um Tech-Investitionen. Mit dem Deal verschafft sich das Land drei Dinge gleichzeitig:
OpenAI wiederum bekommt eine lebende Pilotstudie: Was passiert, wenn ein ganzes Land gleichzeitig auf ChatGPT Plus zugreift? Welche Nutzungsmuster entstehen? Welche Wirtschaftszweige profitieren am meisten? Die Daten – wenn auch DSGVO-konform aggregiert – sind für OpenAI Gold wert.
Der AI-Literacy-Kurs ist kostenlos, aber Pflicht. Er erklärt, was KI kann, was sie nicht kann (Stichwort Halluzinationen) und wie man sie verantwortungsvoll einsetzt. Erst nach Abschluss schaltet die Plattform ChatGPT Plus frei.
Damit löst Malta auf elegante Weise ein Problem, das die EU mit dem AI Act bisher nur regulatorisch angeht: Kompetenz als Eintrittskarte. Statt die Technologie zu beschränken, beschränkt man den unkundigen Zugang. Wer ChatGPT Plus will, muss zumindest wissen, was er da bedient.
Die Schweiz hat mit Apertus ihr eigenes Open-Source-LLM und einer der weltweit höchsten KI-Forscherdichten – und trotzdem keine vergleichbare Bürger-Initiative. Die Frage drängt sich auf: Würde ein analoges Programm hier funktionieren? Mit Apertus als Basis statt ChatGPT, mit ETH und EPFL als Wissens-Hubs?
Für KMU und öffentliche Verwaltung wäre der Effekt potenziell grösser als jede Förderausschreibung. Bisher aber bleibt das Modell Malta-exklusiv – und ein interessantes Experiment darüber, wie weit ein KI-Lab und ein Staat zusammen gehen können.
Andere EU-Länder dürften genau hinschauen. Wer als nächstes folgt, weiss noch niemand.