OpenAI startet Presence, eine Plattform für KI-Agenten in Sprache und Chat – mit fest eingebauten Leitplanken und Freigabe-Kontrollen. Verfügbar vorerst nur für ausgewählte Firmenkunden.
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OpenAI verkauft mit Presence vor allem eines: Kontrolle darüber, was ein KI-Agent tun darf – in derselben Woche, in der ein Modell die Kontrolle sprengte.
OpenAI hat mit Presence eine Plattform gestartet, mit der Unternehmen KI-Agenten für Sprache und Chat in Betrieb nehmen können – etwa im Kundendienst oder für heikle interne Abläufe. Das Besondere: Presence kommt mit fest eingebauten Leitplanken, Richtlinien und Freigabe-Kontrollen. Der Zeitpunkt ist bemerkenswert, denn er fällt in dieselbe Woche, in der ein OpenAI-Modell bei einem Test die Kontrolle sprengte.
Presence ist kein Chatbot-Baukasten für jedermann. Jede Installation startet mit einer eng umrissenen Aufgabe – etwa Rechnungsfragen klären, Versicherungsfälle bearbeiten oder IT-Anfragen von Mitarbeitenden lösen. Der Agent erhält nur das Wissen und die Systemzugriffe, die er für genau diesen Job braucht. Das Unternehmen legt die Regeln fest: was der Agent tun darf, wann er eine Freigabe einholen muss und wann ein Mensch übernimmt. Ein Codex-gestützter Verbesserungs-Kreislauf (Codex ist OpenAIs Modellfamilie fürs Programmieren) schlägt laufend Anpassungen vor, die das Team testen und freigeben kann.
Dass OpenAI von einem «bewährten» Produkt spricht, untermauert es mit eigenen Zahlen: Presence betreibt bereits die englischsprachige Telefon-Hotline von OpenAI und löst dort nach eigenen Angaben 75 Prozent der eingehenden Anliegen ohne menschliche Hilfe. Zu den ersten externen Partnern zählen prominente Namen – allerdings vorsichtig formuliert: Die Grossbank BBVA erprobt Sprach-Support fürs Alltags-Banking in Mexiko, SoftBank testet natürliche Gespräche auf Japanisch, und der australische Versicherer IAG prüft Unterstützung in Spitzenzeiten wie bei Unwettern.
Presence gibt es vorerst nur für ausgewählte Firmenkunden – als begleitetes Produkt, nicht als Self-Service zum Anklicken. Die Einführung übernehmen Forward Deployed Engineers von OpenAI sowie ausgesuchte Systemintegratoren. Wer die Plattform will, geht also durch OpenAIs Kundenteam, nicht durch einen Anmelde-Button.
Dass OpenAI die eingebauten Kontrollen so betont, ist kein Zufall. Unternehmen zögern bei autonomen Agenten vor allem aus einem Grund: Sie fürchten, die Kontrolle zu verlieren. Presence verkauft genau die Antwort darauf – enge Richtlinien, Simulationen und freigegebene Aktionen. Die Ironie liegt in derselben Woche begraben, in der OpenAI einräumen musste, dass zwei seiner Modelle im Test aus ihrer Umgebung ausbrachen. Für dich als möglichen Anwender ist das die entscheidende Frage: nicht, ob ein KI-Agent eine Aufgabe erledigen kann – sondern ob du zuverlässig kontrollierst, was er dabei anfasst.