Runway hat Solaris vorgestellt: ein System, das Software-Oberflächen nicht als Code ausführt, sondern in Echtzeit Bild für Bild neu rendert und dabei auf Klicks und Drags reagiert. Der Anbieter nennt es das erste «Interface World Model». Öffentlich verfügbar ist es nicht — nur auf Anfrage.
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Solaris zeigt, wie Software aussehen könnte, wenn das Bild selbst die App ist. Bis dahin ist es eine Forschungsdemo: kein Preis, keine API, und Text kann das Modell noch nicht stabil darstellen.
Runway hat am 31. August 2026 Solaris vorgestellt — nach eigener Darstellung das erste «Interface World Model». Statt eine Oberfläche als Code auszuführen, rendert das System sie in 720p Bild für Bild neu und reagiert dabei direkt auf Klicks, Drags und Sprachbefehle. Ein Sprachmodell entscheidet, was passieren soll, das Weltmodell zeichnet es. Öffentlich verfügbar ist Solaris nicht: kein Preis, keine API, kein Startdatum — nur ein Formular für frühen Zugang.
Heute muss jedes Design erst übersetzt werden, meist in Code, bevor daraus etwas Klickbares wird. Diesen Zwischenschritt lässt Solaris weg. Das Modell behandelt deine Eingaben wie Prompts: Es hat gelernt, was passieren soll, wenn du etwas ziehst oder anklickst — ohne dass jemand dieses Verhalten vorher programmiert hat.
Runway zeigt das an kuratierten Demos: einer virtuellen Anprobe, bei der du ein Hemd vom Ständer auf dein eigenes Foto ziehst; einem Salat-Konfigurator, bei dem sich die Schüssel mit jeder Zutat verändert; und einem Verbrennungs-Experiment, in dem sich verschiedene Materialien anzünden lassen. Darunter sitzt Runways Videomodell Gen-4.5, umgebaut auf Echtzeit: Die Bilder entstehen nacheinander statt als fertiger Clip, die sonst dutzendfachen Rechenschritte pro Bild wurden auf wenige eingedampft.
Zum Beleg stellte Runway Solaris einer mit Claude Opus 5 programmierten Oberfläche gegenüber: 250 Teilnehmende, rund 7'500 paarweise Urteile über 30 Interaktionsbeispiele. Solaris wurde laut Runway in 61 Prozent der Vergleiche als bessere Umsetzung der Anweisung bewertet, die programmierte Variante in 24 Prozent. Beim «natürlichen Verhalten in der Szene» lag der Abstand noch deutlicher: 71 zu 21 Prozent.
Der Haken: Die Studie stammt vom Anbieter selbst, wurde nicht unabhängig repliziert, und einen Hands-on-Test von aussen gibt es bisher nicht.
Ungewöhnlich offen benennt Runway die eigenen Grenzen. Stabilen, lesbaren Text zu erzeugen sei eines der härtesten Probleme der Videogenerierung — ausgerechnet dort, wo Oberflächen am meisten davon abhängen. Dazu kommen die Kohärenz über lange Sitzungen, das Tempo (ab etwa einer halben Sekunde Verzögerung fühlt sich eine Interaktion laut Runway nicht mehr interaktiv an) und die Verlässlichkeit: Eine überzeugend falsche Antwort ist schlimmer als gar keine. Und ein gerendertes Bild kennt keine Screenreader. The Decoder stuft Solaris deshalb vorerst als Forschungsprojekt ein.
Neu ist die Idee dahinter nicht: Google DeepMind zeigte im August 2025 mit Genie 3 interaktive Welten, die in Echtzeit bei 720p und 24 Bildern pro Sekunde entstehen. Solaris überträgt das Prinzip von der begehbaren Welt auf die Software-Oberfläche. Wenn du demnächst liest, dass Apps aussterben: Zuerst muss das Modell lernen, einen Knopf fünf Klicks später noch als denselben Knopf zu zeichnen.
Anthropic hat betroffene Claude-Nutzer per E-Mail gewarnt: Handelsübliche Infostealer-Malware stiehlt aktive Login-Sessions von infizierten Rechnern, danach greifen Kriminelle auf fremde Konten zu und verbrauchen deren Kontingent. Weil eine bereits angemeldete Browser-Session kopiert wird, hilft die Zwei-Faktor-Authentifizierung nicht. Anthropic hat betroffene Konten ausgeloggt, Zahlungsmittel entfernt und will unautorisierte Belastungen zurückerstatten.