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Google drosselt Android-Apps – weil KI-Rechenzentren den RAM wegkaufen

Google Play verlangt ab Februar 2027 messbare Speicher-Obergrenzen für Android-Apps. Grund ist die globale RAM-Knappheit, weil KI-Rechenzentren den Speichermarkt leerkaufen.

Pascal Eugster
Pascal Eugster
GRÜNDER & ENTWICKLER
29. AUGUST 2026
3 MIN. LESEZEIT
Illustration eines Speichermoduls auf einer Werkbank vor einem leeren Lagerregal, kinewsletter.ch Stil
Illustration eines Speichermoduls auf einer Werkbank vor einem leeren Lagerregal, kinewsletter.ch Stil
INHALT
012,25 Gigabyte – und keines mehr02Was die 25 Prozent wirklich heissen03Vom Rechenzentrum ins Billig-Handy04Sunrise rechnet mit knappen Geräten
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012,25 Gigabyte – und keines mehr02Was die 25 Prozent wirklich heissen03Vom Rechenzentrum ins Billig-Handy04Sunrise rechnet mit knappen Geräten
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DAS WICHTIGSTE IN KÜRZE

Der KI-Boom verknappt den Handy-Speicher so stark, dass Google Android-Apps ab Februar 2027 zu messbarer Speicherdisziplin zwingt.

Google Play führt verbindliche Speicher-Obergrenzen für Android-Apps ein. Ab Februar 2027 müssen Apps und Games im Play Store messbare Schwellen für Arbeitsspeicher, Bildspeicher und Code-Optimierung einhalten – das hat Google am 26. August 2026 im Android-Developers-Blog angekündigt. Wer die Werte reisst, fliegt nicht raus, verliert aber Sichtbarkeit und Publishing-Möglichkeiten im Store. Den Grund nennt Google in der eigenen Play-Console-Dokumentation ungewöhnlich direkt: Eine ökosystemweite Speicherkrise stehe wegen steigender RAM-Kosten unmittelbar bevor.

2,25 Gigabyte – und keines mehr

Google misst künftig drei Dinge. Erstens den dynamischen Arbeitsspeicher (im Fachjargon «Anonymous RSS + Swap» – vereinfacht: alles, was eine App aktiv im Speicher hält, inklusive komprimierter Daten). Zweitens den Bitmap-Speicher, also den Platz, den geladene Bilder belegen. Drittens die Code-Optimierung.

Die Schwellen sind nach Geräteklasse gestaffelt. Auf einem 8-GB-Smartphone darf eine App im Vordergrund höchstens 2,25 GB belegen und im Hintergrund 1,5 GB; auf einem 4-GB-Gerät sind es 2 GB beziehungsweise 1 GB. Games bekommen mehr Spielraum. Bitmaps sind im Hintergrund auf 200 MB gedeckelt, im gecachten Zustand auf 400 MB. Gemessen wird nicht der Spitzenwert eines Einzelfalls, sondern das 90. Perzentil über rollende 28 Tage – ein Ausreisser bringt dich also nicht in Schwierigkeiten, ein struktureller Speicherfresser schon.

Was die 25 Prozent wirklich heissen

In vielen Berichten liest man, Entwickler müssten ihren Code «um mindestens 25 Prozent verkleinern». Das ist ungenau. Googles Dokumentation verlangt eine Abdeckung von je mindestens 25 Prozent bei Optimierung, Verschleierung und Verkleinerung des DEX-Codes – zum Beispiel mit dem Werkzeug R8. Und die Regel greift überhaupt erst ab 10 MB DEX-Code bei Apps beziehungsweise 50 MB bei Games. Kleine Apps sind aussen vor.

Vom Rechenzentrum ins Billig-Handy

Warum jetzt? Weil der Speicher physisch woanders landet. Die Hersteller verschieben Kapazität zu HBM, dem margenstarken Stapelspeicher für KI-Beschleuniger – und der normale Handy-Speicher wird knapp. Die Marktforscher von TrendForce erwarteten für die Kontraktpreise von LPDDR4X und LPDDR5X im ersten Quartal 2026 einen Sprung von je rund 90 Prozent gegenüber dem Vorquartal – nach ihrer Einschätzung die steilsten Anstiege in der Geschichte dieser Produkte.

Das schlägt direkt aufs Gerät durch. Counterpoint Research hat für Einsteiger-Smartphones unter 200 Dollar durchgerechnet: Die gesamten Materialkosten dürften um rund 25 Prozent steigen, der Speicheranteil an diesen Kosten klettert von 43 auf 54 Prozent. Tom's Hardware berichtet, dass viele Hersteller Einsteigergeräte von 6 bis 8 GB auf 4 GB RAM zurückgestuft haben.

Die Pointe: Google selbst macht es genauso. Beim Pixel 11 Pro und Pro XL sank der Basis-Arbeitsspeicher von 16 auf 12 GB – bei rund 100 Dollar höherem Preis. Ein Google-Sprecher sprach gegenüber Engadget von einer schweren, lieferantenseitig getriebenen RAM-Knappheit.

Sunrise rechnet mit knappen Geräten

Auch in der Schweiz ist das angekommen. Sunrise-CEO André Krause hielt im Februar gegenüber der Nachrichtenagentur AWP einen Engpass bei Handys für möglich – Grund seien die riesigen KI-Investitionen, alle grossen Smartphone-Hersteller hätten entsprechende Warnungen ausgegeben. Sunrise kündigte selektive Preiserhöhungen an, Swisscom eine Erhöhung der Privatkundentarife ab April.

Für dich als Nutzer heisst das zweierlei: Dein nächstes Mittelklasse-Handy hat womöglich weniger RAM als das aktuelle – und deine Apps müssen bis Februar 2027 lernen, damit auszukommen. Der KI-Boom, den du auf dem Bildschirm siehst, kostet dich also auch etwas, das du nicht siehst.

Quellen

Elevating app quality: Reducing memory usage and improving device migration (Android Developers Blog)↗ EXTERNER LINKPlay Console technical quality requirements (Google Support)↗ EXTERNER LINKAI's memory crunch is coming for Android apps (TechCrunch)↗ EXTERNER LINKGoogle clamps down on Android app RAM usage amid AI memory crisis (Tom's Hardware)↗ EXTERNER LINKGoogle forces Android apps to use memory more wisely as RAMpocalypse rages (The Register)↗ EXTERNER LINKGoogle Play Enforces App Memory Limits on Android Amid Global RAM Shortage (Android Headlines)↗ EXTERNER LINKGoogle cracks down on memory-hogging Android apps amid an AI-fueled RAM shortage (Digital Trends)↗ EXTERNER LINKMemory Price Outlook for 1Q26 Sharply Upgraded (TrendForce)↗ EXTERNER LINKSo treiben die Kosten für Speicher die Smartphone-Preise (Computerworld.ch)↗ EXTERNER LINKSunrise sieht möglichen Handyengpass und erhöht selektiv Preise (Moneycab)↗ EXTERNER LINKGoogle's Pixel 11 Pro and Pro XL have less RAM despite price increases (Engadget)↗ EXTERNER LINK
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