Oracle hat für sein 165-Milliarden-Dollar-Rechenzentrum "Project Jupiter" in New Mexico eine Force-Majeure-Mitteilung verschickt. Grund ist keine Naturkatastrophe, sondern eine blockierte Erdgas-Pipeline, deren Wegerechte eine Landkommissarin zweimal ablehnte. Oracle und Geldgeber Blue Owl sehen kein Problem, der Markt handelt die Finanzierung skeptischer.
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Ein 165-Milliarden-Dollar-KI-Rechenzentrum scheitert vorerst nicht an der Technik, sondern an einer nicht genehmigten Erdgas-Pipeline.
Oracle hat laut einem Bloomberg-Exklusivbericht vom 24. September 2026 eine Force-Majeure-Mitteilung für sein Rechenzentrum "Project Jupiter" in Santa Teresa, Doña Ana County, New Mexico, verschickt. Force Majeure heisst "höhere Gewalt" – ein Vertragsbegriff, mit dem sich ein Unternehmen bei unvorhersehbaren Ereignissen von Vertragsstrafen befreien kann. Der Clou: Diesmal steckt keine Naturkatastrophe dahinter, sondern eine fehlende Pipeline-Genehmigung. Betroffen ist ein Projekt im Umfang von rund 165 Milliarden Dollar.
Project Jupiter ist Teil des Stargate-Programms für OpenAI, entwickelt von Stack Infrastructure und BorderPlex Digital Assets auf rund 1'400 Acres nahe der Grenze zu Mexiko und Texas. Geplant sind bis zu 2,45 Gigawatt Kapazität. Der Betrieb sollte über eine Erdgas-Pipeline von Energy Transfer laufen, ursprünglich ab August 2026. New Mexicos Landkommissarin Stephanie Garcia Richard hat die nötigen Wegerechte für die Pipeline aber zweimal abgelehnt, wegen Bedenken zu Emissionen und Wasserressourcen. Neuer Zieltermin: der 1. Februar 2027. Zusätzlich steht eine Luftqualitäts-Genehmigung aus, Frist ist der 23. November 2026. Weil der Gasanschluss fehlt, soll das Rechenzentrum vorerst über Brennstoffzellen von Bloom Energy versorgt werden.
Oracle und Mitfinanzierer Blue Owl Capital geben sich öffentlich gelassen. Oracle liess verlauten: "Project Jupiter remains on our planned schedule. We are fully committed to New Mexico." Blue Owl betont, die Mitteilung ändere nichts an den finanziellen Zusagen für das mehrjährige Projekt. Auch Oracle-Finanzchefin Hilary Maxson sieht die Umsatz- und Gewinnprognose fürs Geschäftsjahr 2027 nicht gefährdet, Zieltermin für die Inbetriebnahme bleibe 2028. Der Markt liest die Lage anders: Laut Bloomberg wurde die Projektfinanzierung unter gehandelt – ein Hinweis auf Zweifel an der Werthaltigkeit. CNBC berichtete zudem von einem Kursrückgang der Oracle-Aktie um rund 3 Prozent, andere Quellen nannten Werte von bis zu 7 Prozent.
Der Streit um Project Jupiter ist in New Mexico längst politisch aufgeladen: Das Justizministerium des Bundesstaats ermittelt wegen mutmasslich gefälschter Stellungnahmen im Genehmigungsverfahren, und ein Gesetzesvorstoss für ein Moratorium gegen neue Rechenzentren (SB 235) ist erst kürzlich gescheitert. Konkret heisst das für dich: Der weltweite KI-Bauboom scheitert hier nicht an Chips oder Kapital, sondern an ganz banalen physischen Grenzen – Strom, Wasser, Pipelines und einer einzelnen Landkommissarin, die zweimal Nein sagt. Eine Stellungnahme von OpenAI oder den Behörden zur Force-Majeure-Mitteilung selbst liegt bislang nicht vor.
Eine neue Brookings-Studie beziffert den US-KI-Infrastrukturausbau auf 3,63 Prozent des jährlichen Bruttoinlandsprodukts – mehr als Eisenbahn, Highways und Telekomausbau je erreichten. Damit sich das refinanziert, müsste die Branche ihren Umsatz bis 2032 um rund 80 Prozent pro Jahr steigern. Ein Columbia-Ökonom zieht dabei einen Vergleich, der aufhorchen lässt.