Das Start-up Panthalassa will KI-Rechenzentren als schwimmende Bojen aufs offene Meer bringen. Wellen liefern den Strom, Meerwasser kühlt die Server, Satelliten transportieren die Daten. Peter Thiel hat soeben 140 Millionen Dollar in die Idee gesteckt.
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Panthalassas wellengetriebene Floating Datacenters sollen ab 2027 kommerziell laufen — eine Wette auf den Ozean als nächste Stromquelle der KI.
Während Hyperscaler wie Google und Microsoft Atomkraftwerke wieder hochfahren lassen, schaut der ehemalige Palantir-Chef Peter Thiel in die andere Richtung: aufs offene Meer. Anfang Mai hat Panthalassa, ein Start-up aus Portland im US-Bundesstaat Oregon, eine Serie-B-Runde über 140 Millionen Dollar abgeschlossen — angeführt von Thiels persönlichem Fonds. Das Unternehmen ist damit laut Financial Times rund eine Milliarde Dollar wert und sammelte insgesamt schon 210 Millionen Dollar ein.
Der Plan klingt nach Science-Fiction, ist aber überraschend konkret.
Panthalassa baut sogenannte Nodes: lollipop-förmige Konstruktionen mit einer Kugel auf der Wasseroberfläche und einem rund 85 Meter (knapp 280 Fuss) langen Stahlrohr darunter. Die Kugel hebt und senkt sich mit den Wellen, das eingeschlossene Wasser im Rohr treibt Turbinen an und erzeugt so Strom — direkt im offenen Ozean, weit weg von jedem Stromnetz.
Der Clou: Der gewonnene Strom wird nicht per Kabel an Land geschickt, sondern fliesst direkt in einen hermetisch versiegelten KI-Server, der ebenfalls in der Konstruktion sitzt. Meerwasser übernimmt die Kühlung, ein Low-Earth-Orbit-Satellit schickt die Rechenergebnisse zurück aufs Festland. Das Unternehmen hat seit 2021 die Generationen Ocean-1 und Ocean-2 sowie einen Prototyp namens Wavehopper im Wasser getestet. Die neue Variante Ocean-3 soll noch dieses Jahr im nördlichen Pazifik laufen, kommerzielle Einsätze plant Panthalassa für 2027.
Der Zeitpunkt ist kein Zufall. Laut der Internationalen Energieagentur (IEA) verbrauchten Rechenzentren weltweit 2024 rund 415 Terawattstunden Strom — bis 2030 dürfte sich der Wert auf etwa 945 Terawattstunden mehr als verdoppeln. Zum Vergleich: Das entspricht in etwa dem heutigen Stromverbrauch von Japan. KI-Workloads sind dabei der grösste Treiber. Die IEA warnt, dass rund 20 Prozent der geplanten Rechenzentrumsprojekte verzögert werden könnten, weil die Stromnetze nicht mitkommen.
Diese Engpässe an Land machen die Idee, Compute und Stromerzeugung gleich aufs Meer auszulagern, kommerziell plötzlich diskutabel. Panthalassa-Gründer und CEO Garth Sheldon-Coulson formuliert das so: «Es gibt drei Energiequellen mit zweistelligem Terawatt-Potenzial — Solar, Atomkraft und der offene Ozean.»
Skepsis ist trotzdem angebracht. Microsofts Unterwasser-Experiment Project Natick lief von 2018 bis 2024 mit rund 850 Servern vor Schottland erstaunlich stabil — wurde aber trotzdem eingestellt. Forschende warnen seither vor den unangenehmen Nebenwirkungen: Salzwasser frisst Material, Stürme stressen die Mechanik, Reparaturen auf hoher See sind teuer, und die Datenleitung per Satellit hat klare Bandbreiten-Grenzen. Ein Forscher der University of Florida hat zudem darauf hingewiesen, dass Schall im Wasser schneller wandert als in der Luft — Unterwasser-Server wären damit anfälliger für akustische Angriffe.
Auch der Investor selbst polarisiert: Thiel beschäftigt sich seit fast zwei Jahrzehnten mit Seasteading-Ideen — autonomen Kolonien im internationalen Gewässer, ausserhalb staatlicher Jurisdiktion. Wenn er nun in Server-Bojen investiert, ist das auch politisch eine Aussage.
Für die Nutzerin von ChatGPT oder Claude ändert sich kurzfristig nichts. Für die Energiediskussion schon: Die KI-Branche verlässt zunehmend die ausgetretenen Pfade — von Mini-Atomreaktoren über Datacenter im Orbit bis hin zu schwimmenden Compute-Bojen. Ob Panthalassa zur ernsthaften Stromquelle wird oder ein elegantes Experiment bleibt, entscheidet sich 2026 im Pazifik. Spätestens dann wissen wir, ob die hohe See den Stromhunger der KI bändigen kann — oder ob das Konzept im ersten Wintersturm absäuft.