Das Londoner Startup PhysicsX sammelt 300 Millionen Dollar bei einer Bewertung von 2,4 Milliarden. Seine «Large Physics Models» ersetzen tagelange physikalische Simulationen durch Berechnungen in Sekunden.
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Während alle über Chatbots reden, entsteht mit «physischer KI» eine zweite Welle, die Ingenieurarbeit massiv beschleunigt.
Während die grossen KI-Labors um den nächsten Chatbot ringen, sammelt ein Londoner Startup 300 Millionen Dollar für eine ganz andere Idee: eine KI, die nicht plaudert, sondern Physik berechnet. PhysicsX gab die Finanzierungsrunde am 8. Juni bekannt – und wird damit neu mit rund 2,4 Milliarden Dollar bewertet.
PhysicsX baut eine KI, die klassische physikalische Simulationen ersetzt. Wer heute ein Bauteil wie eine Turbinenschaufel, einen Chip oder ein Flugzeugteil entwickelt, muss durchrechnen, wie es sich unter Hitze, Druck und Strömung verhält. Solche Simulationen dauern Stunden bis Tage. Die Modelle von PhysicsX liefern das Ergebnis in Sekunden.
Im Zentrum stehen sogenannte Large Physics Models – das Pendant zu Sprachmodellen, nur trainiert auf riesigen Datensätzen aus Thermodynamik und Strömungslehre statt auf Texten. Die KI sagt voraus, wie sich Hardware im realen Einsatz verhält, ohne dass jedes Mal ein teurer Prototyp gebaut werden muss.
Die Runde führt der Staatsfonds Temasek aus Singapur an, neu dabei sind M&G Investments und Intrepid Growth Partners. Mit an Bord bleiben prominente Bestandsinvestoren – darunter Chip-Riese NVIDIA, der Anlagenbauer Applied Materials, Siemens sowie Atomico und General Catalyst. Diese Mischung aus Industrie und Tech zeigt, worum es geht: KI nicht für den Bildschirm, sondern für die Fabrikhalle.
Das Geld fliesst vor allem in die Forschung an den Large Physics Models. PhysicsX ist im vergangenen Jahr auf über 300 Mitarbeitende gewachsen und hat den Umsatz verdoppelt. Der Anwendungsbereich reicht von Triebwerken über Halbleiter bis zu Verteidigungstechnik.
Einordnung: Die meiste KI-Aufmerksamkeit gilt Chatbots und Bildgeneratoren. Dabei entsteht parallel eine zweite Welle – «physische KI», die Ingenieurarbeit beschleunigt. Für den Industriestandort Europa, und damit auch für Schweizer Maschinen- und Präzisionsbauer, könnte diese Entwicklung am Ende handfester sein als jeder neue Chatbot.