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Tavus: Fast jeder Zweite hält KI-Avatar Griffin für echt

Das US-Startup Tavus meldet, dass 48 Prozent der Testpersonen seinen KI-Videoavatar Griffin nach einer Minute für einen Menschen hielten. Die Zahl stammt vom Hersteller, die Stichprobe war mit 54 Personen klein. Für die Schweiz ist sie trotzdem ein Warnsignal, weil Betrüger Video-Fälschungen bisher selten, Stimmklone dafür umso öfter einsetzen.

Pascal Eugster
Pascal Eugster
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3. OKTOBER 2026
2 MIN. LESEZEIT
Tuschezeichnung einer Marionettenbühne: Hinter einem leeren Bildschirmrahmen halten zwei Hände ein Spielkreuz, an dessen Fäden eine Maske hängt; die Maske ist leuchtend blau.
Tuschezeichnung einer Marionettenbühne: Hinter einem leeren Bildschirmrahmen halten zwei Hände ein Spielkreuz, an dessen Fäden eine Maske hängt
INHALT
0126 von 54: Was die Zahl wirklich misst02Noch nicht für alle03Warum die Schweiz hinschauen sollte04So bleibst du misstrauisch
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0126 von 54: Was die Zahl wirklich misst02Noch nicht für alle03Warum die Schweiz hinschauen sollte04So bleibst du misstrauisch
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Tavus behauptet, 26 von 54 Testpersonen hätten Griffin in einem einminütigen Videocall für einen Menschen gehalten (Vorgänger: 1 von 41). Die Studie stammt vom Hersteller und ist nicht unabhängig repliziert – als Warnung vor Echtzeit-Deepfakes taugt sie trotzdem.

Das US-Startup Tavus hat am 1. Oktober 2026 «Griffin» vorgestellt, ein KI-Modell, das in Videocalls Mimik, Stimme und Gestik live verarbeitet. Laut Tavus hielten 48 Prozent der Testpersonen den Avatar nach einer Minute für einen echten Menschen; beim Vorgänger Phoenix-4.5 war es nur einer von 41 (2,4 Prozent). Die Zahlen stammen vom Hersteller und wurden bisher nicht unabhängig überprüft.

26 von 54: Was die Zahl wirklich misst

Laut Runtime Wire und Tavus' eigener Produktseite lief der Test so: 54 Personen aus den USA und Europa, rekrutiert über eine Forschungsplattform, wurde gesagt, sie würden mit einem anderen Menschen über ihre Jahrespläne sprechen. Tatsächlich sprachen sie eine Minute lang mit Griffin-Lite, einer abgespeckten Version, und wurden erst danach gefragt, ob ihr Gegenüber echt war. 26 von 54 sagten Ja.

Drei Vorbehalte gehören dazu:

  • Hersteller-Studie: Durchgeführt hat den Test Tavus, nicht ein unabhängiges Labor.
  • Kleine Stichprobe: Bei 54 Personen liegt die statistische Unsicherheit grob gerechnet bei rund 13 Prozentpunkten nach oben und unten.
  • Test mit Vorwarnung fehlt: Die Teilnehmenden rechneten nicht mit einer Maschine; wer gezielt nach ihr sucht, erkennt sie wohl öfter.

Dazu kommt Nvidias Benchmark für «Full-Duplex»-Video (die KI hört und spricht gleichzeitig und kann unterbrechen oder lachen): Griffin erreicht laut 3,83 von 5 Punkten, der Mensch als Referenz 3,92, das beste frühere KI-System 2,80.

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Noch nicht für alle

Griffin-Lite ist eine Forschungsvorschau für ausgewählte Tester. Vor einer breiten Freigabe will Tavus Offenlegungsfunktionen und Sicherheitsverfahren einführen. Kritiker warnen laut Protos vor Betrug und Täuschung, etwa in Bewerbungsgesprächen.

Warum die Schweiz hinschauen sollte

Das Bundesamt für Cybersicherheit (BACS) zählte für 2025 971 Meldungen zu CEO-Betrug, nach 719 im Jahr davor. Meist kommen dabei geklonte Stimmen zum Einsatz; manipulierte Videokonferenzen sind laut BACS seltener. Laut Netzwoche basieren Video-Deepfakes heute oft noch auf Standbildern, Echtzeit-Fälschungen gelten als nächste Stufe. Wie so ein Fall aussieht, zeigt unser Bericht über die geklonte Stimme bei Fideuram. Auch Google baut sprechende Gesichter: Live Avatar.

So bleibst du misstrauisch

Das BACS rät:

  1. Identität über eine Nummer prüfen, die du selbst kennst.
  2. Verhalten, Gestik und Sprechweise kritisch beobachten.
  3. Unplausible Anrufe beenden, dich nicht unter Druck setzen lassen.
  4. Nie Passwörter oder PINs am Telefon preisgeben.

Einordnung: Wenn fast die Hälfte einen Avatar nicht erkennt, hilft Bauchgefühl allein nicht. Verlass dich auf Abläufe wie den Rückruf, nicht auf den Eindruck im Bild.

Quellen

Griffin – Human Interaction Model (Tavus, Herstellerangabe, 01.10.2026)↗ EXTERNER LINKTavus stellt mit Griffin ein KI-Modell vor, das Videogespräche fast so menschlich führt wie ein Mensch (The Decoder, 01.10.2026)↗ EXTERNER LINKTavus says Griffin fooled 48% of testers in one-minute video calls (Runtime Wire, 01.10.2026)↗ EXTERNER LINKTavus Griffin AI model (Cybernews, 02.10.2026)↗ EXTERNER LINKTavus call bot sparks AI scam, psychosis fears (Protos, 02.10.2026)↗ EXTERNER LINKWoche 4: «Dringende Überweisung» – CEO-Betrug bleibt ein Dauerbrenner für KMU (BACS, 27.01.2026)↗ EXTERNER LINKBlick in die Deepfake-Zukunft (Netzwoche, 05.08.2026)↗ EXTERNER LINK
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