Donald Trump hat einen KI-Erlass unterzeichnet: Die grossen Labore sollen ihre stärksten Modelle der US-Regierung vor dem Start zum Cyber-Test geben – freiwillig, aber mit spürbarem Druck.
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Die USA setzen auf freiwillige Frühzugänge statt harte Regeln – ein Frühwarnsystem, das den weltweiten Start neuer KI-Modelle verzögern könnte.
Donald Trump hat am 2. Juni 2026 einen neuen KI-Erlass unterzeichnet – und dreht damit an einem heiklen Hebel: Künftig sollen die grossen KI-Labore ihre stärksten Modelle der US-Regierung vor dem öffentlichen Start zum Testen geben. Freiwillig, betont das Weisse Haus. Aber der Druck, mitzumachen, dürfte gross sein.
Kern des Erlasses ist ein freiwilliges Rahmenwerk für sogenannte «covered frontier models» – also die leistungsfähigsten KI-Modelle. Teilnehmende Entwickler geben der Regierung einen sicheren Frühzugang, damit ausgewählte «vertrauenswürdige Partner» die Modelle auf Cyber-Risiken prüfen können, bevor sie breit verfügbar werden. Laut übereinstimmenden Berichten beträgt dieses Fenster bis zu 30 Tage – frühere Entwürfe hatten noch 90 Tage vorgesehen.
Dazu kommt eine AI Cybersecurity Clearinghouse: eine Stelle, die zusammen mit der Industrie Software-Schwachstellen im grossen Stil aufspüren und beheben soll. Und ein geheimes Benchmarking-Verfahren, mit dem die Cyber-Fähigkeiten von KI-Modellen bewertet werden.
Bemerkenswert ist, was der Erlass ausdrücklich nicht tut. Er schafft keine Lizenzpflicht, keine Vorab-Genehmigung, kein Permitting für die Entwicklung oder Veröffentlichung von KI-Modellen. Genau hier liegt die Gratwanderung: Die Trump-Regierung will als KI-freundlichste der Geschichte gelten und Innovation nicht mit Vorschriften erdrücken – gleichzeitig aber Einblick in die mächtigsten Systeme bekommen.
Kritiker weisen darauf hin, dass «freiwillig» in der Praxis schnell verbindlich wirken kann. Wer sich dem Sicherheitstest verweigert, riskiert den Ruf, ein nationales Risiko zu ignorieren. Google und OpenAI reagierten dennoch positiv auf den Erlass. Der Attorney General wird zudem angewiesen, KI-gestützte Cyberkriminalität konsequenter zu verfolgen.
Auf den ersten Blick ist das US-Innenpolitik. Auf den zweiten betrifft es jeden, der hier mit KI arbeitet. Die meisten Spitzenmodelle – von OpenAI, Anthropic oder Google – kommen aus den USA. Wenn Washington künftig ein 30-Tage-Testfenster bekommt, kann sich der weltweite Marktstart neuer Modelle verschieben – auch für Schweizer Nutzerinnen und Nutzer.
Spannend ist auch der Kontrast der Philosophien: Während die EU mit dem AI Act auf verbindliche Regeln setzt, wählen die USA den freiwilligen, sicherheitsgetriebenen Weg. Die Schweiz steht dazwischen und muss entscheiden, an welchem Modell sie sich orientiert.
Einordnung: Der Erlass ist weniger ein Bremsklotz als ein Frühwarnsystem – der Staat will sehen, was auf ihn zukommt, ohne den Innovationsmotor abzuwürgen. Ob die Balance hält, entscheidet sich daran, wie «freiwillig» die Teilnahme am Ende wirklich bleibt.