Zwei Wochen nach der Totalsperre rudert die US-Regierung zurück: Anthropic darf sein Spitzenmodell Claude Mythos 5 wieder einer begrenzten Zahl von Firmen zur Verfügung stellen – darunter zahlreiche Fortune-500-Konzerne.
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Die US-Regierung gibt Anthropics Claude Mythos 5 für über 100 zugelassene Firmen wieder frei – ein Eingeständnis, dass eine Totalsperre kaum durchzuhalten ist.
Vor zwei Wochen sperrte die US-Regierung Anthropics stärkste KI-Modelle für sämtliche ausländischen Nutzer. Jetzt rudert sie teilweise zurück – und gibt Claude Mythos 5 wieder für ausgewählte Firmen frei.
Aus einem Brief des US-Handelsministeriums, der der Nachrichtenagentur Reuters vorliegt, geht hervor: Anthropic darf sein leistungsstarkes Modell Claude Mythos 5 wieder einer begrenzten Zahl vertrauenswürdiger Partner zur Verfügung stellen. Mehr als 100 Unternehmen und Institutionen sollen Zugang erhalten, darunter zahlreiche Konzerne aus der Fortune-500-Liste.
Handelsminister Howard Lutnick begründet die Kehrtwende damit, dass Anthropic gemeinsam mit der Regierung Massnahmen ergriffen habe, um Sicherheitsrisiken zu senken. Für zugelassene Unternehmen und deren ausländische Beschäftigte sei deshalb keine Exportlizenz mehr nötig. Für alle anderen bleiben die Einschränkungen bestehen.
Zwei Wochen zuvor hatte dieselbe Regierung Anthropic angewiesen, den Zugang zu den Modellen Fable 5 und Mythos 5 für alle ausländischen Nutzer komplett zu sperren – mit Verweis auf die nationale Sicherheit. Betroffen waren laut Anthropic sogar ausländische Beschäftigte innerhalb der USA und Mitarbeitende des Unternehmens selbst.
Der Hintergrund: Die Behörden fürchteten, dass sich die Schutzmechanismen der Modelle umgehen lassen und Mythos für Cyberangriffe missbraucht werden könnte. Das Modell kann eigenständig Software-Schwachstellen aufspüren – eine Fähigkeit, die je nach Anwender Schutz oder Waffe ist.
Die teilweise Freigabe wirkt wie ein Eingeständnis, dass eine Totalsperre in der Praxis kaum durchzuhalten ist. Sie trifft zudem in eine Woche, in der ein offenes chinesisches Modell zeigte, dass es Claude beim Aufspüren von Sicherheitslücken ebenbürtig ist – frei verfügbar, ganz ohne Exportkontrolle. Die Sperre schützt also immer weniger das, was sie schützen sollte.
Für die Schweiz ist der Fall mehr als eine Randnotiz: Wenn Washington den Zugang zu KI-Spitzenmodellen nach nationalen Kriterien öffnet und schliesst, hängen auch hiesige Firmen und ihre Mitarbeitenden an Entscheidungen, auf die sie keinen Einfluss haben. Wann das ebenfalls gesperrte Modell Fable 5 wieder freigegeben wird, ist bislang offen.