Amazons Eigenchip-Sparte setzt über 20 Milliarden Dollar im Jahr um – und CEO Andy Jassy denkt erstmals laut darüber nach, die Trainium-KI-Chips auch an Dritte zu verkaufen. Ein direkter Angriff auf Nvidias Monopol.
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Wer die Chips besitzt, durch die KI läuft, kontrolliert den Engpass der Branche – und Amazon will diese Macht nicht mehr nur für sich nutzen.
Während alle auf Nvidia starren, hat Amazon im Stillen ein Chip-Geschäft aufgebaut, das inzwischen mehr als 20 Milliarden Dollar pro Jahr umsetzt. CEO Andy Jassy liess dabei einen Satz fallen, der die Branche aufhorchen lässt: Amazon könnte seine KI-Chips bald auch an andere verkaufen.
In seiner Quartalsbilanz für das erste Quartal 2026 nannte Jassy Zahlen, die selbst Optimisten überraschten. Amazons Eigenchip-Sparte – sie umfasst die KI-Beschleuniger Trainium, die Allzweckprozessoren Graviton und die Netzwerkchips Nitro – erreichte einen Jahresumsatz von über 20 Milliarden Dollar. Das Wachstum lag bei knapp 40 Prozent gegenüber dem Vorquartal und dreistellig im Jahresvergleich.
Trainium ist dabei der Star: ein Chip, der speziell auf das Training und den Betrieb von KI-Modellen zugeschnitten ist – also genau die Aufgabe, für die sonst Nvidias teure Grafikchips gekauft werden.
Den Satz, der hängen blieb, formulierte Jassy so: Wäre die Chip-Sparte ein eigenständiges Unternehmen und würde ihre Chips wie ein klassischer Hersteller auch an Dritte verkaufen, läge der Jahresumsatz bei rund 50 Milliarden Dollar. Damit wäre Amazon eines der drei grössten Rechenzentrums-Chip-Geschäfte der Welt – auf Augenhöhe mit Nvidia und AMD.
Genau hier liegt die eigentliche Nachricht. Bisher landeten Amazons Chips ausschliesslich in den eigenen AWS-Rechenzentren. Dass Jassy nun offen über einen Verkauf an Dritte nachdenkt, ist ein direkter Angriff auf Nvidias Quasi-Monopol.
Die Nachfrage übersteigt das Angebot bei jeder Chip-Generation. Trainium2 ist faktisch ausverkauft, Trainium3 bei Marktstart fast vollständig vergeben.
Wie ernst es Amazon meint, zeigt der Auftragsbestand: Über 225 Milliarden Dollar an Trainium-Zusagen stehen in den Büchern. Die grössten Abnehmer sind keine Unbekannten. Anthropic hat sich bis zu 5 Gigawatt Trainium-Kapazität gesichert, OpenAI rund 2 Gigawatt. Zur Einordnung: 5 Gigawatt nähern sich der Grössenordnung, die Googles gesamte globale Rechenzentrumsflotte (rund 7 bis 8 Gigawatt) verbraucht.
Damit wird klar, warum Amazon investiert. Wer die Chips besitzt, durch die KI läuft, kontrolliert den Engpass der gesamten Branche – und kann die laufenden Kosten drücken, statt sie an Nvidia abzuführen.
Auf den ersten Blick ist das ein Konzern-Duell in den USA. Für Schweizer Unternehmen steckt aber etwas Konkretes darin: Wer KI-Anwendungen produktiv betreibt, zahlt vor allem für Inferenz – also den laufenden Betrieb der Modelle. Dieser Posten hängt direkt am Chip-Preis.
Solange Nvidia praktisch konkurrenzlos ist, bleiben diese Kosten hoch. Eine echte Alternative von Amazon – zugänglich über AWS und vielleicht bald auch direkt – könnte den Markt aufmischen und die Preise für Cloud-KI senken. Für jedes Schweizer KMU, das ein KI-Projekt kalkuliert, ist das die Zahl unter dem Strich, die am Ende zählt.