Sieben Anthropic-Mitgründer sollen über eine Spezial-Aktienklasse zusammen 50,1 Prozent der Stimmen halten – bei je rund 2 Prozent Kapital. Ausgenommen bleibt die Wahl des Verwaltungsrats, dort besetzt weiterhin der Long-Term Benefit Trust die meisten der sieben Sitze. Die Aktionäre stimmen in den kommenden Tagen ab.
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Anthropic will die Kontrolle über den Kurs vom Kapital entkoppeln: 50,1 Prozent der Stimmen für sieben Gründer mit je rund 2 Prozent Anteil – nur der Verwaltungsrat bleibt ausgenommen.
Anthropic lässt seine Aktionäre «in den kommenden Tagen» über eine neue Kapitalstruktur abstimmen: CEO Dario Amodei und seine sechs Mitgründer sollen über eine Spezial-Aktienklasse gemeinsam 50,1 Prozent der Stimmen bei den meisten Unternehmensfragen halten – obwohl jeder von ihnen laut TechCrunch nur rund 2 Prozent des Unternehmens besitzt. Zuerst berichtet hat das The Information, Reuters und TechCrunch haben die Pläne am 24. und 25. September aufgegriffen.
Die neuen Aktien tragen keinen zusätzlichen wirtschaftlichen Wert – sie bringen Stimmen, aber keinen zusätzlichen Anspruch auf Gewinn oder Erlös. Der Block hält nur, solange mindestens drei der sieben Gründer eine Mindestbeteiligung behalten. Zusätzlich sollen Angestellte eine eigene Aktienklasse erhalten, die bei ausgewählten Fragen den Stichentscheid gibt.
Vorbild ist laut Reuters die Gründerkontroll-Struktur von Palantir, das 2020 mit einer separaten Aktienklasse in einem Stimmrechts-Treuhandvehikel an die Börse ging. Neu ist hier nicht das Prinzip – Mark Zuckerberg hält Meta so, Evan Spiegel Snap –, sondern das Kollektiv: Nicht eine Person sichert sich die Mehrheit, sondern eine Siebnergruppe.
Eine Ausnahme ist ausdrücklich vorgesehen: Für die Wahl des Verwaltungsrats gilt die Gründerkontrolle nicht. Das Gremium hat sieben Sitze, einer davon ist laut Reuters derzeit vakant – und besetzt werden sie weiterhin überwiegend vom Long-Term Benefit Trust, dem Aufsichtsvehikel, das bei Anthropic auf die langfristige Mission statt auf die Rendite schauen soll. Die Gründer selbst rücken dort von zwei auf drei Sitze vor.
Anthropic nahm im Mai 65 Milliarden US-Dollar auf und wurde dabei mit 965 Milliarden US-Dollar bewertet (Post-Money). TechCrunch berichtet zudem von rund 1,5 Billionen US-Dollar am Sekundärmarkt – das ist eine Preisindikation aus dem Handel unter bestehenden Aktionären und aus einem einzelnen Bericht, keine offizielle Bewertung.
Konkret heisst das für alle, die den Börsengang später zeichnen: Sie stellen frisches Kapital, über die Richtung entscheidet eine Gruppe mit je rund 2 Prozent Anteil. Genau deshalb gibt es diese Struktur – Amodei und seine Mitgründer haben im Januar zugesagt, 80 Prozent ihres Vermögens zu spenden, verbunden mit der Warnung, KI-getriebene Vermögenskonzentration könne die Gesellschaft destabilisieren. Wer Kontrolle über Kapital stellt, macht sich unabhängiger von Quartalsdruck. Für Aussenstehende bleibt es trotzdem eine Wette auf sieben Personen.
Auf eine Anfrage von Reuters reagierte Anthropic zunächst nicht. Der Börsengang – das Unternehmen hat sich für die Nasdaq entschieden – könnte sich laut Reuters bis nach den US-Zwischenwahlen im November verschieben.
Anthropic verpflichtet sich über sieben Jahre zu 11,6 Milliarden Dollar für Cloud-Kapazität von Akamai – der grösste Abschluss in Akamais Geschichte. Der Clou: Es geht um CPUs, nicht um KI-Grafikchips. Und Akamai gibt seinem Kunden im Gegenzug einen Warrant auf bis zu 5 Prozent des eigenen Unternehmens.