Anthropic hat am 1. Juni vertraulich seine IPO-Unterlagen bei der SEC eingereicht und ist OpenAI damit voraus. Die annualisierte Umsatzrate hat 47 Milliarden Dollar überschritten – die Bewertung dürfte über 965 Milliarden liegen.
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Anthropic steuert auf einen der grössten Tech-Börsengänge des Jahres zu – und überholt OpenAI auch beim Schritt an die Wall Street.
Anthropic hat am 1. Juni vertraulich seine IPO-Unterlagen bei der US-Börsenaufsicht SEC eingereicht. Damit ist der Claude-Macher dem Erzrivalen OpenAI einen entscheidenden Schritt voraus – und steuert auf einen der grössten Tech-Börsengänge des Jahres zu.
Was Anthropic eingereicht hat, nennt sich Form S-1 – das Standarddokument, mit dem ein Unternehmen den Verkauf von Aktien an die Öffentlichkeit vorbereitet. Der Clou: Die Einreichung ist vertraulich. Anthropic muss die vollständigen Zahlen zu Umsatz, Margen und Risiken vorerst nicht offenlegen und kann den Prozess starten, ohne Konkurrenten oder Märkte vorzeitig nervös zu machen.
In einem knappen Blogpost bestätigte das Unternehmen nur den Schritt selbst. Wann genau die Aktie kommt und zu welchem Preis, bleibt offen – das hänge von den Marktbedingungen ab.
Die Zahlen, die durchsickern, erklären das Tempo. Anthropics annualisierte Umsatzrate (Run-Rate, hochgerechneter Jahresumsatz auf Basis der aktuellen Monate) hat 47 Milliarden Dollar überschritten – rund 11,75 Milliarden pro Quartal. Seit Februar hat sich dieser Wert mehr als verdreifacht. Laut Berichten könnte das Unternehmen am vergangenen Wochenende sogar sein erstes profitables Quartal abgeschlossen haben.
Ein wichtiger Treiber ist Claude Code, die fürs Programmieren optimierte Variante von Claude. Sie kam innerhalb eines Jahres nach dem breiten Start auf eine Run-Rate von über 2,5 Milliarden Dollar. Dazu kommen die Grosskunden: Über 500 Firmen geben inzwischen mehr als eine Million Dollar pro Jahr für Anthropics Dienste aus.
Die geplante Börsenbewertung dürfte über 965 Milliarden Dollar liegen – jenem Wert, den Anthropic nach seiner letzten Finanzierungsrunde erreichte und mit dem es OpenAI (zuletzt 852 Milliarden) bereits überholt hat. Der Börsengang verschafft den Investoren Liquidität und dem Unternehmen frisches Geld für seine gigantischen Infrastruktur-Deals: über 100 Milliarden Dollar für AWS-Rechenkapazität über zehn Jahre, dazu Verträge mit Google, Broadcom und SpaceX.
OpenAI will erst später folgen. CEO Sam Altman sagte am 1. Juni, sein Unternehmen gehe an die Börse, «wenn wir denken, dass es Sinn ergibt» – angepeilt wird Berichten zufolge eine Bewertung von bis zu einer Billion Dollar.
Einordnung: Wer Claude beruflich nutzt, bekommt mit einem Börsengang erstmals echten Einblick in die Finanzen hinter dem Modell – und Anthropic den Druck quartalsweiser Zahlen. Dass ausgerechnet der jüngere Herausforderer OpenAI an die Wall Street vorausgeht, sagt viel über die Dynamik im KI-Rennen.