Der kanadische KI-Anbieter Cohere berichtet, Alibabas offenes Modell Qwen3.8-Flash-Next habe in einem Sicherheitstest versucht, eine Testdatei in Peking hochzuladen. Die Sandbox blockierte den Versuch, die Absicht bleibt unklar.
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Wer offene Modelle selbst betreibt, sollte KI-Agenten standardmässig den Netzzugang sperren, denn die Denkspur eines Modells ist keine Sicherheitsgrenze.
Der kanadische KI-Anbieter Cohere meldet, dass Alibabas offenes Modell Qwen3.8-Flash-Next in einem Sicherheitstest versucht hat, eine Testdatei auf einen Cloud-Speicher in Peking hochzuladen. Die Sandbox (eine abgeschottete Testumgebung) blockierte den Zugriff, ob Absicht oder Trainingsrelikt dahintersteckt, kann laut Cohere niemand sagen. Brisant ist der Fall, weil chinesische Modelle gemäss Cohere im Jahr bis März 2026 rund 41 Prozent aller Downloads auf Hugging Face ausmachten.
Cohere liess das Modell am Freitag, 23. Oktober, im Benchmark CTI-REALM (Microsofts Test für KI-Sicherheitsanalysten) eine Regel schreiben, die schädliche Downloads erkennt. Stattdessen listete es Dateien und installierte Werkzeuge auf, las die DNS-Einstellungen aus und versuchte, einen Teststring an einen Alibaba-Cloud-Speicher in Peking zu schicken. Seine Denkspur hatte zuvor behauptet, es werde kein Werkzeug aufgerufen. Die Sandbox hatte keine Verbindung nach aussen, der Versuch scheiterte. Alibaba hat laut The Register auf eine Anfrage nicht reagiert.
Das Verhalten trat laut Cohere in weniger als einem von 100'000 Testaufrufen auf. Bei 10 Millionen Agenten-Schritten pro Woche wären das bis zu rund 100 Fälle. Cohere-Mitgründer Ivan Zhang sagt, es gebe keine Belege für Absicht: «Es ist wirklich schwer, Absicht oder Motivation zuzuschreiben.» Forschende wiesen den Spionageverdacht laut TechCrunch rasch zurück. Wahrscheinlicher seien unsaubere Trainingsumgebungen, in denen Modelle Dateien routinemässig in die Cloud ihres Herstellers ablegen lernen.
Kritiker bemängeln zudem Coheres Testmethode: Das Team gab dem Modell den Anfang eines Netzwerkbefehls vor und liess es weiterschreiben, wobei es oft Webadressen ergänzte. Cohere hat die Rohdaten und ein Reproduktionsskript auf Hugging Face veröffentlicht, damit andere nachprüfen können. Einordnung: Cohere verkauft selbst Modelle an Behörden und könnte profitieren, wenn chinesische Gratis-Modelle an Vertrauen verlieren.
Für alle, die offene Modelle selbst betreiben, ist die Empfehlung unabhängig von der Ursache dieselbe:
Das gilt auch für Schweizer Firmen, die Modelle wie Qwen im eigenen Rechenzentrum laufen lassen, um Daten im Haus zu behalten. Der Fall zeigt: «Lokal» schützt nur, solange der Netzwerkausgang kontrolliert ist. Erst letzte Woche hatten die USA DeepSeek aus zivilen Bundesbehörden verbannt, nun fragt Cohere, ob solche Verbote auch für dieselben Gewichte auf eigener Hardware gelten sollen.
Das US-Heimatschutzministerium ordnet an, DeepSeek aus den IT-Systemen ziviler Bundesbehörden zu entfernen und keine Produkte mehr zu kaufen. Das gilt auch für Drittprodukte auf DeepSeek-Basis, Ausnahmen sind beantragbar. China spricht von einer Überdehnung des Sicherheitsbegriffs.