Gallup und Microsoft haben die ersten 37 Länder einer weltweiten KI-Studie veröffentlicht: In 34 davon überwiegen die positiven Gefühle. Die grosse Ausnahme sind die USA, wo sich 74 Prozent der KI-bewussten Erwachsenen sorgen – ausgerechnet dort, wo am meisten genutzt wird. Innerhalb dieser Länder gilt allerdings das Gegenteil: Wer täglich mit KI arbeitet, sorgt sich am wenigsten.
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Nicht die tägliche Nutzung erzeugt die Angst vor KI – eher die Distanz dazu.
title: "Der besorgte Westen: Viel KI-Nutzung, noch mehr Skepsis" slug: "gallup-studie-besorgter-westen-ki-skepsis" category: "Gesellschaft" date: "2026-09-24" preview: "Gallup und Microsoft haben die ersten 37 Länder einer weltweiten KI-Studie veröffentlicht: In 34 davon überwiegen die positiven Gefühle. Die grosse Ausnahme sind die USA, wo sich 74 Prozent der KI-bewussten Erwachsenen sorgen – ausgerechnet dort, wo am meisten genutzt wird. Innerhalb dieser Länder gilt allerdings das Gegenteil: Wer täglich mit KI arbeitet, sorgt sich am wenigsten." takeaway: "Nicht die tägliche Nutzung erzeugt die Angst vor KI – eher die Distanz dazu." tags: ["Gesellschaft", "Gallup", "Microsoft", "Studie", "KI-Akzeptanz", "Schweiz"]
Das Meinungsforschungsinstitut Gallup hat am 22. September die ersten Ergebnisse einer gemeinsam mit Microsoft durchgeführten Studie zur KI-Wahrnehmung veröffentlicht: In 34 von 37 untersuchten Ländern überwiegen die positiven Gefühle gegenüber künstlicher Intelligenz die negativen. Die drei Ausnahmen sind Ägypten, die palästinensischen Gebiete – und die USA, wo 74 Prozent der KI-bewussten Erwachsenen angeben, KI mache ihnen Sorgen. Das ist der höchste Wert im Feld. Ausgerechnet die wohlhabenden westlichen Länder, in denen KI am intensivsten genutzt wird, führen damit die Sorgen-Rangliste an. Gallup nennt das Muster «Paradox of the Worried West».
Gallup beschreibt die Verbreitung als Leiter: von der blossen Kenntnis über die einmalige Nutzung bis zum täglichen Einsatz – mit jeder Sprosse wird die Gruppe kleiner. Über alle 37 Länder kennen im Median 81 Prozent der Erwachsenen KI, aber nur 43 Prozent haben sie je benutzt. Umgekehrt: 57 Prozent haben KI noch nie ausprobiert.
Die Spannweite ist enorm: In Singapur nutzen 46 Prozent KI täglich, in Malawi 1 Prozent. Befragt wurden pro Land rund 1000 Personen ab 15 Jahren, zwischen April und Juli 2026. Die Studie soll später 140 Länder umfassen – die jetzt publizierten 37 sind der erste Block.
Auf den vorderen Plätzen der Sorgen-Liste stehen fast ausschliesslich reiche westliche Staaten. Die sieben untersuchten westlichen Hocheinkommensländer belegen die Ränge 1 bis 6 sowie 8:
Zur Einordnung: Über alle 37 Länder liegt der Median bei 32 Prozent – der Westen also rund doppelt so hoch. Und das bei hoher Nutzung: In diesen Ländern verwenden im Median 29 Prozent KI täglich, gegenüber 17 Prozent in den übrigen 30 Ländern. Auch beim erwarteten Nutzen fallen die USA ab: Nur 36 Prozent glauben, KI werde ihrem Land mehr helfen als schaden. Tiefer liegen nur Bangladesch (34) und Ägypten (35). Am anderen Ende: China mit 93 Prozent, Vietnam mit 91, Singapur mit 77.
Jetzt kommt der Teil, der die naheliegende Schlussfolgerung kippt. Man könnte vermuten, dass mehr Erfahrung mehr Sorge erzeugt – wer das Werkzeug kennt, kennt auch seine Risiken. Innerhalb der betroffenen Länder zeigen die Gallup-Daten das Gegenteil. In den USA sind 68 Prozent der täglichen Nutzer besorgt – gegenüber 80 Prozent bei den selteneren Nutzern und 74 Prozent bei jenen, die KI nie verwendet haben. In Kanada steigt die Sorge von 54 Prozent bei den Täglichnutzern auf 72 Prozent bei den Gelegenheitsnutzern und 69 Prozent bei den Nichtnutzern. Ähnliche Muster findet Gallup in Grossbritannien, Irland und Neuseeland.
Das Paradox liegt also auf der Länderebene, nicht bei den einzelnen Personen: Gesellschaften mit hoher Nutzung sind insgesamt besorgter – aber nicht die Vielnutzer treiben den Wert nach oben. Gallup betont ausdrücklich, dass die Umfrage nicht klären kann, was Ursache und was Wirkung ist.
Die Schweiz gehört nicht zu den ersten 37 Gallup-Ländern – wie Schweizerinnen und Schweizer emotional auf KI reagieren, sagt diese Studie also nicht. Ein Nutzungsbild gibt es trotzdem, vom selben Tag: Microsoft veröffentlichte am 22. September den AI-Diffusion-Report für das zweite Quartal 2026. Danach nutzen 39,1 Prozent der Schweizer Erwerbsbevölkerung generative KI, nach 37,8 Prozent im Vorquartal. Das reicht für Rang 15 weltweit, weit über dem globalen Schnitt von 18,8 Prozent der 15- bis 64-Jährigen. An der Spitze: die Vereinigten Arabischen Emirate (73,3 Prozent), Singapur (64,3) und Irland (49,9).
Beim Nutzungsprofil gehört die Schweiz damit klar zu jener Gruppe, die bei Gallup ganz oben auf der Sorgen-Liste steht. Irland zeigt beides gleichzeitig: Rang 3 bei der Verbreitung und Rang 6 bei der Sorge. Ein direkter Schluss auf die Schweiz wäre trotzdem voreilig – die beiden Erhebungen messen nicht dasselbe (Microsoft die Erwerbsbevölkerung, Gallup alle Erwachsenen ab 15). Ob die Schweiz dem westlichen Muster folgt, zeigt sich erst, wenn Gallup ausweitet.
Ein Befund zieht sich durch alle Länder: Optimismus ist weiter verbreitet als Vertrauen. Über die 37 Länder hinweg vertrauen im Median nur 36 Prozent der KI-bewussten Erwachsenen darauf, dass KI korrekte Informationen liefert. Eine Mehrheit erreicht dieser Wert in gerade vier Ländern – Israel (67 Prozent), Vietnam (59), China (58) und Nigeria (52).
Auch hier steigt das Vertrauen mit der Nutzung: In den USA vertrauen 45 Prozent der Täglichnutzer den Ergebnissen, aber nur 26 Prozent der Wochennutzer, 15 Prozent der seltenen Nutzer und 8 Prozent derjenigen, die KI nie verwendet haben.
Die häufigste Emotion weltweit ist übrigens keine negative: Neugier, im Median bei 64 Prozent. Für dich heisst das – wer KI täglich einsetzt, traut ihr mehr zu und fürchtet sie weniger. Ob das an der Erfahrung liegt oder daran, dass ohnehin eher die Zuversichtlichen anfangen, kann auch Gallup nicht sagen.
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