Donnerstag lanciert, Freitag abgeschaltet: Googles neues KI-Feature legte generierte Bilder direkt über echte Satellitenkarten. Nutzer erzeugten binnen Stunden täuschend echte Fake-Satellitenbilder – jetzt zieht Google die Notbremse.
Kostenloses Erstgespräch — herstellerneutral, direkt aus dem Rheintal.
Wenn die weltweite Referenzquelle für Satellitenbilder einen KI-Generator einbaut, reicht ein Tag, um das Vertrauen in Bildbeweise zu erschüttern – Wasserzeichen hin oder her.
Donnerstag lanciert, Freitag wieder abgeschaltet: Google hat die neue KI-Bildgenerierung in Google Earth nach gut 30 Stunden zurückgezogen. Das Feature legte per Texteingabe generierte Bilder direkt über echte Satellitenaufnahmen – und wurde binnen Stunden zur Produktionsmaschine für Fake-Satellitenbilder.
Am 30. Juli schaltete Google die Bildgenerierung mit Nano Banana 2 (Googles aktuellem Bildmodell) in der Web-Version von Google Earth frei – weltweit, ohne Warteliste. Gedacht war das Feature für Harmloses: historische Orte visualisieren, Bauprojekte planen, Quartiere umgestalten. Die Realität sah anders aus. Der niederländische OSINT-Experte Henk van Ess (OSINT steht für Recherche mit öffentlich zugänglichen Quellen) zeigte noch am Launch-Tag, dass sich täuschend echte Fake-Szenen auf Googles eigenem Bildmaterial erzeugen liessen: eine Flüchtlingskolonne an der mexikanischen Grenze, ein Atomkraftwerk in Iran, ein zerbombtes Spital in Gaza. Nichts davon blockierte das System. Auch US-Medien wie NPR generierten testweise problemlos Katastrophenszenen – etwa das Capitol unter Wasser.
Google verwies zunächst auf die eingebauten Schutzmechanismen: Alle Bilder trugen ein unsichtbares SynthID-Wasserzeichen, waren als KI-generiert gekennzeichnet und für andere Earth-Nutzer nicht sichtbar. Der Haken: Van Ess demonstrierte, dass die Kennzeichnung bei Screenshots und abgefilmten Bildern nicht mehr zuverlässig erkannt wird – und genau so verbreiten sich Fakes im Netz. Am 31. Juli folgte der Rückzug:
«Wir wissen, dass Menschen Google Earth ein einzigartiges Vertrauen als verlässliches Abbild der Welt entgegenbringen», schreibt Google – das Feature bleibe offline, bis «stärkere Guardrails» implementiert seien.
Übrigens: TechCrunch spricht vom Rückzug «nach einem Tag», The Decoder von «zwei Tagen» – gemeint ist dasselbe Fenster vom Donnerstagmittag bis Freitagabend.
Google Earth ist seit 20 Jahren die Referenz, an der Journalistinnen, OSINT-Rechercheure und Faktenchecker Bildmaterial prüfen – Bellingcat widerlegte damit etwa gefälschte russische Satellitenbilder zum Abschuss von Flug MH17. Wenn ausgerechnet diese Referenzquelle einen Fake-Generator einbaut, wackelt das Fundament der Bildverifikation. Der Fall zeigt auch, warum die seit dem 2. August geltende Kennzeichnungspflicht nach Artikel 50 des EU AI Act nur die halbe Miete ist: Ein Wasserzeichen nützt wenig, wenn es den Weg vom Original zum geteilten Screenshot nicht überlebt. Konkret heisst das für dich: Auch bei Satellitenbildern gilt ab sofort gesunde Skepsis – vertraue im Zweifel datierten Originalquellen, nicht dem JPEG in deinem Feed.
OpenAI hat ein Kambodscha-basiertes Betrugsnetzwerk zerschlagen, das ChatGPT für Romance-, Investment-, Glücksspiel- und Behörden-Impersonations-Scams einsetzte. Der Hinweis kam von WhatsApp – und Teile der Chats deuten laut OpenAI auf Menschenhandel in den Scam-Compounds hin.