Groq hat seine gefeierte Chip-Technologie für rund 20 Milliarden Dollar an Nvidia lizenziert. Jetzt sammelt das verbliebene Team bis zu 650 Millionen ein, um eine reine Inferenz-Cloud zu bauen – die Geldgeber sichern die Runde notfalls allein ab.
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Der Wettbewerb verschiebt sich vom besten Modell zur Frage, wer die Inferenz-Infrastruktur betreibt – und Groq wettet sein zweites Leben genau darauf.
Es ist einer der ungewöhnlichsten Schwenks, die die KI-Branche seit Langem gesehen hat. Groq, einst gefeiert für seine extrem schnellen Inferenz-Chips, baut sich gerade komplett neu auf – ohne Chip-Geschäft.
Der Reihe nach: Im Dezember 2025 unterschrieb Nvidia einen nicht-exklusiven Lizenzdeal über rund 20 Milliarden US-Dollar. Nvidia sicherte sich damit die Rechte an Groqs LPU (Language Processing Unit) – einem auf KI-Inferenz spezialisierten Chip – und holte Gründer und CEO Jonathan Ross samt grossem Teil des Kern-Engineerings zu sich. Der Rest von Groq blieb zurück: mit Geld, aber ohne Star-Technologie.
Genau dieser Rest sammelt jetzt frisches Kapital ein. Bis zu 650 Millionen US-Dollar will das verbleibende Team von den eigenen Investoren holen, um eine Nachfolgefirma – intern «Groq2» genannt – zu finanzieren. Deren Geschäft: keine Hardware mehr, sondern KI-Inferenz als Cloud-Dienst.
Kurz erklärt: Inferenz ist der laufende Betrieb eines fertig trainierten KI-Modells – also das, was passiert, wenn du eine Frage eingibst und eine Antwort bekommst. Eine Neocloud ist eine Cloud, die kompromisslos genau darauf optimiert ist, statt allgemeine Rechenleistung anzubieten.
Bemerkenswert ist, wie sicher die Runde steht. Die bestehenden Geldgeber Disruptive und Infinitum haben laut Berichten zugesagt, die vollen 650 Millionen notfalls allein zu stemmen, falls andere Investoren nicht mitziehen. Ein solcher Backstop ist selten – und ein deutliches Signal, dass die Kapitalgeber an das zweite Leben von Groq glauben.
Die Hardware und der Cloud-Dienst sind zwei getrennte Wetten – und Groq spielt jetzt nur noch die zweite.
Für dich als Beobachter steckt darin eine grössere Botschaft: Der Wettbewerb in der KI verschiebt sich von «Wer baut das beste Modell?» zu «Wer betreibt die Pipes, durch die KI läuft?». Dass ein Team seine gefeierte Chip-Technologie verkauft und trotzdem 650 Millionen für den reinen Betrieb dieser Modelle einsammeln kann, zeigt: Inferenz-Cloud wird zur eigenständigen, milliardenschweren Kategorie.
Auch für Schweizer Unternehmen ist das relevant. Wer KI-Anwendungen produktiv betreibt, zahlt vor allem für Inferenz – nicht fürs Training. Schnellere, günstigere und spezialisierte Anbieter drücken genau diese laufenden Kosten. Der Markt dafür wird gerade erst aufgeteilt.