Anthropic verpflichtet sich über sieben Jahre zu 11,6 Milliarden Dollar für Cloud-Kapazität von Akamai – der grösste Abschluss in Akamais Geschichte. Der Clou: Es geht um CPUs, nicht um KI-Grafikchips. Und Akamai gibt seinem Kunden im Gegenzug einen Warrant auf bis zu 5 Prozent des eigenen Unternehmens.
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Anthropic kauft für 11,6 Milliarden Dollar sieben Jahre CPU-Kapazität bei Akamai – und bekommt einen Warrant auf bis zu 5 Prozent des Anbieters dazu.
Anthropic hat sich am Donnerstag verpflichtet, über sieben Jahre rund 11,6 Milliarden Dollar für Cloud-Infrastruktur von Akamai Technologies auszugeben. Es ist der grösste Abschluss in Akamais Geschichte und mehr als das Sechsfache eines 1,8-Milliarden-Vertrags, über den Bloomberg im Mai berichtet hatte. Bemerkenswert ist aber vor allem, wofür das Geld fliesst: Akamai spricht in seiner Mitteilung von Anthropics «accelerating CPU workload demands» – es geht also um ganz normale Allzweck-Prozessoren, nicht um die KI-Grafikchips, die sonst jede Schlagzeile dominieren.
CPUs sind die Universal-Rechenkerne, die seit Jahrzehnten in jedem Computer stecken: Sie führen Code aus, öffnen Webseiten, verschieben Daten – während GPUs die Modelle trainieren und betreiben. Dass die CPU-Nachfrage gerade anzieht, hat laut TechCrunch einen simplen Grund: KI-Agenten übernehmen immer mehr Aufgaben, und dabei fällt genau diese Art Arbeit an. Wofür Anthropic die Kapazität konkret einsetzt, hat Akamai nicht gesagt.
Ganz fest ist der Betrag nicht. Im Wertpapier-Filing bei der US-Börsenaufsicht hängt Anthropics Zusage ausdrücklich an bestimmten Liefer- und Verfügbarkeitsanforderungen; beide Seiten dürfen unter definierten Bedingungen aussteigen. Geld sieht Akamai dieses Jahr noch keines: Für 2027 erwartet das Unternehmen 150 bis 300 Millionen Dollar Umsatz, ab dem zweiten Halbjahr, und bis Ende 2028 eine Jahres-Run-Rate von rund 1,7 Milliarden. Der Ausbau kostet Akamai vorher rund 5,5 Milliarden – davon rund 1,7 Milliarden noch in diesem Jahr, unter anderem für vorab gekauften Speicher.
Der ungewöhnlichste Teil: Akamai hat Anthropic einen Warrant gegeben – das Recht, Aktien zu einem fixen Preis zu kaufen. Es geht um bis zu 5 Prozent des Unternehmens, umgerechnet 7,7 Millionen Stammaktien zu 111,33 Dollar. Rund 2 Prozent werden mit der ersten Zahlung fällig, je ein weiteres Prozent, wenn Anthropic zusätzliche 3 Milliarden zusagt – bis zu 9 Milliarden mehr, in Summe also gegen 20 Milliarden Dollar.
Das dreht das übliche Muster um: Bisher investierten Chiphersteller und Cloud-Anbieter in die KI-Labore, denen sie verkaufen. Hier gibt der Lieferant seinem Kunden einen möglichen Anteil an sich selbst. Die Börse quittierte das mit einem Sprung – die Akamai-Aktie legte nachbörslich um 22 Prozent zu, wie Reuters meldete.
Erst im August sagte Anthropic 45 Milliarden Dollar für Rechenkapazität bei Nscale zu; insgesamt summieren sich die Compute-Verträge des Unternehmens auf rund 517 Milliarden Dollar in elf Monaten. Firmenchef Dario Amodei hat die Kehrseite selbst benannt: Wenn er sich beim Wachstumstempo auch nur um ein Jahr verschätze, so Amodei in einem Interview mit dem Podcaster Dwarkesh Patel, über das Fortune im Februar berichtete, «dann gehst du pleite».
Für dich heisst das: Die Rechnung hinter jeder Claude-Antwort wird gerade auf Jahre hinaus fixiert – und Anthropic sitzt dabei auch in der Schweiz. Seit Februar 2025 betreibt das Unternehmen eine Niederlassung in Zürich, seinen dritten europäischen Standort, wo unter Leitung des früheren Google-DeepMind-Forschers Neil Houlsby an den multimodalen Fähigkeiten von Claude gearbeitet wird.
Eine neue Brookings-Studie beziffert den US-KI-Infrastrukturausbau auf 3,63 Prozent des jährlichen Bruttoinlandsprodukts – mehr als Eisenbahn, Highways und Telekomausbau je erreichten. Damit sich das refinanziert, müsste die Branche ihren Umsatz bis 2032 um rund 80 Prozent pro Jahr steigern. Ein Columbia-Ökonom zieht dabei einen Vergleich, der aufhorchen lässt.