Anthropic bringt Claude Sonnet 5.5: mehr als 30 % schneller und laut Anthropic bis zu 30 % günstiger pro Aufgabe, bei unverändertem Token-Preis. Auf mehreren Benchmarks liegt es nur knapp hinter Opus 5.5. Wir zeigen, wo der Haken liegt und wann sich der Wechsel lohnt.
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Starte mit Sonnet 5.5 und wechsle nur bei den schwierigsten Aufgaben auf Opus 5.5, aber teste den Denkaufwand, denn bei «Max» kann der Verbrauch explodieren.
Anthropic hat am 28. September Claude Sonnet 5.5 vorgestellt. Das mittlere Modell der Claude-Familie läuft laut Anthropic mehr als 30 Prozent schneller als Sonnet 5 und kostet bei den meisten Aufgaben bis zu 30 Prozent weniger, weil es weniger Tokens (die Textbausteine, nach denen abgerechnet wird) verbraucht. Der Preis pro Token bleibt gleich. Auf mehreren Benchmarks liegt es nur knapp hinter dem Topmodell Opus 5.5, das Anthropic vor einer Woche gebracht hat.
Die Listenpreise ändern sich nicht: 2 US-Dollar pro Million Input-Tokens, 10 Dollar pro Million Output-Tokens, Cache-Reads (wiederverwendete Kontexte) 0.20 Dollar. Die Ersparnis kommt aus dem Verbrauch. Laut Anthropic braucht Sonnet 5.5 weniger Tokens pro Aufgabe. Die Kunden-Zitate im VentureBeat-Bericht stützen das: Slack spricht von rund 14 Prozent weniger Output-Tokens, Lovable von etwa einem Drittel weniger Tool-Aufrufen.
Eine Beispielrechnung, nicht aus einer Quelle: Ein Agenten-Lauf mit 200'000 Input- und 20'000 Output-Tokens kostet 0.60 Dollar. Sparst du 30 Prozent, sind es rund 0.42 Dollar. Bei einigen Hundert Läufen pro Tag lohnt sich das, bei gelegentlicher Nutzung merkst du es kaum.
Anthropic zeigt eine Tabelle mit Sonnet 5.5, Sonnet 5 und Opus 5.5. Die wichtigsten Zeilen:
Bei Terminal-Bench lohnt der zweite Blick. Anthropic weist für Sonnet 5 nur 10.3 Prozent aus, das wirkt wie ein Absturz. Es ist aber eine Versionsfrage: Zum Start von Sonnet 5 wurde laut Vellum noch auf Terminal-Bench 2.1 gemessen, mit 80.4 Prozent. Die Werte verschiedener Versionen lassen sich nicht vergleichen, und Anthropic erklärt den Sprung auf der Seite nicht. Belastbarer ist der Vergleich mit Opus 5.5 auf derselben Version. Die unabhängige Firma Artificial Analysis misst laut Decrypt 63.6 zu 59.6 Prozent, ebenfalls zugunsten von Sonnet 5.5.
Ein Kuriosum aus der Anthropic-Ankündigung: Sonnet 5.5 ist das erste Sonnet, das Pokémon Rot nur anhand von Screenshots durchspielt.
Die Ersparnis gilt bei den Standard-Einstellungen. In den Claude-Apps läuft der Denkaufwand («Effort») laut Anthropic auf Medium, auf der Claude Platform auf High. Wer «Max» wählt, kann das Gegenteil erleben: Artificial Analysis mass laut Decrypt rund 193'000 Tokens pro Aufgabe, etwa 60 Prozent mehr als bei Opus 5.5. Simon Willison berichtet, dass bei «max» 128'000 Tokens (1.28 Dollar) verbrannt wurden, ohne dass die gewünschte SVG-Grafik herauskam. Bei «xhigh» kostete der Versuch dagegen 5.74 Cent und dauerte 41 Sekunden. Beides sind Einzelbeobachtungen, aber sie passen zusammen: Teste die Stufen, statt blind das Maximum zu wählen.
Sonnet 5.5 bekommt laut Anthropic Cyber-Safeguards, die denen von Opus 5.5 ähneln. TechCrunch ordnet das so ein: Die Cyber-Fähigkeiten sind erstmals bei einem Sonnet mit Opus vergleichbar. Neu ist ausserdem, dass ein Sonnet mit Klassifikatoren startet, die das Auslesen der Denkschritte verhindern sollen (gegen sogenannte Distillation, also das Nachtrainieren fremder Modelle mit Claude-Antworten). Ausserdem ist das gespeicherte Denken an das Konto gebunden, das es erzeugt hat. Sicherheitsforschende können sich für ein erweitertes Cyber-Verification-Programm bewerben.
Sonnet 5.5 ist auf AWS, Google Cloud und Microsoft Azure verfügbar. In der Amazon-Bedrock-Dokumentation steht die Region Zürich (eu-central-2) auf der Liste, allerdings über «Global Cross-Region»-Inferenz. Das heisst: Die Anfrage kann weltweit geroutet werden, eine Datenhaltung ausschliesslich in der Schweiz ist damit nicht garantiert. Ob eine Zürcher Region bei Google Cloud oder Azure für dieses Modell freigeschaltet ist, haben wir nicht belegen können. Wenn du mit sensiblen Kundendaten arbeitest, klär das vor dem Einsatz mit deinem Cloud-Anbieter. Anthropic nennt für Sonnet 5.5 wie bei Opus 5.5 und Sonnet 5 «zero data retention» (keine Speicherung der Daten).
Für Schweizer KMU und Entwicklerteams ist der Nutzen greifbar: Das Modell hat ein Kontextfenster von 1 Million Tokens, und die Modell-ID lautet claude-sonnet-5-5. Sonnet 5 bleibt laut Dokumentation mindestens bis 30. Juni 2027 verfügbar, du musst also nicht übers Knie brechen.
Eine einfache Faustregel, die sich aus den Zahlen ableiten lässt:
Die Lücke ist klein, aber sie ist da. Unser Tipp: Starte mit Sonnet 5.5 und wechsle nur bei den Aufgaben, die dort scheitern.
Anthropic kündigt an, dass Claude Haiku 5.5 «in den kommenden Wochen» dazukommt, gedacht für hohes Volumen und knappe Budgets. Einen Termin gibt es nicht. Laut Willison ist Sonnet 5.5 zudem das neue Standardmodell im kostenlosen Claude-Tarif. Das haben wir nur bei ihm gefunden, Anthropic erwähnt es auf der Produktseite nicht. Sonnet 5 war dort laut Swisher Post seit Anfang Juli Standard, ein Wechsel wäre also plausibel.
Anthropic hat Claude Opus 5.5 veröffentlicht. Das Modell arbeitet laut Anthropic auf Fable-5.1-Niveau, kostet im Betrieb aber 40 Prozent weniger als Opus 5.