Eine ZHAW-Modellrechnung für den Kanton Zürich sieht KI die Arbeitsproduktivität um zusätzlich 1,1 Prozent pro Jahr steigern – doppelt so viel wie in den letzten 25 Jahren. Im selben Bericht steht, dass die Zahl der Stellensuchenden in stark KI-exponierten Berufen seit Oktober 2022 um 118 Prozent gestiegen ist.
Kostenloses Erstgespräch — herstellerneutral, direkt aus dem Rheintal.
Der Kanton Zürich legt erstmals eine amtliche KI-Produktivitätsschätzung vor – und nennt im selben Atemzug die Kehrseite auf dem Arbeitsmarkt.
Der Kanton Zürich hat am 22. September 2026 eine Modellrechnung der ZHAW veröffentlicht, wonach künstliche Intelligenz die Arbeitsproduktivität im Kanton über die nächsten zehn Jahre um zusätzlich 1,1 Prozent pro Jahr steigern könnte. Das wäre eine Verdoppelung: In den vergangenen 25 Jahren wuchs die Produktivität im Schnitt um 0,5 Prozent jährlich. Im selben Bericht steht allerdings auch die andere Hälfte der Rechnung – in stark KI-exponierten Berufen hat sich die Zahl der Stellensuchenden seit Oktober 2022 mehr als verdoppelt.
Die Zahl, die es in die Schlagzeilen geschafft hat, ist das mittlere von drei Szenarien. Das Wirtschaftsmonitoring der Fachstelle Wirtschaftspolitik nennt daneben ein tiefes Szenario mit 0,1 Prozent und ein hohes mit 3,6 Prozent pro Jahr. Zwischen «kaum messbar» und «beispiellos» liegt also die gesamte Bandbreite.
Der Bericht macht daraus kein Geheimnis. Er schreibt selbst:
Um diesen Effekt zu schätzen, sind verschiedene Annahmen nötig, die mit Unsicherheiten behaftet sind.
Am stärksten profitieren würden die wissensintensiven Branchen: Versicherungen, Banken, Finanzdienstleistungen und die IKT-Branche kämen laut der Rechnung auf zusätzlich 1,7 bis 1,8 Prozent pro Jahr. Kommen schnellere Fortschritte in der Robotik dazu, nennt der Kanton für die gesamte Zürcher Wirtschaft 1,4 Prozent.
Die zweite Zahlenreihe im Bericht ist unbequemer. Gemessen an einem Index mit Oktober 2022 als Basis ist die Zahl der Stellensuchenden bis Juni 2026 gestiegen:
Betroffen sind laut dem Kanton vor allem Softwareentwicklerinnen und -entwickler, allgemeine Bürokräfte sowie Fachkräfte in Marketing und Werbung. Der Zusammenhang wirkt auf den ersten Blick eindeutig – der Kanton hält sich aber bewusst zurück und schreibt: «Ob KI die Ursache dieser Entwicklungen ist oder nur einer von mehreren zusammenwirkenden Treibern, bleibt offen.»
Wichtig für die Einordnung: Gezählt werden Stellensuchende, nicht Arbeitslose. Das ist die grössere Gruppe, und der Anstieg fällt in eine Phase, in der die Tech-Branche ohnehin Stellen abgebaut hat.
Dass der Effekt nicht theoretisch bleibt, zeigt die Nutzungsseite. 47 Prozent der befragten Zürcher Unternehmen setzen generative KI inzwischen systematisch ein – 2024 waren es erst 27 Prozent. Bei den Grossunternehmen sind es 83 Prozent, bei KMU je nach Grösse 45 bis 64 Prozent. Befragt wurden über 500 Unternehmen im Kanton.
Regierungspräsidentin und Volkswirtschaftsdirektorin Carmen Walker Späh fasst es in der Mitteilung so zusammen: «Künstliche Intelligenz verändert unsere Arbeitswelt fundamental.»
Der eigentliche Wert dieses Berichts liegt weniger in der Prognose als darin, dass es sie überhaupt gibt. Amtliche Schätzungen zum volkswirtschaftlichen KI-Effekt sind in der Schweiz rar, und die meisten Zahlen, die im Umlauf sind, stammen von Beratungshäusern mit einem Produkt im Hintergrund. Hier rechnet eine Fachhochschule im Auftrag eines Kantons – und legt die Unsicherheit offen, statt sie wegzurunden.
Konkret heisst das für dich: Die 1,1 Prozent taugen nicht als Versprechen, aber die Richtung ist belastbar. Und die beiden Zahlen gehören nicht auf dieselbe Rechnung – die 1,8 Prozent beziffern den Produktivitätsgewinn ganzer Branchen, die 118 Prozent zählen Stellensuchende in einzelnen Berufen. Wer in einer Bank oder bei einem IKT-Unternehmen arbeitet, kann in beiden Reihen vorkommen. Zwangsläufig ist das nicht.
Sakana AI hat Jürgen Schmidhuber laut eigener Ankündigung als Chief Scientific Advisor für sein neues RSI Lab in Tokio gewonnen. Der KI-Pionier bleibt dabei nach Angaben des Unternehmens weiterhin wissenschaftlicher Direktor des IDSIA in Lugano. Bestätigt ist die Personalie bislang nur durch Sakana selbst und spezialisierte Fachportale.