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Meta liess 332 Anzeigen mit Missbrauchsdarstellungen durch die Prüfung

Das Tech Transparency Project hat 332 bezahlte Anzeigen dokumentiert, die 2026 Metas Anzeigenprüfung passiert haben. Die Bilder waren laut dem Bericht mehrheitlich mit KI manipuliert. Meta entfernte den Grossteil erst, nachdem die Organisation ihre Funde gemeldet hatte.

Pascal Eugster
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10. SEPTEMBER 2026
3 MIN. LESEZEIT
Illustration eines Förderbands mit unbeschrifteten Umschlägen unter einer unbesetzten Prüflampe, kinewsletter.ch Stil
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INHALT
01Ein Prüfprozess, der nicht prüft02129 Meldungen, 73 Absagen03Was das für die Schweiz heisst
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Versagt hat hier nicht der Filter für Nutzerinhalte, sondern die kommerzielle Anzeigenprüfung – also genau der Prozess, für den eine Plattform Geld verlangt und Verantwortung übernimmt.

Die US-Organisation Tech Transparency Project (TTP) hat am 8. September 2026 einen Bericht veröffentlicht, wonach 332 bezahlte Anzeigen mit Darstellungen sexualisierter Gewalt gegen Kinder im Jahr 2026 Metas Anzeigenprüfung passiert haben und auf Facebook und Instagram ausgespielt wurden. Die Bilder waren laut TTP mehrheitlich mit KI manipuliert, in mehreren Fällen auf Basis von Fotos realer Kinder aus öffentlichen Quellen. Entscheidend ist der Unterschied zu bisherigen Fällen: Es geht nicht um Nutzerbeiträge, sondern um Werbung, die Meta vorab prüft, freigibt und für die das Unternehmen bezahlt wird.

Ein Prüfprozess, der nicht prüft

Meta hält in seinen Werberichtlinien fest, dass jede Anzeige vor der Ausspielung kontrolliert wird und Inhalte, die Kinder sexuell ausbeuten, verboten sind. In 332 dokumentierten Fällen hat das nicht funktioniert. Laut TTP liefen die Anzeigen über Facebook, Instagram, Messenger und Threads; rund 80 Prozent (262 Anzeigen) in den USA. Belastbare Reichweitenzahlen gibt es nur für Europa, weil Metas Werbearchiv dort länger speichert: über 29'000 erreichte Konten in der EU, rund 6'800 in Grossbritannien.

Meta-Sprecher Andy Stone sagte gegenüber Bloomberg, man dulde weder «Nudify»-Apps noch irgendeine Form der Ausbeutung von Kindern, ob real oder KI-generiert. Die Werbeausgaben für die beanstandeten Anzeigen beziffert das Unternehmen auf unter 5'000 Dollar – gemessen an Metas Werbegeschäft eine Randnotiz, gemessen am Prüfversprechen ein Totalausfall.

129 Meldungen, 73 Absagen

Unangenehmer noch ist der zweite Befund. TTP meldete 129 aktiv laufende Anzeigen über Metas eigenes Formular. In 73 Fällen – 57 Prozent – antwortete Meta, die Anzeige verstosse nicht gegen die Werberichtlinien; die Bearbeitung dauerte teils über eine Woche. Erst nach Übergabe der vollständigen Funde ging es schnell: Bis zum 1. September waren 183 der 332 Anzeigen aus dem Archiv verschwunden, die restlichen 149 entfernte Meta innerhalb weniger Stunden. Zusätzlich korrigierte das Unternehmen 113 Verstossmeldungen, die zuvor nur allgemeine Erwachsenen-Richtlinien nannten. Wenn Verstösse falsch einsortiert werden, stimmen auch die selbst gemeldeten Schutzstatistiken nicht.

Ein Teil der Anzeigen wurde laut TTP zudem über offizielle chinesische Werbepartner von Meta gebucht, darunter GIMC (Guangdong Advertising Group) und BlueFocus. Die grosse Mehrheit führte demnach zu KI-Bild- und Video-Apps chinesischer Entwickler; Apple und Google haben die gemeldeten Apps nach eigenen Angaben entfernt oder gesperrt.

Was das für die Schweiz heisst

In der EU gilt für Meta der Digital Services Act mit Pflicht zu einem öffentlichen Werbearchiv samt Angabe, wer eine Anzeige bezahlt. TTP hält fest, dass viele EU-Einträge genau diese Felder leer liessen. Die Schweiz hat bislang kein Gegenstück: Der Bundesrat schickte am 29. Oktober 2025 den Vorentwurf für ein Bundesgesetz über Kommunikationsplattformen und Suchmaschinen (KomPG) in die Vernehmlassung, die bis zum 16. Februar 2026 lief. Vorgesehen sind ein einfaches Meldeverfahren für mutmasslich rechtswidrige Inhalte, Werbetransparenz, ein öffentliches Werbearchiv und eine Rechtsvertretung in der Schweiz – für Dienste, die monatlich von mindestens zehn Prozent der Wohnbevölkerung genutzt werden, aktuell rund 900'000 Nutzende. Meta liegt klar darüber.

Der Bericht liefert damit ein konkretes Argument für diese Debatte: Ein Meldeverfahren nützt wenig, wenn mehr als die Hälfte der Meldungen mit «kein Verstoss» beantwortet wird. Was zählt, ist Nachprüfbarkeit von aussen – und genau die soll ein gesetzlich verankertes Werbearchiv schaffen.

Quellen

Meta Ran Hundreds of Paid Ads with Child Sexual Abuse Imagery – Tech Transparency Project↗ EXTERNER LINKTTP Report – Campaign for Accountability↗ EXTERNER LINKMeta ran hundreds of ads showing AI child sexual abuse, NGO says – Bloomberg via Business Standard↗ EXTERNER LINKMeta Fails To Remove Sex Abuse Ads Featuring Real Children – MediaPost↗ EXTERNER LINKNeues Gesetz über Kommunikationsplattformen und Suchmaschinen: Start der Vernehmlassung – UVEK↗ EXTERNER LINK
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