Nvidia und Palantir bündeln Palantirs Foundry, offene Nemotron-Modelle und die Optimierungssoftware cuOpt zu einem Lieferketten-Stack, der im eigenen Rechenzentrum läuft. Erster Kunde ist Nvidia selbst.
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Technisch belegt und ehrlicher als übliche Hersteller-PR – aber «souverän» heisst hier nur Kontrolle über die eigenen Daten, nicht über Datenmodell, Modelle, Optimierer und Chips. Für Schweizer Firmen bleibt der Anbieter politisch vorbelastet.
Nvidia und Palantir haben am 10. September 2026 eine gemeinsame KI-Plattform für Lieferketten angekündigt. Sie kombiniert Palantirs Datenplattform Foundry mit Nvidias offenen Nemotron-Modellen und der Optimierungssoftware cuOpt. Der erste Kunde ist Nvidia selbst: Der Konzern steuert damit seine eigene Materialplanung. Das Verkaufsargument lautet «souveräne KI» – Daten und Modellgewichte bleiben im eigenen Rechenzentrum des Kunden.
Nvidias Lieferkette umfasst laut Unternehmensangaben Millionen von Teilen und Tausende Zulieferer. Allein ein einzelnes Vera-Rubin-Rack besteht aus 1,3 Millionen Komponenten. Wöchentlich muss entschieden werden, welches knappe Bauteil an welchen Fertigungsstandort geht – von Hand, bisher.
Genau diese Entscheidung bekommt jetzt Maschinenunterstützung. cuOpt rechnet das Ganze als Optimierungsproblem und zeigt, welcher Engpass diese Woche wirklich bremst. Ein feinjustiertes Sprachmodell ergänzt das, was die Mathematik nicht sieht: E-Mails, Wetterprognosen, geopolitische Lage, Notizen aus Lieferantengesprächen. Am Ende entscheidet ein Mensch.
Im technischen Blog von Nvidia stehen erstaunlich konkrete Zahlen. Ein auf die Aufgabe nachtrainiertes Nemotron 3.5 Lightning mit 30 Milliarden Parametern erreichte 86,7 Prozent Trefferquote bei Zuteilungsentscheidungen – gegenüber 55,5 Prozent beim deutlich grösseren Nemotron 3 Ultra und 17,5 Prozent beim untrainierten Ausgangsmodell.
Der Haken: Es ist Nvidias eigener, intern definierter Benchmark, mit Nvidias eigenen Daten, zu Nvidias eigenem Produkt. Unabhängig überprüft hat das niemand. Immerhin räumt der Blog auch Grenzen ein – Produktionsrisiken vorherzusagen habe das Modell trotz Feinjustierung nicht gelernt.
Das Wort «souverän» verdient einen zweiten Blick. Es bedeutet hier: Der Kunde behält Kontrolle über seine Daten. Es bedeutet nicht, dass er das Datenmodell, die Sprachmodelle, die Optimierungssoftware oder die Chips darunter kontrolliert – alle vier stammen von zwei US-Konzernen. TNW bringt es auf den Punkt: Souveränität über den Inhalt, Abhängigkeit von der Maschinerie.
Betrieben werden kann der Stapel laut Ankündigung im eigenen Haus oder in der Cloud, mit Dell, Cisco, Rackspace und Nebius als Infrastrukturpartnern.
Für Schweizer Industrie und Pharma ist der Aufhänger real – Lieferketten mit Tausenden Zulieferern gibt es hier reichlich. Der Anbieter ist allerdings vorbelastet. Eine Bewertung der Schweizer Armee, die «Die Republik» und das WAV-Recherchekollektiv im Dezember 2025 offenlegten, riet von einer Zusammenarbeit mit Palantir ab – wegen Datenhoheit, Abhängigkeiten und Grundrechtsfragen. Palantir klagte darauf auf Gegendarstellung und verlor im Juni 2026 vor dem Handelsgericht Zürich in 22 von 23 Punkten – das Urteil ist laut netzpolitik.org noch nicht rechtskräftig.
Dazu kommt der US CLOUD Act, der amerikanischen Behörden Zugriff auf Daten US-amerikanischer Anbieter erlaubt – unabhängig vom Serverstandort. Ein Rack im eigenen Keller löst dieses Problem nicht automatisch.

Die grössten KI-Ausgeber der USA zahlten im August 9,7 Prozent weniger pro Mitarbeitenden. Der effektive Preis pro Million Token ist laut Ramp AI Index seit März um 41 Prozent auf 0.68 Dollar gefallen.