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Nvidia und Palantir verkaufen «souveräne» KI für Lieferketten

Nvidia und Palantir bündeln Palantirs Foundry, offene Nemotron-Modelle und die Optimierungssoftware cuOpt zu einem Lieferketten-Stack, der im eigenen Rechenzentrum läuft. Erster Kunde ist Nvidia selbst.

Pascal Eugster
Pascal Eugster
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11. SEPTEMBER 2026
3 MIN. LESEZEIT
Illustration einer Lagerhalle mit Holzkiste, Maschinenteilen und elektroblauer Balkenwaage, kinewsletter.ch Stil
Illustration einer Lagerhalle mit Holzkiste, Maschinenteilen und elektroblauer Balkenwaage, kinewsletter.ch Stil
INHALT
011,3 Millionen Teile in einem Rack0286,7 Prozent – aber nur im Haustest03Souverän über die Daten, abhängig von der Maschinerie04Die Schweizer Armee hat schon abgewinkt
INHALT
011,3 Millionen Teile in einem Rack0286,7 Prozent – aber nur im Haustest03Souverän über die Daten, abhängig von der Maschinerie04Die Schweizer Armee hat schon abgewinkt
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Technisch belegt und ehrlicher als übliche Hersteller-PR – aber «souverän» heisst hier nur Kontrolle über die eigenen Daten, nicht über Datenmodell, Modelle, Optimierer und Chips. Für Schweizer Firmen bleibt der Anbieter politisch vorbelastet.

Nvidia und Palantir haben am 10. September 2026 eine gemeinsame KI-Plattform für Lieferketten angekündigt. Sie kombiniert Palantirs Datenplattform Foundry mit Nvidias offenen Nemotron-Modellen und der Optimierungssoftware cuOpt. Der erste Kunde ist Nvidia selbst: Der Konzern steuert damit seine eigene Materialplanung. Das Verkaufsargument lautet «souveräne KI» – Daten und Modellgewichte bleiben im eigenen Rechenzentrum des Kunden.

1,3 Millionen Teile in einem Rack

Nvidias Lieferkette umfasst laut Unternehmensangaben Millionen von Teilen und Tausende Zulieferer. Allein ein einzelnes Vera-Rubin-Rack besteht aus 1,3 Millionen Komponenten. Wöchentlich muss entschieden werden, welches knappe Bauteil an welchen Fertigungsstandort geht – von Hand, bisher.

Genau diese Entscheidung bekommt jetzt Maschinenunterstützung. cuOpt rechnet das Ganze als Optimierungsproblem und zeigt, welcher Engpass diese Woche wirklich bremst. Ein feinjustiertes Sprachmodell ergänzt das, was die Mathematik nicht sieht: E-Mails, Wetterprognosen, geopolitische Lage, Notizen aus Lieferantengesprächen. Am Ende entscheidet ein Mensch.

86,7 Prozent – aber nur im Haustest

Im technischen Blog von Nvidia stehen erstaunlich konkrete Zahlen. Ein auf die Aufgabe nachtrainiertes Nemotron 3.5 Lightning mit 30 Milliarden Parametern erreichte 86,7 Prozent Trefferquote bei Zuteilungsentscheidungen – gegenüber 55,5 Prozent beim deutlich grösseren Nemotron 3 Ultra und 17,5 Prozent beim untrainierten Ausgangsmodell.

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Illustration einer Ladenwaage mit kippendem Münzstapel und Kassenbon, kinewsletter.ch Stil

Der Haken: Es ist Nvidias eigener, intern definierter Benchmark, mit Nvidias eigenen Daten, zu Nvidias eigenem Produkt. Unabhängig überprüft hat das niemand. Immerhin räumt der Blog auch Grenzen ein – Produktionsrisiken vorherzusagen habe das Modell trotz Feinjustierung nicht gelernt.

Souverän über die Daten, abhängig von der Maschinerie

Das Wort «souverän» verdient einen zweiten Blick. Es bedeutet hier: Der Kunde behält Kontrolle über seine Daten. Es bedeutet nicht, dass er das Datenmodell, die Sprachmodelle, die Optimierungssoftware oder die Chips darunter kontrolliert – alle vier stammen von zwei US-Konzernen. TNW bringt es auf den Punkt: Souveränität über den Inhalt, Abhängigkeit von der Maschinerie.

Betrieben werden kann der Stapel laut Ankündigung im eigenen Haus oder in der Cloud, mit Dell, Cisco, Rackspace und Nebius als Infrastrukturpartnern.

Die Schweizer Armee hat schon abgewinkt

Für Schweizer Industrie und Pharma ist der Aufhänger real – Lieferketten mit Tausenden Zulieferern gibt es hier reichlich. Der Anbieter ist allerdings vorbelastet. Eine Bewertung der Schweizer Armee, die «Die Republik» und das WAV-Recherchekollektiv im Dezember 2025 offenlegten, riet von einer Zusammenarbeit mit Palantir ab – wegen Datenhoheit, Abhängigkeiten und Grundrechtsfragen. Palantir klagte darauf auf Gegendarstellung und verlor im Juni 2026 vor dem Handelsgericht Zürich in 22 von 23 Punkten – das Urteil ist laut netzpolitik.org noch nicht rechtskräftig.

Dazu kommt der US CLOUD Act, der amerikanischen Behörden Zugriff auf Daten US-amerikanischer Anbieter erlaubt – unabhängig vom Serverstandort. Ein Rack im eigenen Keller löst dieses Problem nicht automatisch.

Quellen

NVIDIA and Palantir Bring Sovereign Intelligence to Critical Supply Chains (NVIDIA Newsroom)↗ EXTERNER LINKFrom Wafer-Out to First Token (NVIDIA Developer Blog)↗ EXTERNER LINKPalantir Sovereign AI OS↗ EXTERNER LINKNvidia and Palantir's sovereign AI for supply chains (The Next Web)↗ EXTERNER LINKNvidia and Palantir team up to run supply chains with AI (The Decoder)↗ EXTERNER LINKSchweiz: Die Republik setzt sich gegen Palantir durch (netzpolitik.org)↗ EXTERNER LINK
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