Ein Sicherheitsforscher zeigt, wie OpenAIs Werbepixel ein Cookie namens __obi von ChatGPT auf fremde Shops mitnimmt. OpenAI selbst führt es als Analytics-Cookie — und beantwortet die Fragen dazu nicht.
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Wer Marketing-Cookies ablehnt, aber Analytics erlaubt, schaltet __obi nicht ab — zuverlässig hilft nur, Drittanbieter-Cookies im Browser zu blockieren.
OpenAI setzt auf ChatGPT ein Cookie namens __obi, das ein Jahr gültig ist und an dein ChatGPT-Konto gebunden sein soll. Besuchst du danach eine Website, die Werbung in ChatGPT bucht, schickt dein Browser diesen Identifier samt Seitendaten zurück an OpenAI. Dokumentiert hat das am 20. September 2026 der unabhängige Sicherheitsforscher hinter Buchodi's Threat Intel — OpenAI beantwortet die Fragen dazu bis heute nicht.
Nachprüfen lässt sich vieles bei OpenAI selbst. In der Cookie-Policy vom 10. September steht __obi mit einem Jahr Laufzeit für chatgpt.com und openai.com — als einziger Eintrag der gesamten Rubrik «Analytics». Die Marketing-Rubrik daneben listet Dutzende Cookies von LinkedIn, Google, Meta und TikTok.
Werbetreibende binden dafür OpenAIs Measurement Pixel ein, ein kleines Stück JavaScript ähnlich dem Meta- oder Google-Tag. Laut OpenAIs Entwicklerdoku lädt es von bzrcdn.openai.com und meldet Ereignisse an bzr.openai.com — standardmässig eingeschaltet. Abschalten kann die Messung der Werbekunde, nicht du.
Das Pixel liest zudem Kundendaten von der Seite, auf der es sitzt. OpenAI nennt das «automatic advanced matching»: E-Mail, Telefon und Namen würden noch im Browser gehasht. Land, Region, Stadt und Postleitzahl stehen in derselben Feldtabelle jedoch als Klartextfelder. Laut Buchodis Analyse war die Postleitzahl das meistabgegriffene Formularfeld — 100 Ereignisse auf 28 Seiten, bei 936 beobachteten Werbepixeln auf 1'029 Hostnames.
Zur Einordnung: Das sind Befunde eines einzelnen Forschers, bislang nur von Fachmedien wie Notebookcheck aufgegriffen. Geprüft hat er nur Chrome unter Android; iOS-Browser sind wegen Apples Tracking-Schutz aussen vor. Und er konnte nicht beobachten, wie OpenAI die Daten serverseitig dem Konto zuordnet.
__obi den Weg auf fremde Seiten.__obi unter Analytics läuft, bringt Marketing ablehnen allein nichts.ChatGPT Ads läuft seit August in 31 europäischen Märkten. Ob hierzulande Anzeigen verkauft werden, ändert für dich wenig: Die Shops mit dem Pixel — Wayfair, HelloFresh oder Coursera — nutzt du so oder so.
Rechtlich gilt seit dem 1. September 2023 das revidierte Datenschutzgesetz. Eine ePrivacy-Pflicht zur Cookie-Einwilligung wie in der EU kennt es nicht, dafür setzt es auf Transparenz: Nach Art. 19 DSG musst du erfahren, wozu deine Daten bearbeitet und in welche Länder sie bekanntgegeben werden. Der EDÖB publizierte dazu im Oktober 2025 einen Cookie-Leitfaden. Kernpunkt: Wer fremde Tracking-Technik einbindet, wird die Verantwortung dafür nicht einfach los.

Vier zahlende Nutzer von ChatGPT, Claude, Grok und Gemini haben am 18. September beim US-Bundesgericht in Nordkalifornien eine Kartell-Sammelklage eingereicht. Der Vorwurf: Anthropic, OpenAI, Google und SpaceXAI hätten sich illegal auf eine gemeinsame Entwicklungsbremse geeinigt – und so den Wert bezahlter Abos gemindert.