Twitch lässt Amazon seine generativen KI-Modelle mit Streams, VODs, Clips und Chats trainieren – bei allen Konten standardmässig eingeschaltet. Seit dem 12. August 2026 gibt es einen Schalter dagegen, tief in den Sicherheitseinstellungen. Warum das kein Versehen ist und was Schweizer Streamer davon haben, ihn umzulegen.
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Ein voreingestelltes Opt-out ist keine Einwilligung – und wird auch nicht als solche verkauft. Für Schweizer Streamer ist der Schalter trotzdem entscheidend: Erst das ausdrückliche Nein macht die Weiterverwendung nach DSG angreifbar.
Twitch lässt seinen Mutterkonzern Amazon generative KI-Modelle mit den Inhalten von Streamern trainieren – und zwar bei allen Konten standardmässig. Seit dem 12. August 2026 gibt es immerhin einen Schalter dagegen: «Training for Generative AI», versteckt am Ende der Sicherheitseinstellungen. Twitch kommunizierte die Änderung nicht als Trainingsstart, sondern als neue Wahlmöglichkeit – breit bekannt wurde sie erst, als der Streaming-Reporter Zach Bussey einen Screenshot des Schalters postete und dieser viral ging.
Wer den Schalter umlegt, verhindert laut Twitchs eigener FAQ, dass Streams, deren Aufzeichnungen, Clips, Stream-Chats sowie Bilder und Texte auf dem Kanal in künftiges Training eines Amazon-Modells einfliessen. Gemeint sind Modelle, deren Zweck es ist, «Text, Audio, Bilder oder Video zu erzeugen oder zu synthetisieren».
Alles andere bleibt: AutoMod, automatische Untertitel, Empfehlungen und Sicherheitsfunktionen laufen weiter. Diese Systeme behielten die Inhalte nicht, um daraus neue Inhalte zu erzeugen, argumentiert Twitch – und einzeln abschaltbar seien sie ohnehin nicht, weil das «die Sicherheit für alle anderen schwächen» würde. Ein Detail mit Reichweite: Wer im Chat eines fremden Kanals schreibt, richtet sich nach der Einstellung des Kanalinhabers, nicht nach der eigenen.
Warum Opt-out und nicht Opt-in? Produktchef Mike Minton beantwortete das in einem Live-Stream vor knapp 3'000 verärgerten Zuschauenden bemerkenswert direkt: Wäre es Opt-in, würde niemand zustimmen, «das ist ehrlich gesagt die Antwort», zitiert ihn TechCrunch. Ob Amazon bereits mit Twitch-Material trainiert hat, konnte er nicht sagen – er wisse nicht, was Amazon in Sachen Modelltraining getan habe.
Community-Chefin Mary Kish erklärte laut Kotaku, warum niemand eine E-Mail bekam: «Das ist nicht die beste Antwort, aber Creator lesen nicht immer ihre E-Mails.» Eine Anzeige, welche Kanäle mittrainieren und welche nicht, ist laut Minton nicht geplant.
So schaltest du es ab:
Wichtig: Der Schalter wirkt nur auf künftiges Training. Was mit bereits verwendetem Material passiert, sagt Twitch nicht – und welche Amazon-Modelle überhaupt gemeint sind, steht weder in der Ankündigung noch in der FAQ.
Das Schweizer Datenschutzgesetz gilt für Sachverhalte, «die sich in der Schweiz auswirken, auch wenn sie im Ausland veranlasst werden» – Schweizer Streamer sind also mitgemeint. Entscheidend ist Artikel 30: In der Regel liegt keine Persönlichkeitsverletzung vor, wenn jemand seine Daten allgemein zugänglich gemacht und eine Bearbeitung «nicht ausdrücklich untersagt» hat. Umgekehrt liegt eine vor, wenn Daten «entgegen der ausdrücklichen Willenserklärung» bearbeitet werden. Genau das ist der umgelegte Schalter. Der EDÖB hält seit Mai 2025 fest, dass das DSG «technologieneutral formuliert und demzufolge auch auf den Einsatz von KI-gestützten Datenbearbeitungen direkt anwendbar» ist.
Und die naheliegende Frage, ob ein voreingestelltes Opt-out als Einwilligung durchgeht? Sie geht am Punkt vorbei: Es ist keine – und wird auch nicht als solche verkauft. Meta stützte sein KI-Training auf öffentlichen Beiträgen aufs «berechtigte Interesse», nicht auf Zustimmung; das Oberlandesgericht Köln wies im Mai 2025 einen Eilantrag dagegen ab. Nach der SRG, die ihr Archiv per Crawler-Sperre schützt, und dem GEMA-Urteil gegen Suno zeigt Twitch die andere Seite derselben Medaille: Wo Inhalte einfach da sind, wird zuerst genommen und erst danach gefragt.
Anthropic hat den EU-Verhaltenskodex zur Transparenz von KI-Inhalten unterzeichnet und markiert Claudes Ausgaben deshalb maschinenlesbar – nicht nur in Europa, sondern überall. Text bekommt ein unsichtbares Wasserzeichen, Dateien signierte Herkunftsdaten. Was das für Schweizer Firmen bedeutet, die in die EU liefern.