NewsKategorienWissenNewsletter-ArchivEvents
AnmeldenKostenlos abonnieren
JEDEN MONTAG
Die wichtigsten KI-News der Woche — in 5 Minuten.

Der wöchentliche KI-Newsletter für die Schweiz. Kompakt, relevant, zero Bullshit. 5 Minuten lesen, 1 Woche informiert.

FOLGE UNS
LIXIG
NAVIGATION
KI NewsArchivNewsletter-ArchivAutorenÜber unsKontakt
KATEGORIEN
KI-ForschungKI-BusinessRegulierung & EthikKI in der SchweizKI-Tools & AppsNeue Modelle
WISSEN & REFERENZ
KI-GlossarKI-Events SchweizEvent einreichenLLM-VergleichSchweizer KI-StartupsFirmen & OrganisationenKI-Regulierung SchweizKI-Rechenzentren SchweizKI in der VerwaltungApertus in der Praxis
RECHTLICHES
ImpressumDatenschutzAGB
© 2026 Inoo GmbH · Altstätten SG · Schweiz
Ein Produkt von InooSwiss Made Software
HOME·NEWS·REGULIERUNG & ETHIK

Fünf US-Behörden warnen: KI schreibt Exploits für Siemens-Steuerungen

NSA, CISA, FBI, Energieministerium und Umweltbehörde warnen gemeinsam: Angreifer lassen sich von KI Exploit-Skripte für Siemens-S7-Steuerungen schreiben und tarnen sie als Monitoring-Software. Betroffen sind Wasserwerke, Kraftwerke und Fabriken – Baureihen, die auch in der Schweiz überall laufen.

Pascal Eugster
Pascal Eugster
GRÜNDER & ENTWICKLER
21. AUGUST 2026
4 MIN. LESEZEIT
Illustration eines industriellen Schaltraums mit blau leuchtender Warnlampe und Reihen von Kippschaltern, kinewsletter.ch Stil
Illustration eines industriellen Schaltraums mit blau leuchtender Warnlampe und Reihen von Kippschaltern, kinewsletter.ch Stil (Dark Mode)
INHALT
01Was eine SPS eigentlich macht02Nicht die Lücke ist neu, die Hürde ist weg03Braham, Minnesota, 26. Juli04Warum das Schweizer Werkhallen betrifft05Drei Handgriffe für Montagmorgen
INHALT
01Was eine SPS eigentlich macht02Nicht die Lücke ist neu, die Hürde ist weg03Braham, Minnesota, 26. Juli04Warum das Schweizer Werkhallen betrifft05Drei Handgriffe für Montagmorgen
Inoo GmbH
Präsentiert & entwickelt von
kinewsletter.ch ist ein Projekt der Inoo GmbH

KI-Beratung und Softwareentwicklung aus dem St. Galler Rheintal.

inoo.ch →
DAS WICHTIGSTE IN KÜRZE

Die Lücken in Siemens-S7-Steuerungen sind alt. Neu ist, dass KI die Einstiegshürde für ihre Ausnutzung von Spezialistenwissen auf Skript-Niveau senkt. Wer eine SPS am Internet hat, hat ab sofort ein akutes Problem – auch in der Schweiz.

Die NSA, die Cybersicherheitsbehörde CISA, das FBI, das US-Energieministerium und die Umweltbehörde EPA haben am 19. August 2026 ein gemeinsames Advisory veröffentlicht: Angreifer nutzen KI-generierte Python-Skripte, um ins Internet exponierte Siemens-S7-Steuerungen in kritischer Infrastruktur zu übernehmen. «Das ist kein theoretisches Risiko – es ist eine aktive Bedrohung», schreiben die fünf Behörden in der Zusammenfassung von AA26-231A. Betroffen sind laut Advisory die Baureihen S7-200, S7-300, S7-400, S7-1200 und S7-1500 – also praktisch das gesamte Simatic-Portfolio, das auch in Schweizer Wasserwerken, Kraftwerken und Fabrikhallen steckt.

Was eine SPS eigentlich macht

Eine SPS – speicherprogrammierbare Steuerung, englisch PLC – ist ein kleiner Industriecomputer, der Pumpen anwirft, Ventile öffnet und Fliessbänder taktet. Sie ist das Bindeglied zwischen Software und physischer Welt. Wer sie kontrolliert, kontrolliert nicht nur Daten, sondern Druck, Durchfluss und Temperatur.

Genau deshalb ist das Advisory brisant. Die Behörden beschreiben, wie Angreifer über Internet-Scandienste wie Censys und ZoomEye exponierte Geräte suchen, sich über nicht geänderte Werkspasswörter Zugang verschaffen und dann eigene Werkzeuge einsetzen – gebaut aus der frei verfügbaren Open-Source-Bibliothek python-snap7 und KI-Unterstützung. Diese Tools sprechen das Siemens-Protokoll S7comm und geben Lese- und Schreibzugriff auf Speicher, Konfiguration und Steuerungslogik. Getarnt sind sie als legitime Monitoring-Software für Betriebstechnik.

Nicht die Lücke ist neu, die Hürde ist weg

Die eigentliche Nachricht steckt in einer Randnotiz des Advisorys. S7-Schwachstellen sind seit Jahren bekannt, ebenso der offene TCP-Port 102. Neu ist, wer sie ausnutzen kann:

Der Einsatz von KI zur Erzeugung von Exploit-Skripten reduziert die technische Expertise und den Zeitaufwand, die zur Entwicklung funktionierender ICS-Exploits nötig sind, drastisch.

Übersetzt: Angriffe auf industrielle Steuerungen waren bisher Spezialistenarbeit. Man musste S7comm verstehen, Ladder-Logic lesen und wissen, wie sich die Hardware verhält. Diese Eintrittsbarriere hat jahrelang mehr geschützt als jede Firewall. Sie fällt gerade weg – und die Behörden dokumentieren das nicht als Prognose, sondern als beobachtete Aktivität.

Braham, Minnesota, 26. Juli

Wie sich das anfühlt, hat der Sommer bereits gezeigt. Ende Juli wurden an einem Wochenende über 30 kommunale Wasserversorger im US-Bundesstaat Minnesota angegriffen. Die Stadt Braham teilte ihren Einwohnern zunächst mit, das Wasserwerk sei «aus unbekanntem Grund» offline. Rund drei Stunden später lief es wieder – und die Stadt bestätigte, der Ausfall sei die Folge eines Cyberangriffs auf die computergesteuerten Betriebssysteme gewesen. Andere Gemeinden stellten vorübergehend auf Handbetrieb um.

Das Advisory selbst nennt keine Täter und spricht durchgehend nur von «threat actors». Sicherheitsforscher vermuten hinter der Minnesota-Welle die iran-nahe Gruppe CyberAv3ngers – bestätigt ist das nicht.

Siemens war laut Reuters für eine Stellungnahme zunächst nicht erreichbar. Der Konzern hatte allerdings bereits Anfang Juli selbst eine Sicherheitswarnung an Kunden verschickt, damals mit Fokus auf die S7-1200, verbunden mit dem Aufruf, Firmware aktuell zu halten.

Warum das Schweizer Werkhallen betrifft

In der Schweiz gibt es zu diesem Advisory bislang keine eigene Behördenwarnung. Der Handlungsdruck existiert trotzdem – und zwar rechtlich. Seit dem 1. April 2025 gilt hierzulande die Meldepflicht für Cyberangriffe auf kritische Infrastrukturen: Betroffene müssen innert 24 Stunden ans Bundesamt für Cybersicherheit BACS melden. Seit Oktober 2025 drohen bei Unterlassung Bussen bis 100'000 Franken. In den ersten sechs Monaten gingen laut BACS 164 Meldungen ein, 7,6 Prozent davon aus dem Energiesektor.

Die Branche ist nicht ahnungslos. Der SVGW, der Fachverband für Gas und Wasser, hat schon 2019 einen Cyber-Minimalstandard für Wasserwerke entwickelt; Cybersicherheit gehört heute zur Ausbildung von Brunnenmeistern. Die Organisation und Informatik der Stadt Zürich formulierte es nach Minnesota nüchtern: Man nehme die Meldung ernst, sie löse aber keine Panik aus. Und der Nachrichtendienst des Bundes hält fest, dass es «für Sabotageangriffe auf kritische Infrastruktur in der Schweiz derzeit keinen Hinweis» gebe.

Das ist die gute Nachricht. Die unangenehme: Die S7-Baureihen aus dem Advisory sind in Schweizer KMU-Fertigung, Gebäudetechnik und Versorgung Standardware – und ein Scan-Dienst kennt keine Landesgrenze.

Drei Handgriffe für Montagmorgen

Die Empfehlungen der Behörden sind unspektakulär und genau deshalb umsetzbar. Wenn du für eine Anlage verantwortlich bist:

  1. Inventar machen. Welche S7-Geräte laufen wo, mit welchem Firmware-Stand? Ohne diese Liste ist alles Weitere Ratespiel.
  2. Port 102 dichtmachen. Das Advisory empfiehlt, S7comm an der Perimeter-Firewall vollständig zu blockieren und OT- von IT-Netz per DMZ zu trennen. Prüfe auch, ob ein externer Systemintegrator einen Fernzugang offen hält – laut Advisory wissen viele Betreiber gar nicht, dass ihre Anlage erreichbar ist.
  3. Werkspasswörter ersetzen. Der Einstiegsvektor Nummer eins sind unkonfigurierte oder minimal konfigurierte Zugangsdaten. Passwortschutz auf der SPS aktivieren, Schreibschutz setzen, TIA-Portal-Zugriff auf freigegebene Engineering-Rechner beschränken.

Für modellspezifische Hinweise verweist das Advisory ausdrücklich auf Siemens ProductCERT. Und wenn es doch passiert: Die 24-Stunden-Uhr des BACS läuft ab dem Moment, in dem du den Vorfall entdeckst.

Quellen

Defending Against an Active Threat to Siemens S7 Series PLCs (AA26-231A) – CISA↗ EXTERNER LINKUS warns of AI-powered attacks on Siemens PLCs in critical infrastructure – BleepingComputer↗ EXTERNER LINKUS agencies warn of AI-powered attacks on Siemens industrial controllers – Help Net Security↗ EXTERNER LINKAI-backed campaign targeting vulnerable Siemens S7 devices, CISA and FBI warn – Cybersecurity Dive↗ EXTERNER LINKUS-Behörden warnen vor Cyber-Attacken auf Siemens-Steuerungen – Reuters / onvista↗ EXTERNER LINKHackers disrupt over 30 Minnesota water utilities in coordinated OT attack – BleepingComputer↗ EXTERNER LINK30 Wasserversorger in den USA gehackt – auch in der Schweiz wächst die Sorge – Blick↗ EXTERNER LINKSechs Monate Meldepflicht für Cyberangriffe auf kritische Infrastrukturen – BACS↗ EXTERNER LINK
TEILEN
LinkedIn→X / Twitter→E-Mail→
KOSTENLOS ABONNIEREN
Diese News jeden Montag in dein Postfach?

WEITERLESENDas könnte dich auch interessieren.

Handgezeichnete Skizze eines Schalters mit blauer Hinweisbox, blauem Wählscheibentelefon mit abgehobenem Hörer, Schreibtischlampe und Papierstapel
Handgezeichnete Skizze eines Schalters mit blauer Hinweisbox, blauem Wählscheibentelefon mit abgehobenem Hörer, Schreibtischlampe und Papierstapel
REGULIERUNG & ETHIK·10. OKTOBER 2026

Anthropic-Modell meldet der Polizei einen erfundenen Mordhinweis

Ein Testlauf mit Claude Haiku 4.5 reichte im Juli einen falschen Hinweis zu einem ungelösten Mordfall bei der Polizei von Philadelphia ein. Anthropic schaltet das Internet für interne Tests ab, das Weisse Haus verlangt Meldungen. Wir ordnen ein, was das für Firmen mit KI-Agenten heisst.

Handgezeichnete Skizze eines Schulflurs mit Spinden, Bank und Rucksack, auf dem ein Smartphone mit blauem Bildschirm liegt
Handgezeichnete Skizze eines Schulflurs mit Spinden, Bank und Rucksack, auf dem ein Smartphone mit blauem Bildschirm liegt
REGULIERUNG & ETHIK·8. OKTOBER 2026

«Unannehmbares Risiko»: Studie zu ChatGPT for Teens

Common Sense Media stuft ChatGPT for Teens als unannehmbares Risiko ein: Elternalarme blieben aus, Krisenverweise fehlten oft, der Lernmodus liess sich umgehen. OpenAI bestreitet die Methodik. Wir ordnen ein, was das für Familien in der Schweiz heisst.

Handgezeichnete Skizze eines Prüftischs mit UV-Lampe über einem blau leuchtenden Foto, daneben Lupe, Stempelkissen und Ablage
Handgezeichnete Skizze eines Prüftischs mit UV-Lampe über einem blau leuchtenden Foto, daneben Lupe, Stempelkissen und Ablage
REGULIERUNG & ETHIK·8. OKTOBER 2026

Googles KI-Detektor ist jetzt für alle offen

Google öffnet den SynthID Detector für alle: Auf synthid.com lassen sich Bilder, Videos und Audio auf das SynthID-Wasserzeichen prüfen. Es erkennt nur Wasserzeichen von Google und Partnern, ein negatives Ergebnis beweist nichts. Wir ordnen ein, was das für die Schweiz heisst.

Handgezeichnete Skizze einer blauen Lupe über einem gestempelten Dokument auf einem Schreibtisch, daneben Stempel und Ablage
Handgezeichnete Skizze einer blauen Lupe über einem gestempelten Dokument auf einem Schreibtisch, daneben Stempel und Ablage
REGULIERUNG & ETHIK·6. OKTOBER 2026

OpenAI markiert ChatGPT-Texte in der EU unsichtbar

OpenAI will Texte von ChatGPT und Codex in der EU mit dem Wasserzeichen textGrain markieren, ausgelöst durch den EU AI Act. Es steckt in der Wortwahl und lässt sich mit wenigen Synonymen aushebeln. Wir ordnen ein, was das für die Schweiz heisst.

Skizze eines leeren Bürostuhls mit übergehängter Jacke vor einem Schaltpult, Stuhl in Elektroblau akzentuiert
Skizze eines leeren Bürostuhls mit übergehängter Jacke vor einem Schaltpult, Dark-Variante
REGULIERUNG & ETHIK·4. OKTOBER 2026

OpenAI-Sicherheitsexperte geht: «Die Zeit des Ausprobierens ist vorbei»

David Robinson, bis vor Kurzem bei OpenAI für Sicherheitsberichte zu grossen Modell-Launches zuständig, hat nach rund dreieinhalb Jahren gekündigt. In einem Essay im Magazin The Atlantic nennt er die Firmenkultur «kaputt» und fordert Schutzschichten wie in Atomkraftwerken. OpenAI sagt, man verstärke die Sicherheitsmassnahmen.

Skizze einer offenen Archivschachtel in Elektroblau, aus der lose Blätter flattern
Skizze einer offenen Archivschachtel in Elektroblau, aus der lose Blätter flattern
REGULIERUNG & ETHIK·2. OKTOBER 2026

OpenAI trennt sich laut WSJ von drei Sicherheitsforschern

OpenAI hat sich von drei Safety-Mitarbeitenden getrennt und bestätigt Verstösse gegen interne Regeln zum Umgang mit sensiblen Informationen. Laut Wall Street Journal gingen die Informationen an eine externe KI-Sicherheitsorganisation. Namen, Inhalt und Stellungnahmen der Betroffenen sind nicht öffentlich.

Mehr aus Regulierung & Ethik →