Bill Gates fordert in einem neuen Essay eine Steuer auf KI und Roboter – und eine Kategorie Arbeit, die bewusst Menschen vorbehalten bleibt. Bis zu 40 Prozent aller Jobs liessen sich so schützen, sagt er. In der Schweiz muss der Bundesrat seit März 2026 genau diese Frage prüfen.
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Gates dreht die Debatte um: Nicht die KI muss gebremst werden, sondern der Steueranreiz, der Maschinen billiger macht als Menschen. Für die Schweiz ist das keine Theorie – der Nationalrat hat den Bundesrat im März 2026 zu genau dieser Prüfung verpflichtet.
Bill Gates hat am 26. August 2026 einen knapp 6'000 Wörter langen Essay auf seinem Blog Gates Notes veröffentlicht und darin drei Massnahmen gegen die Schäden von KI gefordert: neue nationale und internationale Aufsichtsinstitutionen, eine Steuer auf KI-Nutzung und Roboter – und eine Kategorie von Arbeit, die bewusst Menschen vorbehalten bleibt. Gegenüber Axios sagte der Microsoft-Mitgründer, in einer sehr extremen Form könne er sich vorstellen, zunächst 40 Prozent aller Jobs für Menschen zu reservieren: «Aber höher komme ich nicht.»
Gates nennt die Idee «Human Reserved»: Arbeit, die Maschinen technisch problemlos übernehmen könnten, die man ihnen aber trotzdem nicht überlässt. Sein Vergleich ist das Naturschutzgebiet – Land, das man bebauen könnte, aber nicht bebaut, weil der Verlust zu gross wäre.
Zwei Varianten schweben ihm vor: Entweder bleibt ein Beruf dauerhaft in Menschenhand, oder der Schutz gilt befristet – für Beschäftigte, die realistisch nicht mehr umsatteln können. «Du kannst einem 55-Jährigen, der sein Leben lang auf dem Bau gearbeitet hat, nicht sagen, er solle jetzt in einem Altersheim arbeiten, und erwarten, dass ihn das erfüllt», schreibt Gates. Klare Fälle sind für ihn Kinderbetreuung und Geschworenendienst; in Bildung und Gesundheit sollen geschützte Fachkräfte KI nutzen, statt von ihr ersetzt zu werden.
«Wenn du jemanden anstellst, zahlst du Lohnabgaben auf sein Einkommen. Kaufst du einen Roboter, kannst du ihn in der Regel sofort als Betriebsaufwand abschreiben», schreibt Gates. «Das Steuersystem schubst dich dazu, Menschen durch Maschinen zu ersetzen.» Eine Abgabe auf KI und Roboter solle diesen Anreiz drehen und Umschulungen finanzieren. Den Vorschlag hatte Gates schon vor neun Jahren gemacht – damals wurde er weitgehend abgetan.
Dass die Sorge nicht theoretisch ist, zeigen Zahlen von Challenger, Gray & Christmas: 2026 nannten US-Arbeitgeber KI in 112'713 Stellenabbau-Ankündigungen als Grund – rund 24 Prozent aller angekündigten Kürzungen und den fünften Monat in Folge der meistgenannte Grund. Seit 2023 sind es 184'538.
Für dich in der Schweiz ist das keine ferne US-Debatte. Am 17. März 2026 hat der Nationalrat mit 100 zu 88 Stimmen ein Postulat der Wirtschaftskommission überwiesen – gegen den Willen des Bundesrats. Er muss nun klären, ob das Steuersystem grundlegend umgebaut werden muss, falls KI die Reallöhne drückt und Einkommens- wie Konsumsteuern wegbrechen. Bereits 2018 hatte der Bundesrat eine Robotersteuer geprüft und verworfen – die Robotisierung gefährde die Steuereinnahmen nicht. In Basel-Stadt fordert die SP inzwischen eine kantonale KI-Steuer, bürgerliche Stimmen warnen vor einem Standortnachteil.
Gates weiss, wie gross der Eingriff wäre: «Ich rede von einer Änderung des Steuersystems, die grösser ist als jede in meinem Leben. Zu einer Zeit, in der die Politik polarisierter ist als je zuvor», sagte er Axios. Wer entscheidet, welche Jobs geschützt werden, lässt er offen – das müsse «öffentlich ausgehandelt werden».