OpenAI hat ein Cluster von ChatGPT-Konten aus Russland gesperrt, das Social-Media-Posts für ein erfundenes «International Burke Institute» erzeugte – darunter deutschsprachige Telegram-Inhalte gegen die EU. Die Reichweite blieb klein, die Infrastruktur dahinter war auf Wachstum angelegt.
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Nicht die Reichweite ist das Problem, sondern der Baukasten: KI half hier, einer erfundenen Institution Autorität zu verleihen – 34 von 36 ihrer Fachartikel waren abgeschrieben. Der Bund nennt genau dieses Muster als aktuell stärkste Beeinflussungsbedrohung für die Schweiz.
OpenAI hat am 25. August 2026 ein Cluster von ChatGPT-Konten aus Russland gesperrt, das Social-Media-Beiträge für eine verdeckte Einflusskampagne erzeugte. Im Zentrum stand das «International Burke Institute» (IBI), ein selbsternannter Expertenkreis mit Adresse in Israel, der laut dem Bericht des Unternehmens vor allem eines war: eine Fassade. Die Reichweite blieb überschaubar, doch OpenAI warnt ausdrücklich vor der Infrastruktur dahinter.
Die Betreiber steuerten ChatGPT auf Russisch und liessen sich mehrheitlich englische Kommentare für X, LinkedIn, Facebook, Substack und Telegram schreiben. Dabei wiesen sie das Modell ausdrücklich an, sprachliche Spuren ihrer Herkunft zu tilgen. Weil OpenAI den Zugang aus Russland sperrt, liefen die Zugriffe über VPN.
Die Beiträge verlinkten auf die IBI-Website, und die hielt der Prüfung nicht stand. Von 36 untersuchten Fachartikeln, die zwischen September 2025 und Mai 2026 erschienen, waren 34 von anderswo kopiert — teils mit falscher Zuschreibung. Ein Text aus einem Cambridge-Journal lief unter dem Namen einer Politikwissenschaftlerin aus Nottingham, eine Migrationsstudie unter dem einer australischen Lebensmittelchemikerin. Dazu erfand das Institut einen «Souveränitätsindex», der Russland gut und westliche Staaten schlecht aussehen liess.
Für dich als deutschsprachigen Leser ist ein Detail besonders relevant: Einer der Betreiber erzeugte deutsche Texte für einen Telegram-Kanal namens «Lahme Ente», der Ukraine, EU und deutsche Bundesregierung kritisierte und für bessere Beziehungen zu Russland warb. Ein zweiter Operator entwarf Logos für rund ein Dutzend Telegram-Kanäle mit Fokus auf Deutschland, die USA, Frankreich, Polen und die Türkei.
Bei der Einordnung bleibt OpenAI nüchtern: Einzelne Posts erreichten nur wenige Aufrufe, die offiziellen IBI-Konten hatten kaum Abonnenten. Lediglich die verknüpften Telegram-Kanäle kamen je auf 10'000 bis 20'000 Follower. Auf der Breakout-Skala der Brookings Institution stuft OpenAI die Operation am unteren Rand von Kategorie drei ein.
Entscheidend sei aber nicht das Publikum, sondern der Aufbau. KI diente hier als Hilfsmittel, um einer erfundenen Institution Autorität zu verleihen — ein Gerüst, das sich über die Zeit hätte hochskalieren lassen. Ausgerechnet die ChatGPT-Nutzung führte OpenAI dann auf die Spur der grösseren Operation.
Das Staatssekretariat für Sicherheitspolitik (SEPOS) hält fest, dass von allen Beeinflussungsaktivitäten Desinformation und Propaganda die Schweiz derzeit am stärksten bedrohen — und beschreibt exakt dieses Muster: Hinter scheinbar tausend unabhängigen Stimmen könne «in Wahrheit auch nur ein einzelner Mitarbeiter einer russischen Trollfabrik oder eine künstliche Intelligenz stecken». Ende 2025 setzte der Bundesrat eine interdepartementale Arbeitsgruppe gegen Beeinflussungsaktivitäten ein.
Panik ist trotzdem nicht angebracht: Bei Wahlen und Abstimmungen wurden laut Pälvi Pulli, stellvertretende Staatssekretärin für Sicherheitspolitik, bisher keine Desinformationsversuche registriert. Der Haken: Der Bund verweist selbst darauf, dass künstliche Intelligenz es zunehmend schwerer macht, Desinformation überhaupt als solche zu erkennen.