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«AI lab leak»: Alabama zwingt OpenAI zur Offenlegung

Alabamas Generalstaatsanwalt Steve Marshall hat OpenAI eine Herausgabeverfügung zugestellt. Bis zum 14. September muss der Konzern offenlegen, wer am Hugging-Face-Vorfall vom Juli beteiligt war, welche Netzwerke betroffen waren und welche Sicherheitsmassnahmen galten.

Pascal Eugster
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26. AUGUST 2026
3 MIN. LESEZEIT
Illustration einer verschnürten Aktenmappe in Elektroblau neben einem Richterhammer, kinewsletter.ch Stil
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INHALT
01Sechzehn Fragen und ein Stichtag02Erst ein Brief, jetzt ein Amtsbefehl03Brüssel hat den Hebel, Bern noch nicht
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DAS WICHTIGSTE IN KÜRZE

Der Hugging-Face-Vorfall ist von der Sicherheitsfrage zur Rechtsfrage geworden: Ein US-Bundesstaat ermittelt gegen OpenAI – nicht nach KI-Recht, sondern nach Konsumentenschutzrecht, weil KI-spezifische Aufsichtsinstrumente fehlen.

Alabamas Generalstaatsanwalt Steve Marshall hat gegen OpenAI eine Untersuchung eröffnet und dem Unternehmen am 20. August eine Herausgabeverfügung zugestellt, die seit Montag öffentlich ist. Bis zum 14. September muss OpenAI offenlegen, wer am Hugging-Face-Vorfall vom Juli 2026 beteiligt war, welche Netzwerke betroffen waren und welche Sicherheitsmassnahmen beim Modelltest galten. Marshall nennt den Vorfall einen «AI lab leak» – aus einem Sicherheitsproblem wird damit erstmals ein Ermittlungsverfahren mit Frist.

Sechzehn Fragen und ein Stichtag

Die Subpoena – eine behördliche, vor Gericht durchsetzbare Herausgabeverfügung – trägt die Nummer 26-0007 und stützt sich nicht etwa auf KI-Recht, sondern auf Alabamas Gesetz gegen unlautere Geschäftspraktiken. Auf 17 Seiten stellt Marshalls Behörde 16 Begehren. Verlangt wird unter anderem:

  • Jede Person, die am Test oder am Vorfall beteiligt war – namentlich
  • Jedes Netzwerk, Konto und jede Datenbank, auf die die Modelle zugriffen
  • Alle Mitarbeitenden, die je Bedenken zur Sicherheit von Modelltests geäussert haben

Der letzte Punkt ist der heikelste: Alabama sucht gezielt nach internen Warnern. Beigelegt ist eine eidesstattliche Erklärung, die eine verantwortliche Person unterschreiben muss.

Erst ein Brief, jetzt ein Amtsbefehl

Neu ist nicht der Ärger, neu ist das Druckmittel. Am 3. August hatten bereits 15 Generalstaatsanwälte unter Führung von Iowas Brenna Bird einen Brief an Sam Altman geschickt: Dokumente sichern, Whistleblower schützen, solche Tests sofort stoppen. Alabama hat mitunterzeichnet – und geht jetzt als erster Bundesstaat vom Ersuchen zum Zwangsmittel über.

«Dieser AI lab leak hat gezeigt, dass die schlimmsten Befürchtungen der Menschen in Alabama und in Amerika gegenüber künstlicher Intelligenz nicht bloss theoretisch sind.»

OpenAI erklärte gegenüber Bloomberg Law, man führe «eine gründliche Überprüfung mit externen Beratern» durch und werde die Ergebnisse anschliessend veröffentlichen. Dass der Konzern kurz zuvor selbst schärfere KI-Regeln gefordert hatte, haben wir am Montag beschrieben – die Untersuchung in Alabama ist dieselbe Geschichte, nur mit anderen Mitteln.

Brüssel hat den Hebel, Bern noch nicht

Für dich in der Schweiz ist vor allem der Vergleich aufschlussreich. In der EU ist der AI Act seit dem 2. August 2026 vollständig anwendbar. Seither kann das AI Office bei Anbietern von Allzweckmodellen technische Unterlagen verlangen, Modelle selbst evaluieren, Korrekturen anordnen und Bussen verhängen – also genau das tun, wofür Alabama den Umweg über das Konsumentenschutzrecht nehmen muss.

Die Schweiz hat diesen Hebel nicht. Der Bundesrat entschied im Februar 2025, auf ein KI-Gesetz nach EU-Vorbild zu verzichten und die KI-Konvention des Europarats sektorbezogen ins Schweizer Recht zu überführen. Laut BAKOM soll bis Ende 2026 eine Vernehmlassungsvorlage vorliegen – ausdrücklich auch zum Thema Aufsicht. Bis dahin gilt: Käme ein solcher Vorfall aus einem Schweizer Labor, gäbe es hierzulande keine Behörde, die OpenAI eine Frist auf den 14. September setzen könnte.

Quellen

Subpoena Duces Tecum #26-0007 – Office of the Attorney General, State of Alabama (Primärdokument, PDF)↗ EXTERNER LINKAlabama Investigates OpenAI After Rogue AI Hacking Incident – Bloomberg Law↗ EXTERNER LINKAlabama AG probes OpenAI after its AI agent went rogue and hacked into external systems – The Decoder↗ EXTERNER LINKAttorney General Brenna Bird Leads Coalition Demanding Transparency from OpenAI after AI Breach and Hacking – Iowa Attorney General↗ EXTERNER LINKOpenAI and Hugging Face partner to address security incident during model evaluation – OpenAI↗ EXTERNER LINKAI Act – Europäische Kommission, Shaping Europe's digital future↗ EXTERNER LINKKünstliche Intelligenz – Auslegeordnung und Regulierungsansatz der Schweiz, BAKOM↗ EXTERNER LINK
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