Laut einem Bericht der Financial Times hat Google DeepMind das Team hinter dem Nobelpreis-prämierten AlphaFold aufgelöst: Die meisten Original-Autoren sind intern versetzt, fast ein Viertel hat das Unternehmen verlassen. Nobelpreisträger John Jumper wechselt zu Anthropic.
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DeepMind gibt das Modell auf, das es berühmt gemacht hat – dedizierte Teams für einzelne Wissenschaftsprobleme – und setzt stattdessen auf Gemini-gestützte Systeme, die Forschung automatisieren. Die Köpfe hinter AlphaFold gehen dorthin, wo KI-Wissenschaft gerade zum Produkt wird.
Google DeepMind hat das Team hinter AlphaFold aufgelöst – jener KI, die dem Lab einen Nobelpreis eingebracht hat. Laut einem Bericht der Financial Times vom 29. Juli 2026 wurden die meisten Original-Autoren der AlphaFold-Papers im vergangenen Jahr intern auf andere Projekte verteilt, fast ein Viertel der Vollzeit-Autoren hat DeepMind ganz verlassen. Der prominenteste Abgang ist öffentlich bestätigt: Nobelpreisträger John Jumper kündigte am 19. Juni auf X seinen Wechsel zu Anthropic an – nach knapp neun Jahren bei DeepMind.
DeepMind bestätigte die internen Versetzungen. Die Forschenden arbeiten laut FT jetzt an Gemini-basierten Projekten, an Enzym-Design, Kernfusion und Genomik; weitere wechselten zu Isomorphic Labs, der 2021 ausgegründeten Wirkstoff-Tochter von Alphabet. Forschungs-VP Pushmeet Kohli, der bei DeepMind das AI-for-Science-Team leitet, begründet den Kurswechsel gegenüber der Zeitung so (übersetzt):
«Unsere Strategie der letzten neun Jahre war, uns auf Grand Challenges zu konzentrieren – ein konkretes Ziel, auf das jedes Projekt ausgerichtet ist. Die Strategie hat sich weiterentwickelt.»
Statt ein Team pro Problem zu bilden, baut das Lab nun Gemini-gestützte Systeme, die Forschende unterstützen und Teile des wissenschaftlichen Prozesses automatisieren sollen.
Der Weg dorthin war kurios: Anfang 2026 wechselten Jumper und sein Kollege laut FT zunächst in Googles internes Team «Code Strike», das den Rückstand beim KI-Programmieren gegenüber Anthropic und OpenAI aufholen sollte. Im Juni ging Jumper dann ganz – laut FT begleitet von Adler und dem AlphaFold-Forscher . Ein DeepMind-Mitarbeiter nannte die drei gegenüber der FT «instrumental, important, core members»; die Abgänge hätten intern für Überraschung gesorgt. CEO antwortete öffentlich auf Jumpers Post: Was man mit AlphaFold erreicht habe, «hat die Welt verändert».
Den Chemie-Nobelpreis 2024 teilten sich David Baker (eine Hälfte, für computergestütztes Protein-Design) sowie Hassabis und Jumper (gemeinsam die andere Hälfte, für Proteinstruktur-Vorhersage). AlphaFold hat die Struktur von über 200 Millionen Proteinen vorhergesagt – praktisch allen bekannten. Wichtig: Das Modell selbst wird nicht abgeschaltet, umgebaut wurde die Organisation dahinter. Wenn du in Pharma oder Biotech arbeitest, hängt daran mehr als Symbolik: Isomorphic Labs entwickelt seit Januar 2024 gemeinsam mit Novartis in Basel Wirkstoffe – 37,5 Millionen Dollar vorab, bis zu 1,2 Milliarden erfolgsabhängig.
Anthropic hat am 30. Juni Claude Science vorgestellt, eine Arbeitsumgebung für Forschende mit über 60 angebundenen wissenschaftlichen Datenbanken und Werkzeugen – genau das Feld, das AlphaFold aufgemacht hat. Welche Rolle Jumper dort übernimmt, ist offen – Anthropic hat dazu bislang nichts kommuniziert. Für Google ist es der zweite prominente Abgang binnen Tagen: Kurz vor Jumper war Gemini-Co-Lead Noam Shazeer zu OpenAI gewechselt.
Anthropics stärkstes Modell Claude Mythos hat eigenständig neue Angriffe auf zwei kryptografische Verfahren gefunden – darunter einen Post-Quantum-Kandidaten, den Experten zwei Jahre lang geprüft hatten. Produktive Systeme sind laut Anthropic nicht betroffen. Den Prüf-Benchmark baute Anthropic mit der ETH Zürich.