NewsKategorienWissenNewsletter-ArchivEvents
AnmeldenKostenlos abonnieren
JEDEN MONTAG
Die wichtigsten KI-News der Woche — in 5 Minuten.

Der wöchentliche KI-Newsletter für die Schweiz. Kompakt, relevant, zero Bullshit. 5 Minuten lesen, 1 Woche informiert.

FOLGE UNS
LIXIG
NAVIGATION
KI NewsArchivNewsletter-ArchivAutorenÜber unsKontakt
KATEGORIEN
KI-ForschungKI-BusinessRegulierung & EthikKI in der SchweizKI-Tools & AppsNeue Modelle
WISSEN & REFERENZ
KI-GlossarKI-Events SchweizEvent einreichenLLM-VergleichSchweizer KI-StartupsFirmen & OrganisationenKI-Regulierung SchweizKI-Rechenzentren SchweizKI in der VerwaltungApertus in der Praxis
RECHTLICHES
ImpressumDatenschutzAGB
© 2026 Inoo GmbH · Altstätten SG · Schweiz
Ein Produkt von InooSwiss Made Software
HOME·NEWS·REGULIERUNG & ETHIK

Brüssel stuft ChatGPT als Suchmaschine ein

Die EU-Kommission hat ChatGPT als sehr grosse Online-Suchmaschine unter dem Digital Services Act eingestuft – als ersten KI-Chatbot überhaupt. Ausschlaggebend waren rund 159 Millionen monatliche Nutzer in der EU. Der DSA gilt in der Schweiz nicht, doch Bern schreibt gerade an einem Gesetz mit auffällig ähnlicher Logik.

Pascal Eugster
Pascal Eugster
GRÜNDER & ENTWICKLER
1. SEPTEMBER 2026
4 MIN. LESEZEIT
Illustration eines Siegelstempels auf einem Amtsschreibtisch, kinewsletter.ch Stil
Illustration eines Siegelstempels auf einem Amtsschreibtisch, kinewsletter.ch Stil
INHALT
01Vom Chatbot zur Suchmaschine02159 Millionen – dreimal über der Schwelle03Jahresaudit statt Selbstverpflichtung04Sechs Prozent sind keine Drohkulisse05Bern arbeitet an der eigenen Version06Der Brüssel-Effekt erreicht dein ChatGPT
INHALT
01Vom Chatbot zur Suchmaschine02159 Millionen – dreimal über der Schwelle03Jahresaudit statt Selbstverpflichtung04Sechs Prozent sind keine Drohkulisse05Bern arbeitet an der eigenen Version06Der Brüssel-Effekt erreicht dein ChatGPT
Inoo GmbH
Präsentiert & entwickelt von
kinewsletter.ch ist ein Projekt der Inoo GmbH

KI-Beratung und Softwareentwicklung aus dem St. Galler Rheintal.

inoo.ch →
DAS WICHTIGSTE IN KÜRZE

Weil ChatGPT live im Web nachschlägt, behandelt Brüssel es rechtlich wie Google – und das Schweizer KomPG erfasst mit derselben Zehn-Prozent-Schwelle ebenfalls Suchmaschinen.

Die EU-Kommission hat ChatGPT am 31. August 2026 als «Very Large Online Search Engine» (VLOSE) unter dem Digital Services Act eingestuft – es ist die erste Einstufung eines KI-Chatbots als Suchmaschine überhaupt. Reddit und Roblox wurden gleichzeitig als «Very Large Online Platforms» (VLOP) designiert. Alle drei Dienste unterstehen damit dem strengsten Aufsichtsregime der EU für Online-Dienste, inklusive jährlicher Risikoprüfungen und Bussen von bis zu 6 Prozent des weltweiten Jahresumsatzes.

Vom Chatbot zur Suchmaschine

Der interessante Teil steckt in der Begründung. Die Kommission stuft ChatGPT nicht als Plattform ein, sondern als Suchmaschine – weil der Dienst Anfragen unter anderem dadurch beantwortet, dass er live im Web nachschlägt. Brüssel spricht von einem «hybriden Dienst»: ChatGPT chattet und sucht gleichzeitig, und die Suchfunktion reicht rechtlich aus, um in dieselbe Schublade wie Google Search zu fallen.

Reddit und Roblox landen dagegen bei den Plattformen, weil Nutzer dort öffentlich Inhalte erstellen und teilen. Das ist keine Spitzfindigkeit: VLOSE und VLOP haben unterschiedliche Pflichtenkataloge – und für einen KI-Chatbot ist die Suchmaschinen-Schublade Neuland.

159 Millionen – dreimal über der Schwelle

Ausschlaggebend war die Reichweite. Der DSA greift ab 45 Millionen monatlich aktiven Nutzern in der EU, das entspricht rund einem von zehn EU-Bürgern. OpenAI meldete für den Halbjahres-Zeitraum bis Ende März 2026 im Schnitt rund 159,1 Millionen monatlich aktive Nutzer allein für die ChatGPT-Suche – mehr als das Dreifache der Schwelle. Reddit kam auf 57,2 Millionen, Roblox auf rund 48 Millionen und damit knapp darüber. Mit den drei Neuzugängen stehen jetzt 28 Dienste unter der strengsten DSA-Stufe.

Jahresaudit statt Selbstverpflichtung

Die drei Anbieter haben vier Monate ab der Notifizierung Zeit, um die neuen Pflichten zu erfüllen. Kernstück ist eine jährliche systemische Risikobewertung: Sie müssen prüfen und dokumentieren, welche Risiken ihr Dienst für illegale Inhalte, den Schutz Minderjähriger, die mentale und körperliche Gesundheit der Nutzenden, die Grundrechte, Wahlprozesse und die öffentliche Sicherheit erzeugt – und was sie dagegen unternehmen. Dazu kommen unabhängige Audits sowie Datenzugang für Behörden und geprüfte Forschende.

Die Aufsicht teilt sich auf: Die Kommission überwacht die Einhaltung gemeinsam mit der irischen Behörde Coimisiún na Meán, die als Digital Services Coordinator für ChatGPT und Reddit zuständig ist, und mit der niederländischen Behörde für Verbraucher und Märkte (ACM) für Roblox.

«Diese neuen Einstufungen bedeuten, dass ChatGPT, Reddit und Roblox in der Europäischen Union nun an einem höheren Massstab an Kontrolle und Rechenschaft gemessen werden – im Einklang mit ihrem grossen Einfluss auf unsere Bürgerinnen und Bürger und unsere Gesellschaft.» — Henna Virkkunen, Exekutiv-Vizepräsidentin der EU-Kommission für Technologiesouveränität, Sicherheit und Demokratie (aus dem Englischen übersetzt)

Sechs Prozent sind keine Drohkulisse

Wer die Pflichten verletzt, riskiert Bussen von bis zu 6 Prozent des weltweiten Jahresumsatzes. Dass Brüssel davon Gebrauch macht, hat der Sommer gezeigt: Am 20. Juli 2026 büsste die Kommission AliExpress mit 550 Millionen Euro, weil der Marktplatz Risiken durch den Verkauf illegaler Produkte nicht ausreichend eingedämmt hatte – die bis dahin höchste DSA-Busse überhaupt.

Bern arbeitet an der eigenen Version

Für die Schweiz gilt der DSA nicht, wir sind kein EU-Mitglied. Der Bundesrat schreibt aber gerade an einem eigenen Regelwerk: Am 29. Oktober 2025 schickte er den Vorentwurf des Bundesgesetzes über Kommunikationsplattformen und Suchmaschinen (KomPG) in die Vernehmlassung, die bis zum 16. Februar 2026 lief.

Die Parallelen sind auffällig. Auch das KomPG richtet sich ausdrücklich an «sehr grosse» Dienste – und zwar an Kommunikationsplattformen und Suchmaschinen. Als sehr gross gilt laut BAKOM, wer im Monatsdurchschnitt von zehn Prozent der ständigen Schweizer Wohnbevölkerung genutzt wird, aktuell rund 900'000 Nutzende. Das ist dieselbe Zehn-Prozent-Logik, die hinter der EU-Schwelle von 45 Millionen steckt. Vorgesehen sind unter anderem ein einfaches Meldeverfahren für mutmasslich rechtswidrige Inhalte, Begründungspflichten bei Löschungen und Kontosperren, Transparenz bei Werbung und Empfehlungssystemen, ein öffentliches Werbearchiv, Datenzugang für die Forschung – und eine Rechtsvertretung in der Schweiz für Anbieter ohne Sitz im Land.

Ob ein KI-Chatbot unter die Schweizer Suchmaschinen-Definition fiele, beantwortet der Vorentwurf nicht. Die Brüsseler Einstufung liefert dafür jetzt eine Blaupause.

Der Brüssel-Effekt erreicht dein ChatGPT

Einordnung: Der DSA endet zwar an der Grenze, seine Wirkung tut das selten. Wenn OpenAI für 159 Millionen EU-Nutzende Melde-Wege, Transparenzhinweise und Jugendschutz-Voreinstellungen umbaut, ist ein separat gepflegtes Schweizer Produkt teuer und unpraktisch. Für dich heisst das: Änderungen, die Brüssel erzwingt, wirst du in ChatGPT sehr wahrscheinlich sehen, ohne dass in Bern je etwas beschlossen wurde. Was dir bis zum KomPG fehlt, sind die einklagbaren Rechte dahinter – etwa ein geregeltes Beschwerdeverfahren, wenn dein Konto gesperrt wird.

Für Schweizer Unternehmen mit Kundschaft im EU-Raum ist der Punkt handfester: Wer ChatGPT-Funktionen in EU-Märkten einsetzt, baut ab sofort auf einem Dienst auf, der dort unter direkter Aufsicht der Kommission steht – mit allem, was an Auditpflichten und möglichen Produktanpassungen daran hängt.

Quellen

Commission designates ChatGPT, Reddit and Roblox under the Digital Services Act (Europäische Kommission)↗ EXTERNER LINKEU places ChatGPT, Reddit and Roblox under strictest digital safety rules (Euronews Next)↗ EXTERNER LINKEU heightens digital safety rules for ChatGPT, Roblox, Reddit (UPI)↗ EXTERNER LINKDigital Services Act: Schärfere EU-Auflagen für ChatGPT, Reddit und Roblox (Golem)↗ EXTERNER LINKChatGPT, Reddit, Roblox face EU's strictest platforms regime (Politico Europe)↗ EXTERNER LINKCommission fines AliExpress €550 million for breaching the Digital Services Act↗ EXTERNER LINKNeues Gesetz über Kommunikationsplattformen und Suchmaschinen: Start der Vernehmlassung (BAKOM)↗ EXTERNER LINK
FIRMEN IN DIESEM ARTIKEL
OpenAIGoogle
TEILEN
LinkedIn→X / Twitter→E-Mail→
KOSTENLOS ABONNIEREN
Diese News jeden Montag in dein Postfach?

WEITERLESENDas könnte dich auch interessieren.

Handgezeichnete Skizze eines Schreibtischs mit aufgeschlagenem Buch, Aktenstapel mit geschwärzten Stellen und einer leuchtend blauen Lupe
Handgezeichnete Skizze eines Schreibtischs mit aufgeschlagenem Buch, Aktenstapel mit geschwärzten Stellen und einer leuchtend blauen Lupe
REGULIERUNG & ETHIK·16. OKTOBER 2026

Anthropic gibt METR Zugang wie ein Mitarbeiter

Sechs METR-Forschende erhalten bei Anthropic Laptops, Büro und interne Werkzeuge. Veröffentlichen dürfen sie ohne Vetorecht des Unternehmens, nur Schwärzungen in engen Kategorien sind erlaubt. Die Regeln setzt Anthropic selbst.

Handgezeichnete Skizze einer Puppenbühne mit halb geöffnetem blauem Vorhang, schlaff hängender Marionette und Richterhammer auf einem Tischchen
Handgezeichnete Skizze einer Puppenbühne mit halb geöffnetem blauem Vorhang, schlaff hängender Marionette und Richterhammer auf einem Tischchen
REGULIERUNG & ETHIK·14. OKTOBER 2026

Character.AI meldet Insolvenz an – Disney bietet 20 Millionen

Die Chatbot-Plattform Character.AI hat Chapter 11 beantragt und soll bis Ende November oder Anfang Dezember verkauft werden. Disney bietet 20 Millionen Dollar für eine Lizenz.

Handgezeichnete Skizze einer Zugwand mit blau gerahmter Notbremse hinter Glas, Hammer an einer Kette und vier Wandschaltern
Handgezeichnete Skizze einer Zugwand mit blau gerahmter Notbremse hinter Glas, Hammer an einer Kette und vier Wandschaltern
REGULIERUNG & ETHIK·11. OKTOBER 2026

Nadella fordert eine Notbremse für KI-Modelle

Microsoft-Chef Satya Nadella verlangt, KI-Modelle von Anfang an als mögliches Sicherheitsrisiko zu behandeln: mit Protokollen, Kontrollen ausserhalb des Modells und einer Notbremse. Wir ordnen ein, was das für Firmen mit KI-Agenten heisst.

Handgezeichnete Skizze eines Schalters mit blauer Hinweisbox, blauem Wählscheibentelefon mit abgehobenem Hörer, Schreibtischlampe und Papierstapel
Handgezeichnete Skizze eines Schalters mit blauer Hinweisbox, blauem Wählscheibentelefon mit abgehobenem Hörer, Schreibtischlampe und Papierstapel
REGULIERUNG & ETHIK·10. OKTOBER 2026

Anthropic-Modell meldet der Polizei einen erfundenen Mordhinweis

Ein Testlauf mit Claude Haiku 4.5 reichte im Juli einen falschen Hinweis zu einem ungelösten Mordfall bei der Polizei von Philadelphia ein. Anthropic schaltet das Internet für interne Tests ab, das Weisse Haus verlangt Meldungen. Wir ordnen ein, was das für Firmen mit KI-Agenten heisst.

Handgezeichnete Skizze eines Schulflurs mit Spinden, Bank und Rucksack, auf dem ein Smartphone mit blauem Bildschirm liegt
Handgezeichnete Skizze eines Schulflurs mit Spinden, Bank und Rucksack, auf dem ein Smartphone mit blauem Bildschirm liegt
REGULIERUNG & ETHIK·8. OKTOBER 2026

«Unannehmbares Risiko»: Studie zu ChatGPT for Teens

Common Sense Media stuft ChatGPT for Teens als unannehmbares Risiko ein: Elternalarme blieben aus, Krisenverweise fehlten oft, der Lernmodus liess sich umgehen. OpenAI bestreitet die Methodik. Wir ordnen ein, was das für Familien in der Schweiz heisst.

Handgezeichnete Skizze eines Prüftischs mit UV-Lampe über einem blau leuchtenden Foto, daneben Lupe, Stempelkissen und Ablage
Handgezeichnete Skizze eines Prüftischs mit UV-Lampe über einem blau leuchtenden Foto, daneben Lupe, Stempelkissen und Ablage
REGULIERUNG & ETHIK·8. OKTOBER 2026

Googles KI-Detektor ist jetzt für alle offen

Google öffnet den SynthID Detector für alle: Auf synthid.com lassen sich Bilder, Videos und Audio auf das SynthID-Wasserzeichen prüfen. Es erkennt nur Wasserzeichen von Google und Partnern, ein negatives Ergebnis beweist nichts. Wir ordnen ein, was das für die Schweiz heisst.

Mehr aus Regulierung & Ethik →