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«Wir können keine Daten trinken» – Indien klagt gegen Google

Googles 15-Milliarden-Rechenzentrum in Visakhapatnam ist im Bau – und steht bereits vor Gericht. Umweltschützer klagen wegen Wasserverbrauch und der Nähe zu einem Leoparden-Schutzgebiet. Der Widerstand gegen KI-Rechenzentren ist global geworden.

Pascal Eugster
Pascal Eugster
GRÜNDER & ENTWICKLER
7. AUGUST 2026
3 MIN. LESEZEIT
Illustration einer elektroblauen Handwasserpumpe neben einem umgekippten Eimer vor einem abgetragenen Terrassenhang, kinewsletter.ch Stil
Illustration einer elektroblauen Handwasserpumpe neben einem umgekippten Eimer vor einem abgetragenen Terrassenhang, kinewsletter.ch Stil
INHALT
01410 gegen 480 Millionen Liter02Neun Tage bis zur Umweltfreigabe03860 Meter bis zum Leopardenrevier04Von Texas nach Visakhapatnam
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01410 gegen 480 Millionen Liter02Neun Tage bis zur Umweltfreigabe03860 Meter bis zum Leopardenrevier04Von Texas nach Visakhapatnam
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DAS WICHTIGSTE IN KÜRZE

Der Rechenzentrums-Widerstand ist keine US-Eigenheit mehr. In Indien wird nicht über Moratorien gestritten, sondern darüber, ob die Bewilligung überhaupt rechtmässig war – und das trifft Googles grösste Indien-Investition.

Googles grösste Investition in Indien steht vor Gericht, bevor der erste Server läuft. In Visakhapatnam im Bundesstaat Andhra Pradesh baut Google zusammen mit der Gruppe des Milliardärs Gautam Adani einen KI-Rechenzentrums-Campus für 15 Milliarden US-Dollar – und mittlerweile wehren sich Umweltschützer, Bürgerrechtsgruppen und Anwohner in vier Gerichtsverfahren dagegen. Auf ihren Bannern steht: «We cannot drink DATA.» Wie Reuters am 6. August berichtete, malten Demonstrierende Handschellen auf das Google-Logo.

410 gegen 480 Millionen Liter

Der Streit dreht sich um Wasser. Nach Angaben der Regierung erhält die Stadt mit ihren 2,5 Millionen Einwohnern täglich 410 Millionen Liter aus Stauseen und Flüssen – bei einem Bedarf von 480 Millionen. Rationierung ist Alltag. In diese Lücke soll nun ein Rechenzentrums-Campus gebaut werden, dem der Bundesstaat laut der Umweltorganisation Green Visakha eine 20-Jahre-Garantie auf die Wasserversorgung zugesagt hat.

«Entwicklung darf nicht auf Kosten der Lebensgrundlage der Menschen gehen», sagte Raja Rama Mohan Roy, Gründer der Organisation Green Visakha, an einer Protestveranstaltung. Und: «Wer wird darunter leiden? Die Menschen.»

Google hält dagegen: Man setze «advanced air cooling» ein – also Luftkühlung statt Wasserkühlung –, um «lebenswichtige lokale Wasserressourcen zu schützen». Der Bundesstaat nennt die Vorwürfe «falsch und irreführend», zeigt sich aber gesprächsbereit: Wasser aus der ländlichen oder häuslichen Versorgung werde nicht angezapft.

Neun Tage bis zur Umweltfreigabe

Der heiklere Punkt ist das Verfahren. Wie das indische Medium The News Minute recherchierte, beantragten zwei Projektgesellschaften am 9. April die Umweltfreigabe – erteilt wurde sie am 18. April, zehn Tage vor der Grundsteinlegung. Möglich war das, weil das Projekt in die Kategorie B2 eingestuft wurde: Damit braucht es weder eine Umweltverträglichkeitsprüfung noch eine öffentliche Anhörung. Genau das greift das Human Rights Forum an: Es fordert die strengere Kategorie A und hat drei Verfahren am indischen Umweltgericht eingereicht.

860 Meter bis zum Leopardenrevier

Dazu kommt eine Klage im öffentlichen Interesse vor dem Andhra Pradesh High Court. Laut der Klageschrift liegt das Kambalakonda Wildlife Sanctuary – Heimat von Leoparden und Schuppentieren – nur rund 860 Meter vom Baugelände entfernt; der Bundesstaat hält dagegen, der Abstand sei grösser als gesetzlich verlangt. Laut Deccan Chronicle zog Chief Justice Lisa Gill die Anhörung auf den 24. August vor – ursprünglich war der 2. September angesetzt. Google verspricht Schallschutz, um «ein leiser, unaufdringlicher Nachbar» zu sein.

Von Texas nach Visakhapatnam

Für dich als Leser ist weniger der Einzelfall interessant als das Muster. Erst stoppte New York als erster US-Bundesstaat neue KI-Rechenzentren, dann ordnete Texas ein Voll-Audit an, und am 18. Juli fanden laut Reuters 142 Proteste in 42 US-Bundesstaaten statt – die erste landesweite Demo gegen den Rechenzentrums-Boom. Indien zeigt jetzt: Der Konflikt ist global, und er verschiebt sich vom Politischen ins Juristische. Wackelig ist dabei ausgerechnet das stärkste Argument der Befürworter. Die Jobzahlen gehen weit auseinander: Behörden nennen bis zu 188'000 Arbeitsplätze, eine Erhebung zu Vizags Rechenzentrums-Projekten kommt auf rund 51'800, und der indische Unionsminister Pemmasani Chandrasekhar sprach von 20'000 bis 30'000.

Quellen

Reuters (via BusinessWorld): Google's $15 billion India data center project battles water, wildlife concerns↗ EXTERNER LINKReuters (via The Star): Google's $15 billion India data centre project battles water, wildlife concerns↗ EXTERNER LINKDeccan Chronicle: High Court advances hearing over data centres near Kambalakonda sanctuary↗ EXTERNER LINKThe News Minute: HRF challenges legality of Adani-Google Vizag data centre↗ EXTERNER LINKThe News Minute: State govt rushed environmental clearance, activists allege↗ EXTERNER LINKGoogle: Our first AI hub in India, powered by a $15 billion investment (Primärquelle)↗ EXTERNER LINKGoogle Cloud Press Corner: Google announces first AI hub in India↗ EXTERNER LINKAdani Group: Adani and Google partner to build India's largest data centre campus in Visakhapatnam↗ EXTERNER LINKThe Hans India: Vizag data centre boom to create over 51'800 jobs↗ EXTERNER LINKIBEF: Unionsminister Pemmasani Chandrasekhar zu Investition und Arbeitsplätzen↗ EXTERNER LINKUS data center protests go national as backlash grows (142 Proteste in 42 Bundesstaaten)↗ EXTERNER LINK
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