Am 1. Oktober startet Google mit dem Testsatelliten MVP den ersten realen Hardwaretest für Project Suncatcher: vier TPUs im All statt nur eine Vision auf Papier. Kritiker wie Gartner-Analyst Bill Ray und Jeff Bezos bleiben skeptisch.
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Aus Googles seit November 2025 bekannter Weltraum-Rechenzentrums-Vision wird am 1. Oktober 2026 mit einem echten Testsatelliten erstmals Realität.
Am 1. Oktober 2026 schiesst SpaceX mit der Mission Transporter-18 einen kühlschrankgrossen Testsatelliten namens MVP ins All – an Bord vier Google-TPUs der Trillium-Generation, dieselben Chips wie in irdischen Rechenzentren. Es ist der erste reale Hardwaretest für Project Suncatcher, Googles Vision von Rechenzentren im Orbit. Aus einer im November 2025 vorgestellten Idee wird damit ein konkreter Starttermin mit echtem Satelliten – das ist der Nachrichtenwert.
Project Suncatcher ist nicht neu – Google stellte es bereits am 4. November 2025 samt Forschungspapier vor. Neu sind Zeitplan und Hardware: Gebaut wurde MVP nicht von Google, sondern vom Erdbeobachtungsunternehmen Planet Labs. Getestet werden unter anderem Gemini-Modelle, das eigentliche Ziel ist simpler: überstehen die Chips Startvibrationen, Strahlung und Temperaturschwankungen im All? MVP bleibt dafür nur wenige Monate im Einsatz. Zur Umlaufbahn nennt Google bislang nur "Low Earth Orbit" – Bahndaten und Kosten der Mission sind unbestätigt.
Die Solarpanels liefern rund 1 Kilowatt – laut Ars Technica "genug für eine Mikrowelle". Weil der Satellit passiv über Wärmerohre und Radiatoren kühlt, rechnen die TPUs wegen Wärmestaus jeweils nur rund 15 Minuten am Stück, dann folgt eine Abkühlpause. Im Labor hielten Trillium-v6e-TPUs zudem einer Strahlendosis von 2 Kilorad stand – fast das Dreifache der für eine Fünfjahresmission erwarteten Belastung von 750 Rad. Ab dieser Dosis zeigte der Arbeitsspeicher (HBM) allerdings erste Fehler.
Die Vision aus dem Forschungspapier (arXiv 2511.19468) bleibt unverändert: eine Konstellation aus 81 Satelliten auf rund 650 Kilometer Höhe, mit Abständen von 100 bis 200 Metern, per Laser verbunden. Google-Manager Travis Beals rechnet selbst vor, dass es rund 10'000 Satelliten bräuchte, um ein einziges 1-Gigawatt-Rechenzentrum auf der Erde zu ersetzen. Entscheidend sind die Startkosten: Sie müssten laut Google bis Mitte der 2030er von aktuell 1'500 bis 2'900 Dollar auf unter 200 Dollar pro Kilogramm fallen. Nächster Meilenstein: zwei Prototyp-Satelliten mit Laserverbindung, Anfang 2027 – laut Ars Technica unverändert.
Nicht alle sind überzeugt. Gartner-Analyst Bill Ray bezeichnete Weltraum-Rechenzentren im Februar 2026 als "Höhepunkt des Wahnsinns" ("peak insanity"): Sie würden auf absehbare Zeit keine Daten für irdische Anwendungen verarbeiten, Spezialkomponenten wie Solarpanels kosteten im All rund das Tausendfache ihrer irdischen Pendants. Amazon-Gründer Jeff Bezos schätzt sogar bis zu 20 Jahre, bis orbitale Rechenzentren günstiger werden als solche auf der Erde – deutlich skeptischer als Googles eigener Zeitplan. Dazu kommt Weltraumschrott: Die geplante Formation mit Abständen unter 200 Metern bei rund 28'000 km/h gilt als Dauerherausforderung, ein Trümmereinschlag könnte eine Kollisionskaskade auslösen. Die US Space Force verfolgt bereits über 40'000 Objekte im Orbit.
Eine Schweizer Beteiligung an Suncatcher ist nicht bekannt. Für dich bleibt das Thema trotzdem ein Aufhänger: Laut Bundesamt für Energie verbrauchten hiesige Rechenzentren 2024 rund 2,1 Terawattstunden Strom – 3,6 Prozent des gesamtschweizerischen Verbrauchs, 20 Prozent mehr als 2019. Bis 2030 werden 2,5 bis 3,5 Terawattstunden erwartet, belastbare Zahlen zu KI-Rechenzentren speziell fehlen laut der Studie noch. Ob Suncatcher daran je etwas ändert, ist angesichts der Kritik von Gartner und Bezos alles andere als ausgemacht.
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