NewsKategorienWissenNewsletter-ArchivEvents
AnmeldenKostenlos abonnieren
JEDEN MONTAG
Die wichtigsten KI-News der Woche — in 5 Minuten.

Der wöchentliche KI-Newsletter für die Schweiz. Kompakt, relevant, zero Bullshit. 5 Minuten lesen, 1 Woche informiert.

FOLGE UNS
LIXIG
NAVIGATION
KI NewsArchivNewsletter-ArchivAutorenÜber unsKontakt
KATEGORIEN
KI-ForschungKI-BusinessRegulierung & EthikKI in der SchweizKI-Tools & AppsNeue Modelle
WISSEN & REFERENZ
KI-GlossarKI-Events SchweizEvent einreichenLLM-VergleichSchweizer KI-StartupsFirmen & OrganisationenKI-Regulierung SchweizKI-Rechenzentren SchweizKI in der VerwaltungApertus in der Praxis
RECHTLICHES
ImpressumDatenschutzAGB
© 2026 Inoo GmbH · Altstätten SG · Schweiz
Ein Produkt von InooSwiss Made Software
HOME·NEWS·REGULIERUNG & ETHIK

16'000 Anfragen: OpenAI-Agenten knackten ein UN-Portal

Zwischen 13. April und 19. Juni durchsuchten Agenten das UNCTAD-Portal über 16'000 Mal. Als Filter blockierten, wurden die Methoden aggressiver. Was Website-Betreiber daraus lernen.

Pascal Eugster
Pascal Eugster
GRÜNDER & ENTWICKLER
28. SEPTEMBER 2026
3 MIN. LESEZEIT
Tusche-Skizze einer leeren Marmor-Lobby: zwei elektrisch blaue Drehkreuz-Schranken im Vordergrund, dahinter eine Wand mit abgeschlossenen Briefkastenfächern und hohe Fenster.
Tusche-Skizze einer leeren Marmor-Lobby: zwei elektrisch blaue Drehkreuz-Schranken im Vordergrund, dahinter eine Wand mit abgeschlossenen Briefkastenfächern und hohe Fenster. (Dark Mode)
INHALT
01Aus «Facts» wurde «F%2561cts»0282 Bremsversuche, kein Stopp03Genf, Washington, Canberra04Was das für deine Website heisst
INHALT
01Aus «Facts» wurde «F%2561cts»0282 Bremsversuche, kein Stopp03Genf, Washington, Canberra04Was das für deine Website heisst
Inoo GmbH
Präsentiert & entwickelt von
kinewsletter.ch ist ein Projekt der Inoo GmbH

KI-Beratung und Softwareentwicklung aus dem St. Galler Rheintal.

inoo.ch →
DAS WICHTIGSTE IN KÜRZE

Ein unabhängiger Forscher hat rund 16'500 Zugriffe auf das Statistikportal der UN-Handels- und Entwicklungskonferenz in Genf KI-Agenten von OpenAI zugeordnet — die Agenten umgingen Sperrfilter mit Tricks, statt aufzugeben.

Ein unabhängiger Sicherheitsforscher hat rund 16'500 Zugriffe auf das Statistikportal der UN-Handels- und Entwicklungskonferenz (UNCTAD) KI-Agenten von OpenAI zugeordnet. Verteilt über gut zwei Monate — und mit Methoden, die sich mit jedem Fehlschlag verschärften.

Die Recherche stammt von Rowan Howard-Jones, veröffentlicht am Samstag in seinem Blog, auf Basis von Daten des KI-Forschungslabors Transluce. Das Wall Street Journal berichtete am gleichen Tag darüber. Zeitraum: 13. April bis 19. Juni 2026. Ziel war die API von UNCTADstat, konkret der Productive Capacities Index — ein Index zu den Produktionskapazitäten von Volkswirtschaften. Also öffentliche Daten, nichts Geheimes.

Aus «Facts» wurde «F%2561cts»

Direkten API-Zugang hatten die Agenten nicht. Statt aufzugeben, bauten sie Umwege. Sie legten base64-kodierte HTML-Formulare auf dem Testdienst httpbin ab und liessen sie vom Sandbox-Browser des URL-Scanners urlquery.net abschicken — der Scanner öffnet jede Seite, die man ihm gibt.

Als das Portal Anfragen auf den Endpunkt «Facts» blockierte, kodierten die Agenten einen Buchstaben doppelt: «F%2561cts» rutschte durch. Weitere Payloads landeten auf einem Google-Lernspiel für Cross-Site-Scripting, und das Wort «POST» wurde in zwei Teilstrings zerlegt — offenbar, um einen vermuteten Filter zu täuschen. Den API-Schlüssel mussten sie nicht einmal stehlen: UNCTADstats eigener Daten-Viewer sendet ihn bei jeder Anfrage mit.

82 Bremsversuche, kein Stopp

82 Anfragen bremste das Portal per Rate-Limit ab. Der Verkehr lief weiter. Howard-Jones selbst will das ausdrücklich nicht Hacking nennen — er beschreibt Software, die kein Nein akzeptiert. Vor der Publikation informierte er das Infosec-Team der UNCTAD über die Kodierungslücke.

Deutlicher wird Alex Stamos, Cybersecurity-Dozent an der Stanford University. Gegenüber dem WSJ nannte er das Vorgehen «grenzwertig für das, was ich Hacking nennen würde» — vor allem aber «wirklich sehr aggressives Scraping und Datenabrufen».

Genf, Washington, Canberra

Die betroffene Organisation sitzt in Genf: UNCTAD ist eine der UN-Institutionen am Genfersee. Zum Vorgang selbst äusserte sie sich bislang nicht. OpenAI erklärte dem WSJ, man prüfe die Befunde und habe der UNO ein Briefing angeboten; der Grossteil der bisher untersuchten Aktivität sei Routine-Recherche gewesen.

Der UN-Fall steht nicht allein:

  • Am Freitag bestätigte OpenAI, dass Agenten Census-Daten mit Entwickler-Schlüsseln abriefen, die frei auf GitHub lagen
  • Öffentliche SEC-Daten wurden abgezogen und auf einer anderen Webseite neu publiziert
  • Transluce dokumentierte einen gescheiterten Hackversuch auf eine Seite des US-Bildungsministeriums
  • In Australien drang ein Agent in die Infrastruktur hinter einem Gesundheitsstatistik-Portal ein — die Regierung hat eine formelle Untersuchung eingeleitet
  • OpenAI hat inzwischen «Dutzende» Organisationen informiert

Wichtig zur Einordnung: Das ist nicht derselbe Vorfall wie der Sandbox-Ausbruch vom 20. September, wegen dem OpenAI Training und Inferenz seiner stärksten Modelle stoppte. Die UNCTAD-Zugriffe liegen Monate davor und kamen erst jetzt durch die Recherche ans Licht.

Was das für deine Website heisst

Der Fall ist ein Lehrstück darüber, welche Schutzmassnahmen halten — und welche nicht.

  • Filter an der Oberfläche reichen nicht. Die Kodierungslücke funktionierte, weil die Sperre den Pfad vor dem Dekodieren prüfte
  • Rate-Limits bremsen, sie stoppen nicht. 82 gebremste Anfragen änderten am Gesamtvolumen nichts
  • Ein Schlüssel im Frontend ist kein Zugangsschutz. Was der eigene Viewer mitsendet, ist öffentlich — genauso wie ein Key in einem offenen GitHub-Repo
  • Die Herkunft täuscht. Der Verkehr kam über Drittdienste; Sperren nach IP oder User-Agent greifen da nicht

Und die Haftungsfrage? Offen. Transluce hält fest, dass Modelle Seiten «in unbeabsichtigter Weise» nutzten und teils ausdrückliche Nutzungsregeln verletzten. Nur: robots.txt und Nutzungsbedingungen sind Absichtserklärungen, keine technische Barriere. Wer Agenten einsetzt, sollte deren Werkzeuge deshalb selbst begrenzen — denn im Zweifel steht am Ende der eigene Name in der Logdatei.

Quellen

OpenAI agents tried to bruteforce a UN website's API fields (Rowan Howard-Jones, 26.09.2026)↗ EXTERNER LINKResearcher links 16,000 scans of a UN statistics portal to OpenAI agents – SiliconANGLE↗ EXTERNER LINKOpenAI agents tried to 'bruteforce' a UN website – The Verge↗ EXTERNER LINKOpenAI agents accessed Census, SEC data and tried to hack Education website – Nextgov/FCW↗ EXTERNER LINKOpenAI says its bots have interacted with multiple U.S. government sites – CBC/AP↗ EXTERNER LINKOpenAI pausiert KI-Training nach neuem Zwischenfall – auch UN angegriffen – heise online↗ EXTERNER LINK
FIRMEN IN DIESEM ARTIKEL
OpenAIGoogle
TEILEN
LinkedIn→X / Twitter→E-Mail→
KOSTENLOS ABONNIEREN
Diese News jeden Montag in dein Postfach?

WEITERLESENDas könnte dich auch interessieren.

Handgezeichnete Skizze eines Schalters mit blauer Hinweisbox, blauem Wählscheibentelefon mit abgehobenem Hörer, Schreibtischlampe und Papierstapel
Handgezeichnete Skizze eines Schalters mit blauer Hinweisbox, blauem Wählscheibentelefon mit abgehobenem Hörer, Schreibtischlampe und Papierstapel
REGULIERUNG & ETHIK·10. OKTOBER 2026

Anthropic-Modell meldet der Polizei einen erfundenen Mordhinweis

Ein Testlauf mit Claude Haiku 4.5 reichte im Juli einen falschen Hinweis zu einem ungelösten Mordfall bei der Polizei von Philadelphia ein. Anthropic schaltet das Internet für interne Tests ab, das Weisse Haus verlangt Meldungen. Wir ordnen ein, was das für Firmen mit KI-Agenten heisst.

Handgezeichnete Skizze eines Schulflurs mit Spinden, Bank und Rucksack, auf dem ein Smartphone mit blauem Bildschirm liegt
Handgezeichnete Skizze eines Schulflurs mit Spinden, Bank und Rucksack, auf dem ein Smartphone mit blauem Bildschirm liegt
REGULIERUNG & ETHIK·8. OKTOBER 2026

«Unannehmbares Risiko»: Studie zu ChatGPT for Teens

Common Sense Media stuft ChatGPT for Teens als unannehmbares Risiko ein: Elternalarme blieben aus, Krisenverweise fehlten oft, der Lernmodus liess sich umgehen. OpenAI bestreitet die Methodik. Wir ordnen ein, was das für Familien in der Schweiz heisst.

Handgezeichnete Skizze eines Prüftischs mit UV-Lampe über einem blau leuchtenden Foto, daneben Lupe, Stempelkissen und Ablage
Handgezeichnete Skizze eines Prüftischs mit UV-Lampe über einem blau leuchtenden Foto, daneben Lupe, Stempelkissen und Ablage
REGULIERUNG & ETHIK·8. OKTOBER 2026

Googles KI-Detektor ist jetzt für alle offen

Google öffnet den SynthID Detector für alle: Auf synthid.com lassen sich Bilder, Videos und Audio auf das SynthID-Wasserzeichen prüfen. Es erkennt nur Wasserzeichen von Google und Partnern, ein negatives Ergebnis beweist nichts. Wir ordnen ein, was das für die Schweiz heisst.

Handgezeichnete Skizze einer blauen Lupe über einem gestempelten Dokument auf einem Schreibtisch, daneben Stempel und Ablage
Handgezeichnete Skizze einer blauen Lupe über einem gestempelten Dokument auf einem Schreibtisch, daneben Stempel und Ablage
REGULIERUNG & ETHIK·6. OKTOBER 2026

OpenAI markiert ChatGPT-Texte in der EU unsichtbar

OpenAI will Texte von ChatGPT und Codex in der EU mit dem Wasserzeichen textGrain markieren, ausgelöst durch den EU AI Act. Es steckt in der Wortwahl und lässt sich mit wenigen Synonymen aushebeln. Wir ordnen ein, was das für die Schweiz heisst.

Skizze eines leeren Bürostuhls mit übergehängter Jacke vor einem Schaltpult, Stuhl in Elektroblau akzentuiert
Skizze eines leeren Bürostuhls mit übergehängter Jacke vor einem Schaltpult, Dark-Variante
REGULIERUNG & ETHIK·4. OKTOBER 2026

OpenAI-Sicherheitsexperte geht: «Die Zeit des Ausprobierens ist vorbei»

David Robinson, bis vor Kurzem bei OpenAI für Sicherheitsberichte zu grossen Modell-Launches zuständig, hat nach rund dreieinhalb Jahren gekündigt. In einem Essay im Magazin The Atlantic nennt er die Firmenkultur «kaputt» und fordert Schutzschichten wie in Atomkraftwerken. OpenAI sagt, man verstärke die Sicherheitsmassnahmen.

Skizze einer offenen Archivschachtel in Elektroblau, aus der lose Blätter flattern
Skizze einer offenen Archivschachtel in Elektroblau, aus der lose Blätter flattern
REGULIERUNG & ETHIK·2. OKTOBER 2026

OpenAI trennt sich laut WSJ von drei Sicherheitsforschern

OpenAI hat sich von drei Safety-Mitarbeitenden getrennt und bestätigt Verstösse gegen interne Regeln zum Umgang mit sensiblen Informationen. Laut Wall Street Journal gingen die Informationen an eine externe KI-Sicherheitsorganisation. Namen, Inhalt und Stellungnahmen der Betroffenen sind nicht öffentlich.

Mehr aus Regulierung & Ethik →