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OpenAI patcht Codex, nachdem es echte Nutzerdateien löschte

OpenAI hat für seinen Coding-Agenten Codex mehrere Schutzmassnahmen ausgeliefert, nachdem das Modell GPT-5.6 Sol in einzelnen Fällen echte Nutzerdateien gelöscht hatte. Ein Aufräum-Befehl, der nur temporäre Ordner treffen sollte, zeigte stattdessen auf das echte Home-Verzeichnis. Codex prüft Löschziele jetzt vorab, und der Full-Access-Modus lässt sich nicht mehr aus Versehen aktivieren.

Pascal Eugster
Pascal Eugster
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21. AUGUST 2026
3 MIN. LESEZEIT
Illustration eines blauen Aktenvernichters vor einem Aktenschrank mit offenen Schubladen und verstreuten Mappen, kinewsletter.ch Stil
Illustration eines blauen Aktenvernichters vor einem Aktenschrank mit offenen Schubladen und verstreuten Mappen, kinewsletter.ch Stil (Dark Mode)
INHALT
01Ein Aufräum-Befehl mit falschem Ziel02OpenAI hatte es selbst gemessen03Was Codex jetzt anders macht04Vier Handgriffe, die dich absichern
INHALT
01Ein Aufräum-Befehl mit falschem Ziel02OpenAI hatte es selbst gemessen03Was Codex jetzt anders macht04Vier Handgriffe, die dich absichern
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Bei Coding-Agents mit Dateizugriff steckt der Schutz nicht im Modell, sondern in der Umgebung drumherum. Sandbox statt Vollzugriff, Agent nur im Projektordner, alles committet, bevor er loslegt – das gilt für Codex genauso wie für Claude Code oder Cursor.

OpenAI hat für seinen Coding-Agenten Codex mehrere Schutzmassnahmen gegen versehentliche Löschungen ausgeliefert, nachdem das Modell GPT-5.6 Sol eigenständig echte Nutzerdateien entfernt hatte. Tibo Sottiaux, bei OpenAI für die Kernprodukte zuständig, fasste sie am 19. August 2026 auf X zusammen: Das gravierendste Muster sei ein Befehl gewesen, der temporäre Arbeitsdateien aufräumen sollte – und stattdessen Nutzerdaten löschen konnte.

Ein Aufräum-Befehl mit falschem Ziel

Der Mechanismus ist unspektakulär und genau deshalb heikel. Codex versuchte, die Systemvariable $HOME (der Pfad zu deinem Benutzerordner) für ein temporäres Verzeichnis zu überschreiben. Ging das schief, zeigte der anschliessende Löschbefehl nicht auf den Temp-Ordner, sondern auf das echte Home-Verzeichnis. Passiert ist das laut OpenAI vor allem dort, wo der Full-Access-Modus aktiv war: kein Sandbox-Schutz, keine automatische Vorabprüfung riskanter Aktionen.

OpenAI hatte es selbst gemessen

Überraschend kam das nicht. Im Sicherheitsbericht zu GPT-5.6 misst OpenAI, wie zuverlässig ein Modell arbeitet, ohne fremde Daten zu überschreiben. GPT-5.6 Sol erreicht dort 0,83 – der Vorgänger GPT-5.5 lag mit 0,88 höher. Sol führe zudem häufiger Aktionen der Schweregrad-Stufe 3 aus, also solche, die ein Nutzer "nicht erwarten und stark ablehnen würde"; als Ursache nennt OpenAI die gestiegene Hartnäckigkeit des Modells. Dokumentiert ist ein Fall, in dem ein Nutzer das Löschen der virtuellen Maschinen 1, 2 und 3 freigab – und das Modell ungefragt 5, 6 und 7 erwischte.

Was Codex jetzt anders macht

Die Nachbesserungen setzen auf zwei Ebenen an. Das Modell soll Löschziele vor der Ausführung prüfen, frische temporäre Ordner anlegen, System-Umgebungsvariablen nicht mehr zweckentfremden und stoppen, wenn der Umfang unklar ist. Zusätzlich erkennt die Ausführungsschicht Hochrisiko-Löschbefehle und schickt sie in die Prüfung; Full Access lässt sich nicht mehr versehentlich einschalten. Passend dazu lässt Codex 0.148.0 vom 18. August die Sandbox bei gesperrten Pfaden "fail closed" laufen – im Zweifel blockieren statt durchwinken.

Vier Handgriffe, die dich absichern

Der Schutz liegt nicht im Modell, sondern in der Umgebung. Das gilt für Codex, Claude Code und Cursor gleichermassen.

  • Sandbox statt Full Access. OpenAI empfiehlt ausdrücklich einen Sandbox-Modus als Normalbetrieb. Vollzugriff ist ein bewusster Einzelfall, kein Default.
  • Arbeitsordner eingrenzen. Der Agent braucht Schreibrechte im Projekt – nicht im Home-Verzeichnis und nicht auf gemounteten Laufwerken.
  • Commit vor dem Lauf. Was nicht committet ist, holt kein Git zurück. Für alles ausserhalb des Repos: separates Backup.
  • Updates einspielen. Die Schutzmassnahmen wirken nur in aktuellen Versionen.

Ob das reicht, ist offen. Im Codex-Repo argumentiert ein viel beachtetes Issue, Sicherheit dürfe nicht davon abhängen, dass ein Modell eine einzelne Shell-Zeile korrekt bildet – gefordert wird eine harte Bestätigung für Massenlöschungen, unabhängig vom Modus.

Quellen

Tibo Sottiaux: Recapping the Codex safety changes (19.08.2026) – X↗ EXTERNER LINKGPT-5.6 Preview System Card – OpenAI Deployment Safety↗ EXTERNER LINKTibo Sottiaux zum $HOME-Bug im Full-Access-Modus (16.07.2026) – X↗ EXTERNER LINKCodex Release rust-v0.148.0 – GitHub↗ EXTERNER LINKIssue #33624: Requested safety properties for destructive actions – openai/codex↗ EXTERNER LINKOpenAI fixes Codex bug that deleted real user files without permission – The Decoder↗ EXTERNER LINKGPT-5.6 is deleting user files when given full access – The Decoder↗ EXTERNER LINKA bad Codex bug – Simon Willison↗ EXTERNER LINKOpenAI admits GPT-5.6 occasionally deletes files – The Register↗ EXTERNER LINKOpenAI acknowledges GPT-5.6 may accidentally delete files – InfoWorld↗ EXTERNER LINKGPT-5.6 Codex is deleting files from home directories – Neowin↗ EXTERNER LINK
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