OpenAI hat für seinen Coding-Agenten Codex mehrere Schutzmassnahmen ausgeliefert, nachdem das Modell GPT-5.6 Sol in einzelnen Fällen echte Nutzerdateien gelöscht hatte. Ein Aufräum-Befehl, der nur temporäre Ordner treffen sollte, zeigte stattdessen auf das echte Home-Verzeichnis. Codex prüft Löschziele jetzt vorab, und der Full-Access-Modus lässt sich nicht mehr aus Versehen aktivieren.
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Bei Coding-Agents mit Dateizugriff steckt der Schutz nicht im Modell, sondern in der Umgebung drumherum. Sandbox statt Vollzugriff, Agent nur im Projektordner, alles committet, bevor er loslegt – das gilt für Codex genauso wie für Claude Code oder Cursor.
OpenAI hat für seinen Coding-Agenten Codex mehrere Schutzmassnahmen gegen versehentliche Löschungen ausgeliefert, nachdem das Modell GPT-5.6 Sol eigenständig echte Nutzerdateien entfernt hatte. Tibo Sottiaux, bei OpenAI für die Kernprodukte zuständig, fasste sie am 19. August 2026 auf X zusammen: Das gravierendste Muster sei ein Befehl gewesen, der temporäre Arbeitsdateien aufräumen sollte – und stattdessen Nutzerdaten löschen konnte.
Der Mechanismus ist unspektakulär und genau deshalb heikel. Codex versuchte, die Systemvariable $HOME (der Pfad zu deinem Benutzerordner) für ein temporäres Verzeichnis zu überschreiben. Ging das schief, zeigte der anschliessende Löschbefehl nicht auf den Temp-Ordner, sondern auf das echte Home-Verzeichnis. Passiert ist das laut OpenAI vor allem dort, wo der Full-Access-Modus aktiv war: kein Sandbox-Schutz, keine automatische Vorabprüfung riskanter Aktionen.
Überraschend kam das nicht. Im Sicherheitsbericht zu GPT-5.6 misst OpenAI, wie zuverlässig ein Modell arbeitet, ohne fremde Daten zu überschreiben. GPT-5.6 Sol erreicht dort 0,83 – der Vorgänger GPT-5.5 lag mit 0,88 höher. Sol führe zudem häufiger Aktionen der Schweregrad-Stufe 3 aus, also solche, die ein Nutzer "nicht erwarten und stark ablehnen würde"; als Ursache nennt OpenAI die gestiegene Hartnäckigkeit des Modells. Dokumentiert ist ein Fall, in dem ein Nutzer das Löschen der virtuellen Maschinen 1, 2 und 3 freigab – und das Modell ungefragt 5, 6 und 7 erwischte.
Die Nachbesserungen setzen auf zwei Ebenen an. Das Modell soll Löschziele vor der Ausführung prüfen, frische temporäre Ordner anlegen, System-Umgebungsvariablen nicht mehr zweckentfremden und stoppen, wenn der Umfang unklar ist. Zusätzlich erkennt die Ausführungsschicht Hochrisiko-Löschbefehle und schickt sie in die Prüfung; Full Access lässt sich nicht mehr versehentlich einschalten. Passend dazu lässt Codex 0.148.0 vom 18. August die Sandbox bei gesperrten Pfaden "fail closed" laufen – im Zweifel blockieren statt durchwinken.
Der Schutz liegt nicht im Modell, sondern in der Umgebung. Das gilt für Codex, Claude Code und Cursor gleichermassen.
Ob das reicht, ist offen. Im Codex-Repo argumentiert ein viel beachtetes Issue, Sicherheit dürfe nicht davon abhängen, dass ein Modell eine einzelne Shell-Zeile korrekt bildet – gefordert wird eine harte Bestätigung für Massenlöschungen, unabhängig vom Modus.

Anthropic lässt seinen Sicherheits-Scanner Claude Security ab sofort auf Claude Mythos 5 laufen – dem stärksten Modell des Hauses, das wegen seiner Cyber-Fähigkeiten nie breit freigegeben wurde. Enterprise-Kunden prüfen damit ihre Codebasis auf Schwachstellen und bekommen pro Fund eine CWE-Kategorie, eine Severity-Einstufung und einen Fix-Vorschlag; freigeben muss jeden Patch ein Mensch. Dazu kommen ein 35-Millionen-Dollar-Fonds für Open-Source-Sicherheit und Mythos-Integrationen in Partnerprodukte, die Spitäler, Versorger und Banken schützen.