Das Weisse Haus hat OpenAI und Anthropic aufgefordert, neue Modelle erst nach einer US-Prüfung an das britische AI Security Institute zu geben. Anthropic hat sich bereits gefügt: Claude Mythos 5.1 war beim Release nur US-Organisationen zugänglich. Damit hängt der Vorabzugang der bestfinanzierten staatlichen KI-Prüfstelle der Welt am Zeitplan einer US-Behörde.
Kostenloses Erstgespräch — herstellerneutral, direkt aus dem Rheintal.
Wer neue KI-Modelle vor dem Release prüfen darf, entscheidet neuerdings Washington – und die Schweiz hängt am Ende dieser Kette.
Das Weisse Haus hat OpenAI und Anthropic aufgefordert, neue KI-Modelle erst dann an das britische AI Security Institute (AISI) weiterzugeben, wenn US-Behörden sie geprüft haben. Die Aufforderung kam laut einem Bericht von Politico vom 24. September 2026 vom Office of the National Cyber Director im Weissen Haus; ein britischer Regierungsvertreter bestätigte sie gegenüber Bloomberg. Damit hängt der Vorabzugang jener Stelle, die Bloomberg als die weltweit am besten finanzierte staatliche KI-Institution beschreibt, am Zeitplan einer US-Behörde.
Die Begründung eines hohen US-Regierungsvertreters gegenüber Politico fällt denkbar knapp aus:
«Because they're American companies and this has been our policy with every new frontier model that comes out.»
Bei Anthropic ist der Effekt schwarz auf weiss nachzulesen. In der Ankündigung zu Claude Mythos 5.1 schreibt das Unternehmen, das Modell sei derzeit «only available to a set of US organizations» – man koordiniere sich mit der US-Regierung, um den Zugang auf «a broader set of domestic and international partners» auszuweiten. OpenAI wollte sich gegenüber Bloomberg nicht äussern.
AISI-Direktor Henry de Zoete bestätigte die Lücke am 15. September in einem Brief an den Wirtschaftsausschuss des britischen Unterhauses (Business and Trade Committee): Anthropic habe beim Release von Mythos 5.1 klargemacht, dass keine Organisation ausserhalb der USA Zugang zum Modell hatte. Gleichzeitig betonte er, sein Institut habe weiterhin «prerelease access to some of the world's most capable models» – OpenAIs GPT-6 Astra habe man noch vor dem Release testen können.
Der Haken liegt auf der amerikanischen Seite. Das Center for AI Standards and Innovation (CAISI) im US-Handelsministerium, das nun als Erstes prüfen soll, hat laut Politico keinen permanenten Direktor und nur wenige Dutzend technische Mitarbeitende. Das AISI wurde 2023 gegründet und testet sogenannte Frontier-Modelle – die jeweils leistungsfähigsten Modelle am Markt. Bisher geschah das auf freiwilliger Basis mit den führenden Labs.
Der Zeitpunkt macht die Sache pikant: In derselben Woche warb Premierminister Andy Burnham vor der UNO-Generalversammlung für «a single set of global principles and standards» und kündigte an, KI ins Zentrum der britischen G20-Präsidentschaft zu stellen. Wenige Stunden zuvor hatte Donald Trump vor demselben Publikum jedes globale Kontrollschema für KI abgelehnt.
Für dich ändert sich morgen nichts – die Modelle erscheinen weiter. Was sich ändert, ist, wer vorher hinschaut. Die Schweiz hat keine Behörde mit Prüfmandat für KI-Modelle und sitzt im internationalen Netzwerk der staatlichen Prüfstellen nicht am Tisch (wir haben das im September aufgeschrieben). Der Bund verlässt sich auf Herstellerangaben – und auf das, was Stellen wie das AISI herausfinden. Genau dieser Umweg wird gerade länger.
Das US-Berufungsgericht in Washington hat die Blacklistung von Anthropic durch die Trump-Regierung mit 2 zu 1 Stimmen bestätigt. Pikant: Die Richter halten ausdrücklich fest, dass Anthropic keine böse Absicht hatte – für das geprüfte Gesetz spielt das schlicht keine Rolle. Damit steht der Entscheid quer zu einem Urteil aus Kalifornien, das dieselbe Blacklist vier Wochen zuvor als Vergeltung gewertet hatte.