Deutschland hat in Berlin das KI-Sicherheitsinstitut «AISI Deutschland» gegründet: BSI und Bundesnetzagentur sollen führende KI-Modelle auf Cyber-Risiken und Kontrollverlust prüfen. Die Schweiz hat keine Stelle mit diesem Auftrag – und sitzt im internationalen Netzwerk der zehn Prüfinstitute nicht am Tisch.
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Nicht die Regulierung ist die Lücke, sondern die Messtechnik: Die Schweiz kann KI-Modelle bauen und akademisch evaluieren, hat aber keine Behörde mit Prüfmandat – und keinen Sitz im internationalen Evaluations-Netzwerk.
Deutschland hat am 31. August 2026 ein staatliches KI-Sicherheitsinstitut gegründet. Das «AISI Deutschland» entsteht in Berlin, getragen vom Bundesministerium für Digitales und Staatsmodernisierung (BMDS) und vom Bundesinnenministerium, und setzt laut BMDS-Mitteilung einen Beschluss des Nationalen Sicherheitsrats vom Juni 2026 um. Sein Auftrag: führende KI-Modelle technisch bewerten – vor allem auf Cyber-Risiken und auf Szenarien, in denen die Kontrolle über ein System verloren geht. Die Schweiz hat keine Stelle mit diesem Auftrag.
In der ersten Phase bilden zwei bestehende Behörden das, was das BMDS einen «virtuellen» Nukleus nennt: Das Bundesamt für Sicherheit in der Informationstechnik (BSI) übernimmt die Cyber-Security, die Bundesnetzagentur die Safety – also, wie heise online präzisiert, vor allem physische Sicherheit und Produkttauglichkeit. Erst in einer zweiten Phase soll das Institut personell und thematisch wachsen.
«Wir müssen Risiken und Leistungsfähigkeit moderner KI-Systeme technisch fundiert und schnell bewerten können.»
— Bundesdigitalminister Karsten Wildberger
Innenminister Alexander Dobrindt formuliert es kürzer: «KI muss kontrollierbar bleiben.» Vorbild ist das britische AI Safety Institute, das seit Februar 2025 AI Security Institute heisst und laut heise Pionierarbeit bei der staatlichen Überprüfung sogenannter Frontier-Modelle geleistet hat – also der jeweils leistungsfähigsten Modelle am Markt.
Solche Institute reden inzwischen miteinander. Das internationale Netzwerk, das die USA im November 2024 angestossen haben und das heute International Network for Advanced AI Measurement, Evaluation, and Science heisst, besteht laut NIST aus Behörden von zehn Ländern: Australien, Kanada, die EU, Frankreich, Japan, Kenia, Südkorea, Singapur, Grossbritannien und die USA. Die Schweiz ist nicht dabei. Deutschland bisher auch nicht – aber es will laut BMDS «aktiv» beitreten und tauscht sich bereits mit Frankreich, Grossbritannien und dem EU AI Office aus.
Die Schweiz geht einen anderen Weg. Der Bundesrat entschied am 12. Februar 2025, die KI-Konvention des Europarats zu ratifizieren und Gesetzesanpassungen «möglichst sektorbezogen» vorzunehmen – also im Datenschutz-, Produkt- oder Gesundheitsrecht statt in einem eigenen KI-Gesetz. Die Bundeskanzlei schreibt dazu unmissverständlich: «In der Schweiz besteht bisher noch keine übergreifende Gesetzgebung spezifisch zu KI.» Das Bundesamt für Justiz erarbeite bis Ende 2026 eine Vernehmlassungsvorlage; eröffnet ist sie Anfang September noch nicht.
Der entscheidende Unterschied liegt aber nicht im Gesetz, sondern in der Messtechnik. Der EDÖB überwacht dabei laut Zuständigkeitsliste des Bundes die Einhaltung der Datenschutzbestimmungen, das BAKOM bereitet nicht verbindliche Massnahmen vor. Eine Stelle, die ein Frontier-Modell selbst aufschraubt und testet, taucht in dieser Liste nirgends auf.
Fachlich könnte die Schweiz das durchaus. ETH Zürich, EPFL und das Supercomputing-Zentrum CSCS haben am 24. Juli 2026 Apertus 1.5 veröffentlicht, die jüngste Version des offenen Schweizer Sprachmodells. Und am SRI Lab der ETH läuft mit dem Projekt COMPL-AI ein Leaderboard, das Modelle systematisch gegen die Anforderungen des EU AI Act prüft.
Was fehlt, ist der staatliche Auftrag dazu. Für dich heisst das konkret: Wenn ein neues Frontier-Modell in der Schweiz aufschlägt, verlässt sich der Bund bis auf Weiteres auf die Sicherheitsangaben der Hersteller und auf das, was Nachbarn wie Deutschland und Grossbritannien selbst herausfinden.
AlgorithmWatch hat 4'480 Suchanfragen zu drei deutschen Landtagswahlen ausgewertet. Das Ergebnis: Google zeigt KI-Übersichten bei Wahlfragen deutlich seltener, stützt sich auf sehr wenige Quellen und formuliert nicht immer neutral. Warum das auch für Schweizer Abstimmungen zählt.