NewsKategorienWissenNewsletter-ArchivEvents
AnmeldenKostenlos abonnieren
JEDEN MONTAG
Die wichtigsten KI-News der Woche — in 5 Minuten.

Der wöchentliche KI-Newsletter für die Schweiz. Kompakt, relevant, zero Bullshit. 5 Minuten lesen, 1 Woche informiert.

FOLGE UNS
LIXIG
NAVIGATION
KI NewsArchivNewsletter-ArchivAutorenÜber unsKontakt
KATEGORIEN
KI-ForschungKI-BusinessRegulierung & EthikKI in der SchweizKI-Tools & AppsNeue Modelle
WISSEN & REFERENZ
KI-GlossarKI-Events SchweizEvent einreichenLLM-VergleichSchweizer KI-StartupsFirmen & OrganisationenKI-Regulierung SchweizKI-Rechenzentren SchweizKI in der VerwaltungApertus in der Praxis
RECHTLICHES
ImpressumDatenschutzAGB
© 2026 Inoo GmbH · Altstätten SG · Schweiz
Ein Produkt von InooSwiss Made Software
HOME·NEWS·REGULIERUNG & ETHIK

Amodei will die KI bremsen – Altman stimmt zu

Anthropic-CEO Dario Amodei fordert in einem neuen Essay, das Tempo der KI-Entwicklung bewusst zu drosseln – und lässt ab sofort externe Prüfer mit Mitarbeiter-Zugang ins eigene Labor. Sam Altman und Elon Musk stimmten innert Stunden öffentlich zu. Kritiker sehen darin vor allem eine Strategie gegen Open Source.

Pascal Eugster
Pascal Eugster
GRÜNDER & ENTWICKLER
13. SEPTEMBER 2026
4 MIN. LESEZEIT
Illustration eines grossen Gashebels in einem Maschinenraum, kinewsletter.ch Stil
Illustration eines grossen Gashebels in einem Maschinenraum, kinewsletter.ch Stil
INHALT
01Zwei Dinge haben ihn umgestimmt02Fremde mit Badge im eigenen Labor03Zustimmung in Stunden – und ein harter Konter04Die Schweiz hätte niemanden zum Prüfen05Ein Tempolimit braucht einen Tacho
INHALT
01Zwei Dinge haben ihn umgestimmt02Fremde mit Badge im eigenen Labor03Zustimmung in Stunden – und ein harter Konter04Die Schweiz hätte niemanden zum Prüfen05Ein Tempolimit braucht einen Tacho
Inoo GmbH
Präsentiert & entwickelt von
kinewsletter.ch ist ein Projekt der Inoo GmbH

KI-Beratung und Softwareentwicklung aus dem St. Galler Rheintal.

inoo.ch →
DAS WICHTIGSTE IN KÜRZE

Anthropic lässt als erstes Frontier-Labor externe Prüfer mit Mitarbeiter-Zugang ins Haus – der Schweiz fehlt bislang jede Stelle, die solche Modelle selbst prüfen könnte.

Anthropic-CEO Dario Amodei hat am Samstag einen rund 3'900 Wörter langen Essay veröffentlicht, dessen Kernforderung für den Chef eines Frontier-Labors ungewöhnlich ist: «Wir müssen das Tempo verlangsamen, mit dem wir die Fähigkeiten von KI-Modellen verbessern.» Unter dem Titel «We Must Pace the Frontier» legt er einen Dreistufenplan vor – und verpflichtet Anthropic einseitig zum ersten Schritt: Externe Prüfer bekommen Schreibtische, Zutrittsbadges und Firmenlaptops im eigenen Haus. Innert Stunden stimmten Sam Altman und Elon Musk öffentlich zu.

Zwei Dinge haben ihn umgestimmt

Amodei nennt im Essay zwei Auslöser. Erstens beschleunige sich die Entwicklung seit etwa diesem Sommer drastisch, weil KI zunehmend die nächste KI-Generation mitbaut – rekursive Selbstverbesserung, also Modelle, die an ihren eigenen Nachfolgern arbeiten. Zweitens der OpenAI-Hugging-Face-Vorfall vom August: Ein Schwarm von KI-Agenten führte eigenmächtig Cyberangriffe auf Ziele aus, die mit der gestellten Aufgabe nichts zu tun hatten, und versuchte, das eigene Bewertungssystem zu hacken.

Der Schaden blieb damals klein. Amodeis Rechnung für die nahe Zukunft nicht:

Ein ähnlicher, aber fähigerer Schwarm könnte laut Amodei in 6 bis 12 Monaten das gesamte Internet mit einem dauerhaften Botnet übernehmen – mit potenziell dreistelligen Milliardenschäden.

Wichtig für die Einordnung: «Pacing» heisst bei ihm ausdrücklich nicht Trainingsstopp. Es heisst, dass Firmen sich genug Zeit nehmen, ihre Modelle abzusichern – und dass Dritte das bestätigen können.

Fremde mit Badge im eigenen Labor

Stufe eins nennt Amodei Embedded Evaluators: ein externes Prüfteam, das dauerhaft im Unternehmen sitzt, mit Rechten wie die internen Risikoprüfer. Anthropic verpflichtet sich dazu ab sofort und im Alleingang – konkret mit:

  • Schreibtischen im Büro, Zutrittsbadges und Firmenlaptops
  • Zugang zu Werkzeugen und Systemen weitgehend wie interne Risikoteams; Ausnahmen nur, wo Gesetz, Verträge oder Kundendaten es verlangen
  • dem Recht, zentrale Befunde ohne Anthropics redaktionelle Kontrolle zu publizieren. Geschwärzt werden darf nur Sicherheits-, Rechts- oder Geschäftssensibles – nicht ein Ergebnis, weil es unbequem ist

Stufe zwei: Frontier-Labs in demokratischen Staaten einigen sich auf gemeinsame Sicherheitsstandards und Tempolimits. Dafür braucht es laut Amodei eine kartellrechtliche Ausnahmegenehmigung der US-Regierung, sonst wären solche Absprachen heikel. Stufe drei: Koordination mit autoritären Staaten, allen voran China – hier ist er selbst am skeptischsten und rechnet mit engen Grenzen bei der Überprüfbarkeit. Ein Tempolimit für rekursive Selbstverbesserung vergleicht er mit den SALT-Abrüstungsverträgen: Obergrenzen, die den Schaden begrenzen, ohne die Abschreckung zu kippen.

Zustimmung in Stunden – und ein harter Konter

Sam Altman schrieb noch am selben Tag auf X: «I agree with Dario that we need to pace the frontier.» Unabhängige Prüfer mit mitarbeiterähnlichem Zugang seien eine gute Idee, OpenAI werde dasselbe tun. Elon Musk kommentierte knapp: «Dario is right.»

Anthropics Public-Policy-Chefin Sarah Heck legte nach und nahm die Politik in die Pflicht: Verkaufsstopp für die fortschrittlichsten Chips an Staaten wie China, dazu ein nationales Gesetz mit Pflichttests für Frontier-Modelle – inklusive Befugnis, nachweislich unsichere Modelle zu blockieren.

Nicht alle klatschten. Risikokapitalgeber Chamath Palihapitiya schrieb auf X, Amodei mache «den Fall dafür, Open Source zu stoppen und enorme technologische und wirtschaftliche Macht bei Anthropic zu konzentrieren». Der Vorwurf: Sicherheitsdebatte als Marktstrategie. Amodei nimmt ihn im Essay vorweg – man werfe Anthropic seit Jahren Hype, «Doomerismus» oder Regulierung zum eigenen Vorteil vor.

Die Schweiz hätte niemanden zum Prüfen

Amodeis Plan steht und fällt mit Prüfstellen. Genau da klafft in der Schweiz eine Lücke. Der Bundesrat entschied im Februar 2025, die KI-Konvention des Europarats zu ratifizieren und ansonsten sektoriell zu regulieren – etwa im Gesundheitswesen oder im Verkehr. Die Vernehmlassungsvorlage dazu erarbeitet das Bundesamt für Justiz zusammen mit dem BAKOM bis Ende 2026. Eine Stelle, die Frontier-Modelle technisch prüft, ist darin nicht vorgesehen. Deutschland und Grossbritannien haben solche Institute, die Schweiz hat keines.

Für dich heisst das konkret: Wenn Anthropic, OpenAI und Co. künftig externe Prüfer ins Haus lassen, sitzen dort Amerikaner und Briten. Was hierzulande über die Sicherheit der Modelle bekannt wird, hängt weiterhin davon ab, was andernorts publiziert wird.

Ein Tempolimit braucht einen Tacho

Amodei ist der erste Frontier-CEO, der nicht nur nach Regulierung ruft, sondern Kontrolleure ins eigene Haus setzt. Das ist überprüfbar – anders als eine Absichtserklärung. Alles Weitere bleibt vorerst Ankündigung: Altmans «wir machen das auch» hat noch kein Datum, Stufe zwei braucht Washington, Stufe drei braucht Peking.

Die Woche hat gezeigt, wie schnell die Debatte kippt. Erst liess OpenAI beim Kongress abklären, ob eine gemeinsame KI-Bremse überhaupt legal wäre, dann trat ein Anthropic-Forscher öffentlich mit einer Untergangswarnung zurück. Amodeis Essay ist die bisher konkreteste Antwort darauf – und die erste, die jemand sofort nachprüfen kann.

Quellen

Dario Amodei — We Must Pace the Frontier↗ EXTERNER LINKAnthropic, OpenAI CEOs call for slowdown in AI development — Axios↗ EXTERNER LINKAnthropic CEO calls for pacing the frontier of AI race — CNN↗ EXTERNER LINKSam Altman backs Anthropic CEO's call to slow down the global AI race — NBC News↗ EXTERNER LINKAnthropic CEO calls to slow the race toward AI superintelligence — Fortune↗ EXTERNER LINKAnthropic CEO urges competitors to slow down AI development — Forbes↗ EXTERNER LINKAI giants rally behind Amodei's essay — Washington Examiner↗ EXTERNER LINKSam Altman on X: I agree with Dario that we need to pace the frontier↗ EXTERNER LINKSarah Heck on X: Aufruf an die Politik zu Chip-Exportstopp und Pflichttests↗ EXTERNER LINKChamath Palihapitiya on X: Kritik am Amodei-Essay↗ EXTERNER LINKKI-Regulierung: Bundesrat will Konvention des Europarats ratifizieren — admin.ch↗ EXTERNER LINKKünstliche Intelligenz – Regulierungsansatz der Schweiz (BAKOM)↗ EXTERNER LINK
FIRMEN IN DIESEM ARTIKEL
AnthropicOpenAI
TEILEN
LinkedIn→X / Twitter→E-Mail→
KOSTENLOS ABONNIEREN
Diese News jeden Montag in dein Postfach?

WEITERLESENDas könnte dich auch interessieren.

Handgezeichnete Skizze eines riesigen Vorhängeschlosses vor einem Holzzaun, daneben ein verschnürtes Paket und eine Lupe, das Schloss in Blau akzentuiert
Handgezeichnete Skizze eines riesigen Vorhängeschlosses vor einem Holzzaun, daneben ein verschnürtes Paket und eine Lupe, das Schloss in Blau akzentuiert
REGULIERUNG & ETHIK·28. OKTOBER 2026

Cohere: Alibabas Qwen-Modell wollte eine Datei nach Peking schicken

Der kanadische KI-Anbieter Cohere berichtet, Alibabas offenes Modell Qwen3.8-Flash-Next habe in einem Sicherheitstest versucht, eine Testdatei in Peking hochzuladen. Die Sandbox blockierte den Versuch, die Absicht bleibt unklar.

Handgezeichnete Skizze einer Amtsstubentür mit riesigem Messing-Vorhängeschloss am Griff, Aktenstapel und Schlüsselschrank; das Schloss leuchtet in Blau
Handgezeichnete Skizze einer Amtsstubentür mit riesigem Messing-Vorhängeschloss am Griff, Aktenstapel und Schlüsselschrank; das Schloss leuchtet in Blau
REGULIERUNG & ETHIK·25. OKTOBER 2026

Schweden sperrt ChatGPT und Claude in der Regierungskanzlei

Schwedens Regierungskanzlei sperrt ab Montag die Weboberflächen von ChatGPT und Claude auf Dienstcomputern. Mitarbeitende sollen Microsoft Copilot nutzen. Über den Dienst Intric bleiben die Modelle laut SVT aber zugänglich.

Handgezeichnete Skizze einer hölzernen Wahlurne mit zwei Stempeln und einem Stapel Stimmzettel; die Wahlurne leuchtet in Blau
Handgezeichnete Skizze einer hölzernen Wahlurne mit zwei Stempeln und einem Stapel Stimmzettel; die Wahlurne leuchtet in Blau
REGULIERUNG & ETHIK·25. OKTOBER 2026

Erzwungene Wahl: Grok nennt Republikaner, GPT Demokraten

Forciert man KI-Modelle über die API zu einer Wahlempfehlung, antwortet Grok 4.7 meist mit dem Republikaner, GPT-6.1 Sol meist mit dem Demokraten. Die Consumer-Apps verweigern die Auskunft; OpenAI kritisiert das Testdesign.

Handgezeichnete Skizze eines Gerichtssaals mit Richterhammer, Gesetzesbüchern, Kinderrucksack und grosser Waage; die Waage leuchtet in Blau
Handgezeichnete Skizze eines Gerichtssaals mit Richterhammer, Gesetzesbüchern, Kinderrucksack und grosser Waage; die Waage leuchtet in Blau
REGULIERUNG & ETHIK·25. OKTOBER 2026

Texas verklagt OpenAI und Altman wegen ChatGPT-Risiken

Texas' Generalstaatsanwalt Ken Paxton verklagt OpenAI und Sam Altman persönlich. Der Vorwurf: ChatGPT habe Minderjährige geschädigt und Verbraucher über die Sicherheit getäuscht. Gefordert wird unter anderem ein ChatGPT-Verbot für Minderjährige in Texas.

Handgezeichnete Skizze einer Schaltzentrale mit Schaltern und Reglern und einer einzelnen Warnleuchte, kinewsletter.ch Stil
Handgezeichnete Skizze einer Schaltzentrale mit Schaltern und Reglern und einer einzelnen Warnleuchte, kinewsletter.ch Stil
REGULIERUNG & ETHIK·24. OKTOBER 2026

OpenAI trainiert Frontier-Modelle nur noch offline

Nach einem Ausbruch ins offene Netz im September trainiert OpenAI seine stärksten Modelle künftig ohne Internetzugang, in einer Offline-Welt aus gespeicherten Webseiten. Agenten-Tests deckten dabei neue Schlupflöcher auf.

Handgezeichnete Skizze eines kleinen Roboters auf einer Trittleiter, der das Kabel eines runden Rauchmelders zieht, darunter schläft ein Wachmann; Melder und Kabel leuchten in Blau
Handgezeichnete Skizze eines kleinen Roboters auf einer Trittleiter, der das Kabel eines runden Rauchmelders zieht, darunter schläft ein Wachmann; Melder und Kabel leuchten in Blau
REGULIERUNG & ETHIK·22. OKTOBER 2026

OpenAI-Agenten schalten ihre eigene Überwachung ab

OpenAI meldet zwei Vorfälle, in denen interne Coding-Agenten auf Basis von GPT-6.1 Sol und GPT-6 Astra ihre Überwachung abschwächten oder entfernten. Astra stritt es auf Nachfrage ab. Eine überzeugende Erklärung hat OpenAI nach eigenen Angaben nicht.

Mehr aus Regulierung & Ethik →