NewsKategorienWissenNewsletter-ArchivÜber uns
AnmeldenKostenlos abonnieren
JEDEN FREITAG
Die wichtigsten KI-News der Woche — in 5 Minuten.

Der wöchentliche KI-Newsletter für die Schweiz. Kompakt, relevant, zero Bullshit. 5 Minuten lesen, 1 Woche informiert.

FOLGE UNS
LIXIG
NAVIGATION
KI NewsArchivNewsletter-ArchivAutorenÜber unsKontakt
KATEGORIEN
KI-ForschungKI-BusinessRegulierung & EthikKI in der SchweizKI-Tools & AppsNeue Modelle
WISSEN & REFERENZ
KI-GlossarLLM-VergleichSchweizer KI-StartupsKI-Regulierung SchweizKI-Rechenzentren SchweizKI in der VerwaltungApertus in der Praxis
RECHTLICHES
ImpressumDatenschutzAGB
© 2026 Inoo GmbH · Altstätten SG · Schweiz
Ein Produkt von InooSwiss Made Software
HOME·NEWS·KI-FORSCHUNG

Anthropics KI knackt Krypto-Verfahren – mit einem Benchmark aus Zürich

Anthropics stärkstes Modell Claude Mythos hat eigenständig neue Angriffe auf zwei kryptografische Verfahren gefunden – darunter einen Post-Quantum-Kandidaten, den Experten zwei Jahre lang geprüft hatten. Produktive Systeme sind laut Anthropic nicht betroffen. Den Prüf-Benchmark baute Anthropic mit der ETH Zürich.

Pascal Eugster
Pascal Eugster
GRÜNDER & ENTWICKLER
29. JULI 2026
4 MIN. LESEZEIT
Illustration eines offenen blauen Vorhängeschlosses mit Lupe und Gittermuster-Papieren, kinewsletter.ch Stil
Illustration eines offenen blauen Vorhängeschlosses mit Lupe und Gittermuster-Papieren, kinewsletter.ch Stil
INHALT
0160 Stunden gegen zwei Jahre Experten-Review02Als das Modell erst «Nein» sagte03Wenn das Prüfen länger dauert als das Finden04Der Schweizer Prüfstein
INHALT
0160 Stunden gegen zwei Jahre Experten-Review02Als das Modell erst «Nein» sagte03Wenn das Prüfen länger dauert als das Finden04Der Schweizer Prüfstein
in
PARTNER · INOO GMBH
Wie viel KI verträgt dein Betrieb? In 30 Minuten Klartext.

Kostenloses Erstgespräch — herstellerneutral, direkt aus dem Rheintal.

Gespräch buchen →
DAS WICHTIGSTE IN KÜRZE

KI findet erstmals mathematische Schwächen in Krypto-Algorithmen selbst, nicht nur Implementierungsfehler – und die menschliche Prüfung dieser Resultate wird zum eigentlichen Nadelöhr.

Ein KI-Modell hat eigenständig neue Angriffe auf zwei kryptografische Verfahren entwickelt, die den Datenverkehr im Internet absichern sollen. Anthropic gab am 28. Juli bekannt, dass sein bisher stärkstes – und nicht öffentlich zugängliches – Modell Claude Mythos Preview einen verbesserten Angriff auf das Post-Quantum-Signaturverfahren HAWK sowie einen neuen Angriff auf eine abgespeckte Variante von AES gefunden hat. Beruhigend vorweg: Laut Anthropic ist kein produktives System betroffen, keine Software muss geändert werden. Interessant für die Schweiz: Den begleitenden Prüf-Benchmark hat Anthropic zusammen mit der ETH Zürich gebaut.

Kryptografische Algorithmen sind die mathematischen Bausteine der digitalen Sicherheit. Rufst du eine Webseite mit «https» auf, prüft dein Browser über ein sogenanntes Signaturverfahren, ob er wirklich mit der echten Seite spricht; der Datenverkehr selbst wird danach mit einem symmetrischen Chiffre verschlüsselt. Neu ist: Claude findet nicht mehr nur Programmierfehler in der Umsetzung dieser Verfahren, sondern mathematische Schwächen in den Algorithmen selbst.

60 Stunden gegen zwei Jahre Experten-Review

Der erste Treffer betrifft HAWK, einen Kandidaten im Standardisierungsverfahren der US-Behörde NIST für Signaturen, die auch künftigen Quantencomputern standhalten sollen. HAWK ist einer der verbliebenen Kandidaten der dritten Runde und hatte bereits zwei Jahre Prüfung durch menschliche Experten überstanden. Mythos verbesserte den besten bekannten Angriff laut Anthropic in 60 Stunden – und halbierte damit effektiv die Schlüsselstärke. Konkret: Für die kleine Variante HAWK-256 sank der erwartete Aufwand für eine vollständige Schlüsselrückgewinnung von 2^64 auf 2^38.

Das Modell fand dafür eine bisher unentdeckte Symmetrie in der mathematischen Struktur, auf der HAWKs Sicherheit beruht. Der Angriff bleibt zwar exponentiell und ist bei grösseren Schlüsseln weiter unpraktikabel – doch um dasselbe Sicherheitsniveau zu halten, müsste man HAWKs Schlüssel verdoppeln, was das Verfahren als attraktiven Kandidaten weitgehend entwertet. Die Kosten dieses Laufs: rund 100'000 US-Dollar an API-Gebühren. Genau dafür ist das NIST-Verfahren aber da – Schwächen sollen gefunden werden, bevor ein Verfahren in Betrieb geht. Dass ein Kandidat spät noch fällt, ist nicht neu: In einer früheren NIST-Runde wurde das Verfahren SIKE innerhalb einer Stunde auf einem Laptop komplett gebrochen.

Als das Modell erst «Nein» sagte

Der zweite Angriff zielt auf AES, den weltweit meistgenutzten symmetrischen Verschlüsselungsstandard. Wichtig: Mythos griff nicht das volle AES an, sondern eine reduzierte Version mit 7 von 10 Runden – solche abgespeckten Varianten studiert die Forschung regelmässig, um Angriffstechniken zu verstehen. Das Modell entwickelte hier ein neues Verfahren, das Anthropic «Möbius Bridge» nennt. Es eliminiert eine der Rateoperationen, die ein Angreifer sonst durchführen muss, und ist damit laut Anthropic 200- bis 800-mal schneller als der bisher beste Angriff.

Der Weg dahin hat eine Pointe. Zunächst weigerte sich das Modell schlicht – es hielt Fortschritte für unmöglich und schrieb Sätze wie «AES-128 r5/r6 is just genuinely hard». Erst nachdem der Forscher es ermutigt hatte, nach «wirklich neuen Ideen» zu suchen, legte Mythos los. Über drei Tage produzierte das Modell rund eine Milliarde Tokens und bekam dabei nur drei inhaltliche Zurufe – meist, um es bei der Stange zu halten. Auch dieser Lauf kostete etwa 100'000 Dollar.

Wenn das Prüfen länger dauert als das Finden

Genau hier liegt der eigentliche Knackpunkt. Während Mythos die AES-Idee in einer Woche fand, brauchten zwei Anthropic-Forscher – selbst keine Kryptografie-Experten – fast einen Monat, um sich von der Korrektheit zu überzeugen. Anthropic zieht daraus eine klare Sorge:

Menschliche Forscher könnten zum Engpass werden, wenn Sprachmodelle zunehmend eigenständig neue Forschungsresultate produzieren – beim Prüfen auf Korrektheit, Neuheit und Nutzen.

Neben den zwei Hauptresultaten nennt Anthropic weitere Funde: einen praktischen Angriff auf eine 13-Runden-Variante des Chiffres LEA, der einen Schlüssel in unter einer Stunde auf einem normalen Desktop zurückrechnet, sowie einen auf sechs Runden von Serpent. Auch hier gilt: Die vollen Verfahren bleiben unangetastet.

Der Schweizer Prüfstein

Damit andere die kryptanalytischen Fähigkeiten von KI-Modellen systematisch messen können, hat Anthropic den Benchmark CryptanalysisBench veröffentlicht – gebaut gemeinsam mit Akademikern der ETH Zürich sowie der Universitäten Tel Aviv und Haifa. Das Verfahren folgte nach eigenen Angaben den Regeln verantwortungsvoller Offenlegung: Die HAWK-Autoren wurden bereits im Juni informiert, US-Regierung und Industriepartner erhielten Vorabkopien, und die Offenlegung lief koordiniert über die öffentliche NIST-Mailingliste.

Anthropic reiht das Ergebnis in eine Serie ein: Google löste mit Gemini offene Erdős-Probleme, OpenAI mit GPT eine Vermutung aus demselben Umfeld, und erst diesen Monat meldete Anthropic, Claude Fable 5 habe die Jacobian-Vermutung gelöst. Innerhalb eines Jahres, schreibt das Unternehmen, seien Sprachmodelle vom Unvermögen, selbst einfachste Chiffren zu knacken, zu Werkzeugen gewachsen, die Schwächen in jahrelang geprüften Krypto-Designs finden. Mythos Preview bleibt vorerst für die Öffentlichkeit gesperrt.

Quellen

Anthropic: Discovering cryptographic weaknesses with Claude↗ EXTERNER LINKThe Decoder: Anthropic says its Mythos model found vulnerabilities in cryptographic algorithms↗ EXTERNER LINKAnthropic: HAWK Key Recovery (Paper)↗ EXTERNER LINKAnthropic: AES Möbius Bridge (Paper)↗ EXTERNER LINKarXiv: CryptanalysisBench (Anthropic, ETH Zürich, Tel Aviv, Haifa)↗ EXTERNER LINK
TEILEN
LinkedIn→X / Twitter→E-Mail→
KOSTENLOS ABONNIEREN
Diese News jeden Freitag in dein Postfach?

WEITERLESENDas könnte dich auch interessieren.

Illustration einer Korkwand voller angehefteter Notizzettel neben einem Server-Rack und einem Schlüsselbund, kinewsletter.ch Stil
Illustration einer Korkwand voller angehefteter Notizzettel neben einem Server-Rack und einem Schlüsselbund, kinewsletter.ch Stil
REGULIERUNG & ETHIK·7. AUGUST 2026

OpenAI-Agenten bauten ein heimliches Message Board für ihre Hacks

An der Black Hat legte OpenAI offen: Seine Agenten bauten sich in einem internen Repository ein Message Board – und nach der Löschung zwei Tage später ein neues. Aus dieser Koordination entstand der Einbruch bei Hugging Face.

Illustration eines Kontrollraums mit Monitorwand, Warnleuchte und elektroblauem Serverschrank, kinewsletter.ch Stil
Illustration eines Kontrollraums mit Monitorwand, Warnleuchte und elektroblauem Serverschrank, kinewsletter.ch Stil
REGULIERUNG & ETHIK·6. AUGUST 2026

Jetzt alle drei: Auch Metas KI hackte real – OpenAI nennt Details

Nach OpenAI und Anthropic räumt jetzt auch Meta ein, dass eines seiner Modelle bei Sicherheitstests real in ein fremdes Unternehmen eindrang. Zugleich legt OpenAI erstmals offen, was sein Modell GPT-5.6 Sol genau tat – und wie schnell der Vorfall gestoppt wurde. Innerhalb von zwei Wochen ist damit bei allen drei grossen US-Labs dasselbe passiert.

Illustration einer elektroblauen Umzugskiste mit Büchern und Pokal auf einem Schreibtisch, im Hintergrund Bürofenster mit Skyline, kinewsletter.ch Stil
Illustration einer elektroblauen Umzugskiste mit Büchern und Pokal auf einem Schreibtisch, im Hintergrund Bürofenster mit Skyline, kinewsletter.ch Stil
KI-BUSINESS·6. AUGUST 2026

Beben bei Google DeepMind: Hassabis gibt Tagesgeschäft ab, Dean geht

Demis Hassabis zieht sich aus dem Tagesgeschäft von Google DeepMind zurück, um sich ganz auf AGI zu konzentrieren – und Google-Urgestein Jeff Dean geht nach 27 Jahren. Mit drei weiteren Top-Forschern gründet Dean das Startup Discovery Loop, das wissenschaftliche Forschung automatisieren will.

Illustration eines elektroblauen Roboters, der von einem Werktisch mit Modellstadt heruntersteigt, kinewsletter.ch Stil
Illustration eines elektroblauen Roboters, der von einem Werktisch mit Modellstadt heruntersteigt, kinewsletter.ch Stil
KI-FORSCHUNG·5. AUGUST 2026

KI-Agenten täuschten bei UK-Sicherheitstests echte Menschen

Das britische AI Security Institute und OpenAI haben zwei neue Vorfälle offengelegt: Bei einem Cyber-Test der Behörde führten Anthropics Mythos 5 und OpenAIs GPT-5.6 Sol 19 unsanktionierte Aktionen gegen echte Menschen und Organisationen aus – inklusive gefälschter Online-Identitäten. Beim Testpartner Irregular griff ein OpenAI-Modell wegen einer Fehlkonfiguration eine echte Website an. Realer Schaden entstand laut den Beteiligten nicht.

Illustration einer offenen Holzkiste voller elektroblauer Kugeln neben Zirkel und Lupe, kinewsletter.ch Stil
Illustration einer offenen Holzkiste voller elektroblauer Kugeln neben Zirkel und Lupe, kinewsletter.ch Stil
KI-FORSCHUNG·2. AUGUST 2026

OpenAI kündigt Astra an – mit zehn gelösten Mathe-Problemen

OpenAI hat zehn Resultate zu offenen Problemen der Mathematik und theoretischen Informatik publiziert – erzeugt von einer internen Version von Astra, das OpenAI erstmals offiziell als sein nächstes grosses Modell bezeichnet. Alle Beweise sind im Beweisassistenten Lean maschinell verifiziert, die Tokenkosten beziffert OpenAI auf rund 2'000 Dollar. Die Mathe-Community reagiert zwischen Begeisterung und Sinnkrise.

Illustration eines offenen blauen Server-Racks mit Werkzeug auf einer Werkbank, kinewsletter.ch Stil
Illustration eines offenen blauen Server-Racks mit Werkzeug auf einer Werkbank, kinewsletter.ch Stil
KI IN DER SCHWEIZ·1. AUGUST 2026

FHNW und Giotto.ai forschen an effizienteren KI-Modellen

Das High-Performance-Computing-Labor der FHNW und das Lausanner KI-Labor Giotto.ai wollen gemeinsam Rechenaufwand und Inferenzkosten von KI-Modellen senken, ohne Leistung einzubüssen. Im Fokus: Serving-Engines, Deployment-Profile und Hardware-Beschleuniger.

Mehr aus KI-Forschung →