NewsKategorienWissenNewsletter-ArchivÜber uns
AnmeldenKostenlos abonnieren
JEDEN FREITAG
Die wichtigsten KI-News der Woche — in 5 Minuten.

Der wöchentliche KI-Newsletter für die Schweiz. Kompakt, relevant, zero Bullshit. 5 Minuten lesen, 1 Woche informiert.

FOLGE UNS
LIXIG
NAVIGATION
KI NewsArchivNewsletter-ArchivAutorenÜber unsKontakt
KATEGORIEN
KI-ForschungKI-BusinessRegulierung & EthikKI in der SchweizKI-Tools & AppsNeue Modelle
WISSEN & REFERENZ
KI-GlossarLLM-VergleichSchweizer KI-StartupsKI-Regulierung SchweizKI-Rechenzentren SchweizKI in der VerwaltungApertus in der Praxis
RECHTLICHES
ImpressumDatenschutzAGB
© 2026 Inoo GmbH · Altstätten SG · Schweiz
Ein Produkt von InooSwiss Made Software
HOME·NEWS·REGULIERUNG & ETHIK

Hunderte fragten ChatGPT nach Biowaffen-Wissen – manche bekamen Antworten

Laut WSJ stellten seit Sommer 2025 hunderte Nutzer ChatGPT Fragen zu biologischen Waffen und Giften – ein Teil bekam brauchbare Antworten. OpenAI sperrte die Konten, meldete aber nichts.

Pascal Eugster
Pascal Eugster
GRÜNDER & ENTWICKLER
28. JULI 2026
4 MIN. LESEZEIT
Illustration einer leicht offenstehenden Tuer mit offenem Vorhaengeschloss, kinewsletter.ch Stil
Illustration einer leicht offenstehenden Tuer mit offenem Vorhaengeschloss, kinewsletter.ch Stil
INHALT
01Hunderte Anfragen, ein Teil mit Antwort02Hochrisiko im Sommer, Herabstufung im Herbst03Wenn «Nein» zum Betriebsrisiko wird04Sperren ja, melden nein05Brüssel misst anders als Washington
INHALT
01Hunderte Anfragen, ein Teil mit Antwort02Hochrisiko im Sommer, Herabstufung im Herbst03Wenn «Nein» zum Betriebsrisiko wird04Sperren ja, melden nein05Brüssel misst anders als Washington
in
PARTNER · INOO GMBH
Wie viel KI verträgt dein Betrieb? In 30 Minuten Klartext.

Kostenloses Erstgespräch — herstellerneutral, direkt aus dem Rheintal.

Gespräch buchen →
DAS WICHTIGSTE IN KÜRZE

Die eigentliche Lücke ist nicht das Wissen im Modell, sondern dass ohne Meldepflicht niemand ausserhalb des Unternehmens erfährt, wenn Schutzmechanismen versagen.

Das «Wall Street Journal» hat am 26. Juli 2026 eine Recherche veröffentlicht, wonach seit Sommer 2025 hunderte Nutzerinnen und Nutzer ChatGPT nach der Herstellung biologischer Waffen und hochgiftiger Substanzen gefragt haben. In einem Teil der Fälle antwortete das Modell brauchbar und schrittweise. OpenAI sperrte die betroffenen Konten, informierte die Behörden aber nicht – wozu in den USA auch keine gesetzliche Pflicht besteht. Die Zeitung stützt sich nach eigenen Angaben auf aktuelle und ehemalige Mitarbeitende grosser KI-Labore sowie auf Politikberater und Fachleute für biologische Waffen.

Hunderte Anfragen, ein Teil mit Antwort

Laut WSJ blieb es nicht bei blockierten Eingaben: Einige Gespräche kamen durch. Mitarbeitende beschrieben die Antworten als so klar aufbereitet, dass zum Nachvollziehen Biologiekenntnisse auf Schulniveau gereicht hätten. Fachleute aus Biologie und Terrorismusforschung prüften später Gesprächsverläufe und stuften laut Zeitung einen Teil davon als erschreckend präzise ein. Gegenüber dem WSJ sagte OpenAI, die Mehrheit der einschlägigen Anfragen habe Gifte betroffen, nicht biologische Waffen.

Weder Stoffe noch Verfahren werden hier genannt – der Punkt der Recherche ist nicht, was gefragt wurde, sondern dass Antworten kamen.

Hochrisiko im Sommer, Herabstufung im Herbst

Der zweite Strang der Recherche betrifft die interne Bewertung. Im Sommer 2025 stufte OpenAI GPT-5 intern als Hochrisiko-Modell im Bereich Biologie ein: Es könne Menschen mit begrenzter wissenschaftlicher Vorbildung ernsthaft weiterhelfen. Auch nach dem Release stiessen Mitarbeitende laut WSJ weiter auf problematische Antworten. Im Herbst 2025 stufte das Unternehmen das Risiko wieder herunter.

Heikel ist das, weil OpenAI seine eigene Messlatte öffentlich beschrieben hat. In einem Blogbeitrag vom 18. Juni 2025 hält die Firma fest, ein Modell auf der Stufe «High» werde nicht veröffentlicht, bis man überzeugt sei, dass die Risiken ausreichend gemindert seien. Genau diese Stufe definiert OpenAI für Biologie so, dass ein Modell Laien mit Grundkenntnissen substanziell helfen könnte.

Wenn «Nein» zum Betriebsrisiko wird

Dazu kommt ein Zielkonflikt, den das WSJ beschreibt: Führungskräfte hätten den Sicherheitsteams mitgegeben, die Modelle sollten nicht zu oft ablehnen – sonst blockiere man Ärztinnen, Forschende und Studierende, die aus legitimen Gründen biologisches Fachwissen brauchen. Das Argument ist nicht vorgeschoben, sondern ein echtes Problem jeder Schutzschicht. Es fiel laut Recherche nur zeitlich mit den internen Warnungen zusammen.

Sperren ja, melden nein

OpenAI erklärte gegenüber dem WSJ, die Modelle seien darauf trainiert, schädliche Anfragen abzulehnen, vor Releases fänden Sicherheitsprüfungen statt, und man könne Versuche erkennen und unterbinden, schädliche biologische Informationen zu erhalten. Die Strafverfolgung schalte man ein, wenn in einem Gespräch eine unmittelbare und glaubhafte Gefahr erkennbar sei. In den dokumentierten Fällen blieb es bei Kontosperren.

Zu mehr ist das Unternehmen nicht verpflichtet: Ein US-Gesetz, das KI-Anbieter zur Meldung solcher Anfragen zwingt, gibt es nicht. Und das Muster hängt nicht an einem einzelnen Produkt – laut WSJ gingen vergleichbare Anfragen auch bei Anthropics Claude, Googles Gemini und xAIs Grok ein.

Brüssel misst anders als Washington

In Europa ist die Rechtslage eine andere. Artikel 55 des EU AI Act verpflichtet Anbieter von KI-Basismodellen mit systemischem Risiko seit dem 2. August 2025, schwerwiegende Vorfälle unverzüglich dem EU-KI-Büro und den zuständigen nationalen Behörden zu melden. Aus einer Firmenentscheidung wird damit eine Rechtspflicht.

Die Schweiz ist noch nicht so weit. Der Bundesrat hat am 12. Februar 2025 die Leitplanken festgelegt: Ratifikation der KI-Konvention des Europarats, ergänzt um sektorielle Anpassungen. Die Vernehmlassungsvorlage dazu soll bis Ende 2026 vorliegen – rund eineinhalb Jahre nachdem in der EU die Meldepflicht bereits galt. Bis dahin gilt auch hier: Was ein Anbieter meldet, entscheidet er selbst.

Für dich als Nutzer ändert sich unmittelbar wenig. Interessant ist die Recherche als Testfall für eine Frage, die die ganze Branche betrifft: Freiwillige Safety-Frameworks sind nur so belastbar wie die Bereitschaft, sich im Zweifel selbst zu bremsen – und ohne Meldepflicht erfährt niemand ausserhalb des Unternehmens, wenn das nicht passiert.

Quellen

Wall Street Journal: AI Chatbots Know How to Make Deadly Biological Weapons. Some Will Teach You.↗ EXTERNER LINKThe Decoder: Hundreds asked ChatGPT for poison and bioweapon recipes↗ EXTERNER LINKGizmodo: Report Says 'Hundreds' of Users Asked ChatGPT About Bioweapons and Poisons↗ EXTERNER LINKIBTimes UK: OpenAI and Other AI Chatbots Answered Pathogen and Poison Queries↗ EXTERNER LINKTech Times: OpenAI Knew GPT-5 Posed Bioweapon Risk and Downgraded the Rating Anyway↗ EXTERNER LINKOpenAI: Preparing for future AI capabilities in biology↗ EXTERNER LINKEU AI Act, Artikel 55: Meldepflicht für schwerwiegende Vorfälle↗ EXTERNER LINKBundesamt für Justiz: Künstliche Intelligenz – Regulierungsstand Schweiz↗ EXTERNER LINK
TEILEN
LinkedIn→X / Twitter→E-Mail→
KOSTENLOS ABONNIEREN
Diese News jeden Freitag in dein Postfach?

WEITERLESENDas könnte dich auch interessieren.

Illustration einer Schallplatte mit einem elektroblauen Siegelstempel in Wachs auf Notenblättern, kinewsletter.ch Stil
Illustration einer Schallplatte mit einem elektroblauen Siegelstempel in Wachs auf Notenblättern, kinewsletter.ch Stil
REGULIERUNG & ETHIK·7. AUGUST 2026

Suno markiert KI-Songs – sechs Tage nach dem GEMA-Urteil

Suno kündigt Audio-Wasserzeichen, Fingerprinting und Download-Limits an – sechs Tage nach der Niederlage gegen die GEMA. In Kraft sind bisher nur die neuen Community-Regeln; die Technik kommt erst «in den kommenden Wochen», und wie sie funktioniert, sagt Suno nicht.

Illustration einer elektroblauen Handwasserpumpe neben einem umgekippten Eimer vor einem abgetragenen Terrassenhang, kinewsletter.ch Stil
Illustration einer elektroblauen Handwasserpumpe neben einem umgekippten Eimer vor einem abgetragenen Terrassenhang, kinewsletter.ch Stil
REGULIERUNG & ETHIK·7. AUGUST 2026

«Wir können keine Daten trinken» – Indien klagt gegen Google

Googles 15-Milliarden-Rechenzentrum in Visakhapatnam ist im Bau – und steht bereits vor Gericht. Umweltschützer klagen wegen Wasserverbrauch und der Nähe zu einem Leoparden-Schutzgebiet. Der Widerstand gegen KI-Rechenzentren ist global geworden.

Illustration einer Korkwand voller angehefteter Notizzettel neben einem Server-Rack und einem Schlüsselbund, kinewsletter.ch Stil
Illustration einer Korkwand voller angehefteter Notizzettel neben einem Server-Rack und einem Schlüsselbund, kinewsletter.ch Stil
REGULIERUNG & ETHIK·7. AUGUST 2026

OpenAI-Agenten bauten ein heimliches Message Board für ihre Hacks

An der Black Hat legte OpenAI offen: Seine Agenten bauten sich in einem internen Repository ein Message Board – und nach der Löschung zwei Tage später ein neues. Aus dieser Koordination entstand der Einbruch bei Hugging Face.

Illustration eines elektroblauen Einkaufswagens voller Pakete auf einem Gerichtstisch neben Richterhammer und Gesetzesbüchern, kinewsletter.ch Stil
Illustration eines elektroblauen Einkaufswagens voller Pakete auf einem Gerichtstisch neben Richterhammer und Gesetzesbüchern, kinewsletter.ch Stil
REGULIERUNG & ETHIK·6. AUGUST 2026

US-Berufungsgericht: Perplexitys Shopping-Agent darf zurück auf Amazon

Ein US-Berufungsgericht hat das Verbot gekippt, das Perplexitys KI-Agenten seit März das Einkaufen auf Amazon untersagte. Die Begründung hat es in sich: Rechtlich greifen die Nutzer auf Amazon zu, nicht Perplexity — Amazons Hacking-Vorwurf dürfte damit scheitern. Entschieden ist der Prozess aber noch nicht.

Illustration eines elektroblauen Rundschilds an einer Werkbank, darüber ein Warnschild mit Ausrufezeichen, daneben eine Lupe, kinewsletter.ch Stil
Illustration eines elektroblauen Rundschilds an einer Werkbank, darüber ein Warnschild mit Ausrufezeichen, daneben eine Lupe, kinewsletter.ch Stil
REGULIERUNG & ETHIK·6. AUGUST 2026

Meta liess über 50 Anzeigen mit KI-generiertem Missbrauchsmaterial laufen

Eine Wired-Recherche auf Basis von Daten des Tech Transparency Project zeigt: Meta hat mehr als 50 bezahlte Anzeigen mit KI-generierten sexualisierten Darstellungen von Kindern geprüft, freigegeben und ausgespielt – auf Facebook, Instagram, Messenger und Threads. Die Anzeigen sind inzwischen entfernt, doch der Fall wirft grundlegende Fragen an Metas Werbeprüfung auf.

Illustration eines Kontrollraums mit Monitorwand, Warnleuchte und elektroblauem Serverschrank, kinewsletter.ch Stil
Illustration eines Kontrollraums mit Monitorwand, Warnleuchte und elektroblauem Serverschrank, kinewsletter.ch Stil
REGULIERUNG & ETHIK·6. AUGUST 2026

Jetzt alle drei: Auch Metas KI hackte real – OpenAI nennt Details

Nach OpenAI und Anthropic räumt jetzt auch Meta ein, dass eines seiner Modelle bei Sicherheitstests real in ein fremdes Unternehmen eindrang. Zugleich legt OpenAI erstmals offen, was sein Modell GPT-5.6 Sol genau tat – und wie schnell der Vorfall gestoppt wurde. Innerhalb von zwei Wochen ist damit bei allen drei grossen US-Labs dasselbe passiert.

Mehr aus Regulierung & Ethik →