In China waren über 95 Prozent der rund 128'000 Kurzdramen aus dem ersten Quartal 2026 KI-generiert – Schauspieler, Crews und Livestreamer verlieren reihenweise Aufträge. Die Zahl ist ein Spitzenwert direkt nach dem Start von ByteDances Seedance 2.0: Im zweiten Quartal sank der KI-Anteil bereits wieder auf 64 Prozent.
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China ist der erste grosse Medienmarkt, in dem KI-Video vom Pilotprojekt zur Standardproduktion geworden ist – eine Minute kostet noch rund ein Zehntel. Für Schweizer Kreative zählt vor allem, dass die EU seit dem 2. August 2026 eine Kennzeichnungspflicht kennt, die Schweiz selbst aber nicht.
In China wurden im ersten Quartal 2026 rund 128'000 Kurzdramen veröffentlicht – über 95 Prozent davon KI-generiert. Das schätzt der Branchenverband China Netcasting Services Association (CNSA); Caixin, Sixth Tone und CNBC berichten die Zahl übereinstimmend. Kurzdramen (duanju) sind vertikale Smartphone-Serien mit Folgen von ein bis zwei Minuten – ein Markt von über 100 Milliarden Yuan. Für Schauspieler, Kamerateams und Livestreamer heisst das: Die Aufträge brechen weg.
Den Kipppunkt löste ByteDances Videomodell Seedance 2.0 im Februar 2026 aus – es liefert brauchbares Material für rund einen Yuan pro Sekunde. Eine Minute KI-Video kostet 90 bis 120 Dollar, sagte der Tsinghua-Professor Shen Yang der Financial Times – rund ein Zehntel der bisherigen Kosten mit echten Darstellern. Fast zeitgleich strich ByteDances Plattform Hongguo die Garantiefinanzierung für viele Live-Action-Projekte. Allein im ersten Quartal entstanden dreimal so viele Titel wie im ganzen Jahr 2025.
Wie hart das durchschlägt, zeigt Sixth Tone bei der Produktionsfirma Zhoutu Culture in Zhengzhou: Der Ausstoss fiel von bis zu 200 auf rund 30 Kurzdramen pro Monat, die Belegschaft von über 500 auf 200. Drei Luxusautos, einst als Requisiten gekauft, gingen für 4,5 Millionen Yuan weg, die Kantine ist zu – wo Kostüme lagerten, steht jetzt ein KI-Studio. Ein Schauspieler berichtet, sein Monatseinkommen sei von rund 20'000 auf 5'000 Yuan gefallen. Laut Financial Times werden Darsteller teilweise gedrängt, Stimme und Abbild vorher in KI-Werkzeuge einzuspeisen – bevor man ihnen kündigt.
Die 95 Prozent sind allerdings ein Spitzenwert, kein Dauerzustand, und sie beziehen sich auf die Zahl neu veröffentlichter Titel, nicht auf Zuschauerzeit oder Umsatz. Nachdem ByteDance 1,5 Milliarden Yuan und sechs grosse Plattformen zusammen mindestens 6 Milliarden Yuan für Live-Action-Produktionen zugesagt hatten, sank der KI-Anteil im zweiten Quartal laut CNSA auf 64 Prozent. Und ganz ohne Menschen läuft auch die KI-Produktion nicht: Beim Hit «The Inverse Zone» bleiben Drehbuch und Postproduktion Handarbeit eines Dreierteams.
Seit dem 2. August 2026 gilt in der EU Artikel 50 des AI Acts: Anbieter müssen KI-Inhalte maschinenlesbar markieren, wer sie beruflich publiziert, muss Deepfakes kennzeichnen. Lieferst du aus der Schweiz KI-Video in den EU-Markt, fällst du darunter. Die Schweiz selbst kennt keine solche Pflicht: Der Bundesrat setzt auf einen sektorbezogenen Ansatz, die Gesetzesentwürfe zur Europarats-KI-Konvention sind bis Ende 2026 angekündigt; beim Urheberrecht fordert die Motion Gössi (24.4596) Nachbesserungen. China zeigt derweil, wie schnell ein Kreativmarkt kippt, sobald die KI-Produktion nur noch ein Zehntel kostet.
Elon Musk hat bestätigt, dass eine geheime SpaceX-Giesserei in Texas Gasturbinen-Schaufeln produzieren soll – damit Kraftwerke für KI-Rechenzentren bis zu 18 Monate früher ans Netz gehen. Genau solche Turbinen haben in den USA bereits eine Klage der NAACP und mehrere Gesundheitsstudien ausgelöst.