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95 Prozent KI: Chinas Schauspieler verlieren ihre Rollen

In China waren über 95 Prozent der rund 128'000 Kurzdramen aus dem ersten Quartal 2026 KI-generiert – Schauspieler, Crews und Livestreamer verlieren reihenweise Aufträge. Die Zahl ist ein Spitzenwert direkt nach dem Start von ByteDances Seedance 2.0: Im zweiten Quartal sank der KI-Anteil bereits wieder auf 64 Prozent.

Pascal Eugster
Pascal Eugster
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31. AUGUST 2026
3 MIN. LESEZEIT
Illustration eines leeren Filmstudios mit verwaistem Regiestuhl und vertikalem Smartphone auf einem Stativ, kinewsletter.ch Stil
Illustration eines leeren Filmstudios mit verwaistem Regiestuhl und vertikalem Smartphone auf einem Stativ, kinewsletter.ch Stil
INHALT
01Ein Yuan pro Sekunde02Autos verkauft, Kantine geschlossen03Der Rückschwung auf 64 Prozent04Was das für die Schweiz heisst
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01Ein Yuan pro Sekunde02Autos verkauft, Kantine geschlossen03Der Rückschwung auf 64 Prozent04Was das für die Schweiz heisst
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DAS WICHTIGSTE IN KÜRZE

China ist der erste grosse Medienmarkt, in dem KI-Video vom Pilotprojekt zur Standardproduktion geworden ist – eine Minute kostet noch rund ein Zehntel. Für Schweizer Kreative zählt vor allem, dass die EU seit dem 2. August 2026 eine Kennzeichnungspflicht kennt, die Schweiz selbst aber nicht.

In China wurden im ersten Quartal 2026 rund 128'000 Kurzdramen veröffentlicht – über 95 Prozent davon KI-generiert. Das schätzt der Branchenverband China Netcasting Services Association (CNSA); Caixin, Sixth Tone und CNBC berichten die Zahl übereinstimmend. Kurzdramen (duanju) sind vertikale Smartphone-Serien mit Folgen von ein bis zwei Minuten – ein Markt von über 100 Milliarden Yuan. Für Schauspieler, Kamerateams und Livestreamer heisst das: Die Aufträge brechen weg.

Ein Yuan pro Sekunde

Den Kipppunkt löste ByteDances Videomodell Seedance 2.0 im Februar 2026 aus – es liefert brauchbares Material für rund einen Yuan pro Sekunde. Eine Minute KI-Video kostet 90 bis 120 Dollar, sagte der Tsinghua-Professor Shen Yang der Financial Times – rund ein Zehntel der bisherigen Kosten mit echten Darstellern. Fast zeitgleich strich ByteDances Plattform Hongguo die Garantiefinanzierung für viele Live-Action-Projekte. Allein im ersten Quartal entstanden dreimal so viele Titel wie im ganzen Jahr 2025.

Autos verkauft, Kantine geschlossen

Wie hart das durchschlägt, zeigt Sixth Tone bei der Produktionsfirma Zhoutu Culture in Zhengzhou: Der Ausstoss fiel von bis zu 200 auf rund 30 Kurzdramen pro Monat, die Belegschaft von über 500 auf 200. Drei Luxusautos, einst als Requisiten gekauft, gingen für 4,5 Millionen Yuan weg, die Kantine ist zu – wo Kostüme lagerten, steht jetzt ein KI-Studio. Ein Schauspieler berichtet, sein Monatseinkommen sei von rund 20'000 auf 5'000 Yuan gefallen. Laut Financial Times werden Darsteller teilweise gedrängt, Stimme und Abbild vorher in KI-Werkzeuge einzuspeisen – bevor man ihnen kündigt.

Der Rückschwung auf 64 Prozent

Die 95 Prozent sind allerdings ein Spitzenwert, kein Dauerzustand, und sie beziehen sich auf die Zahl neu veröffentlichter Titel, nicht auf Zuschauerzeit oder Umsatz. Nachdem ByteDance 1,5 Milliarden Yuan und sechs grosse Plattformen zusammen mindestens 6 Milliarden Yuan für Live-Action-Produktionen zugesagt hatten, sank der KI-Anteil im zweiten Quartal laut CNSA auf 64 Prozent. Und ganz ohne Menschen läuft auch die KI-Produktion nicht: Beim Hit «The Inverse Zone» bleiben Drehbuch und Postproduktion Handarbeit eines Dreierteams.

Was das für die Schweiz heisst

Seit dem 2. August 2026 gilt in der EU Artikel 50 des AI Acts: Anbieter müssen KI-Inhalte maschinenlesbar markieren, wer sie beruflich publiziert, muss Deepfakes kennzeichnen. Lieferst du aus der Schweiz KI-Video in den EU-Markt, fällst du darunter. Die Schweiz selbst kennt keine solche Pflicht: Der Bundesrat setzt auf einen sektorbezogenen Ansatz, die Gesetzesentwürfe zur Europarats-KI-Konvention sind bis Ende 2026 angekündigt; beim Urheberrecht fordert die Motion Gössi (24.4596) Nachbesserungen. China zeigt derweil, wie schnell ein Kreativmarkt kippt, sobald die KI-Produktion nur noch ein Zehntel kostet.

Quellen

AI-generated videos are already displacing actors and livestreamers across China's entertainment industry (The Decoder)↗ EXTERNER LINKChina's Short-Drama Boom Was Built on Speed. Then AI Got Faster. (Sixth Tone)↗ EXTERNER LINKInside the Chinese AI Studio Shrinking Short-Drama Crews to One (Sixth Tone)↗ EXTERNER LINKChina's short-drama producers flood the market with cheap bets (CNBC)↗ EXTERNER LINKCover Story: How AI Took Over China's Micro-Drama Industry in 90 Days (Caixin Global)↗ EXTERNER LINKAI opens new creative doors, raises new concerns across China's screen industry (Global Times)↗ EXTERNER LINKQuick Facts: Transparency rules for AI systems (Europäische Kommission)↗ EXTERNER LINKKI-Regulierung: Was tut die Schweiz? (AlgorithmWatch CH)↗ EXTERNER LINKKI-Regulierung Schweiz: Bundesrat mit sektoralem Ansatz (IGE)↗ EXTERNER LINK
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