Unter dem Codenamen «Project OT» wollte Meta einzelne Teams um bis zu 60 Prozent verkleinern und die Arbeit KI-Agenten überlassen. Stunden vor der ersten Entlassungswelle stoppte Mark Zuckerberg die zweite – die Agenten produzierten 220 Prozent mehr Code, aber nur 36 Prozent mehr Funktionen, die bei Nutzern ankamen.
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Output ist nicht Ergebnis: Metas KI-Agenten erzeugten 220 Prozent mehr Code, aber nur 36 Prozent mehr ausgelieferte Funktionen – und 40 Prozent mehr Störfälle.
Meta hat einen radikalen Konzernumbau gestoppt, bei dem KI-Agenten einen grossen Teil der täglichen Arbeit von Angestellten übernehmen sollten. Laut einer Reuters-Investigation vom 26. August 2026 sah der Plan unter dem Codenamen «Project OT» vor, einzelne Teams um bis zu 60 Prozent zu verkleinern. Am Abend des 19. Mai – Stunden vor der ersten Entlassungswelle – sagte Mark Zuckerberg die für November geplante zweite Welle ab. Meta bestätigte gegenüber Reuters das Projekt, die Zwei-Wellen-Planung und die 60-Prozent-Szenarien.
Im Januar traf sich Zuckerberg mit seinen engsten Führungsleuten zur Klausur auf seinem Anwesen auf Hawaii. Dort entstand «Project OT», kurz für Organization Transformation, mit der Vision eines «AI native» Meta: virtuelle Arbeiter, beaufsichtigt von kleinen, intern «talent-dense» genannten Gruppen. Klassische Rollen wie Designer, Engineer oder Product Manager sollten in einer generischen Funktion aufgehen – «Builder». Mittlere Führungsebenen fielen weg, «agent-assisted analysis» sollte die Tagesprioritäten mitbestimmen.
Geplant war der Abbau in zwei Wellen, Mai und November. Eine Personalverantwortliche rechnete intern mit einem Schnitt, der so gross oder grösser ausfällt als die rund 25 Prozent, die Meta zwischen Ende 2022 und Anfang 2023 gestrichen hatte. Bis Juni hatten laut Reuters mindestens elf Einheiten die kleinen Pods eingeführt.
Dann lieferten die Zahlen nicht. Interne Daten, die Reuters vorliegen, zeigen ein auffälliges Missverhältnis: Die Code-Änderungen an Metas internen Software-Plattformen und der Infrastruktur stiegen im Jahresvergleich um 220 Prozent. Änderungen, die tatsächlich als neue oder verbesserte Funktion bei Nutzern ankamen, legten nur um 36 Prozent zu.
Der Rest verpuffte – oder richtete Schaden an. Grössere technische und Sicherheitsvorfälle wie Ausfälle und mögliche Datenlecks nahmen um 40 Prozent zu, die Zeit fürs Löschen dieser Brände um 70 Prozent. Anfang Juni verschafften sich Angreifer über Metas neuen KI-Supportbot Zugang zu prominenten Instagram-Konten.
Parallel eskalierte die Stimmung. Meta hatte im April Tracking-Software auf den Rechnern von US-Mitarbeitenden vorgeschrieben, die Tastenanschläge und Mausklicks aufzeichnet, um KI-Agenten beizubringen, wie Menschen mit einem Computer umgehen. Viele Angestellte zogen den naheliegenden Schluss: Sie trainierten ihren eigenen Ersatz.
Metas internes Netzwerk Workplace füllte sich mit wütenden Posts und Galgenhumor. Unter Ankündigungen der Führung tauchten Elefantenbilder auf – der Elefant im Raum. Der konzerneigene Stimmungsindikator fiel im Halbjahres-«Pulse»-Survey von 74 auf 55 Prozent Zustimmung, ein Absturz um 19 Prozentpunkte. Anfang Juli räumte Zuckerberg an einem internen Town Hall Fehleinschätzungen beim Zeitplan ein: Die Agenten-Technologie habe sich nicht so «beschleunigt» wie erwartet, werde sich aber in drei bis sechs Monaten stärker auszahlen.
Wichtig für die Einordnung: Reuters schreibt, die Agentur habe nicht feststellen können, was den Kurswechsel genau auslöste. Belegt ist der Druck, der sich aufbaute – schwache Produktivitätsdaten, offener Unmut der Belegschaft und Investoren, die Ergebnisse sehen wollen. Meta steckt laut Reuters allein dieses Jahr mindestens 130 Milliarden Dollar in KI-Chips und Infrastruktur; nach LSEG-Schätzungen frisst das den operativen Cashflow für 2026 auf.
Der Rückzug ist ausserdem ein teilweiser. Am 20. Mai entliess Meta wie geplant 10 Prozent der Belegschaft. Danach sagte Zuckerberg intern, er erwarte «keine weiteren unternehmensweiten Entlassungen dieses Jahr» – zwei Formulierungen, die niemand überhört hat: unternehmensweit und dieses Jahr. Die kleinen KI-Pods laufen in Teilen des Konzerns weiter.
Für die Schweiz liefert Metas Fehlschlag ein nützliches Korrektiv. Das «2026 AI Jobs Barometer» von PwC Schweiz (15. Juni 2026, über eine Milliarde ausgewertete Stelleninserate aus 27 Ländern) zählt hierzulande 25'000 Inserate mit KI-Bezug – ein Höchstwert, aber nur 1,8 Prozent des Stellenmarkts.
Entscheidend ist, welche Profile gesucht werden. 2025 stieg die Zahl der Inserate für KI-Anwender um rund 8'400, jene für KI-Entwickler nur um 220. In Berufen mit geringer KI-Exposition hat sich das Stellenvolumen seit 2018 um das 15,4-Fache erhöht – in stark exponierten Berufen «nur» um das 8,7-Fache. Der Schweizer Markt belohnt also Menschen, die KI bedienen, nicht Firmen, die Menschen wegautomatisieren.
«KI verändert, wie Karrieren beginnen und Fachwissen entsteht. Routineaufgaben, die früher dem Einstieg und Lernen dienten, übernimmt heute zunehmend die KI.» — Adrian Jones, Partner und Leiter Workforce bei PwC Schweiz
Wenn du in einem KMU über Agenten nachdenkst: Metas Zahlen sind das bislang beste öffentlich dokumentierte Warnbeispiel. Miss nicht, wie viel eine KI produziert, sondern wie viel davon beim Kunden ankommt – und was das Aufräumen kostet.
Zuckerberg hält am Umbau fest, nur langsamer. In seinem 6'500 Wörter langen Essay «The Future is for Everyone» schreibt er, Firmen könnten kleiner werden, ohne dass es insgesamt weniger Jobs gebe – es bedeute «eine grössere Zahl von Firmen mit jeweils weniger Menschen». Die drei bis sechs Monate, die er den Agenten im Juli gab, laufen im Herbst ab.