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Nvidia soll Hugging Face für 12,9 Milliarden kaufen

Laut einem Bericht des Fachdienstes The Information hat Nvidia zugestimmt, die Open-Source-Plattform Hugging Face für 12,9 Milliarden Dollar zu übernehmen – rund das 86-Fache des Jahresumsatzes. Bestätigt ist davon nichts: Beide Firmen schweigen, und ein zweiter Bericht spricht von Gesprächen ohne unterschriebenen Vertrag. Für die Schweiz zählt der Fall, weil Apertus auf Nvidia-Chips trainiert wurde und über Hugging Face verteilt wird.

Pascal Eugster
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28. AUGUST 2026
5 MIN. LESEZEIT
Illustration einer verpackten Transportkiste auf einer Palette vor Serverregalen in einer Lagerhalle, kinewsletter.ch Stil
Illustration einer verpackten Transportkiste auf einer Palette vor Serverregalen in einer Lagerhalle, kinewsletter.ch Stil
INHALT
01Ein Abend, zwei sich widersprechende Berichte0286-mal Jahresumsatz für einen Modell-Hub03Der Burggraben heisst Open Source04Zurück in die Cloud, durch die Hintertür05Rekordquartal als Kontrastprogramm06Apertus läuft auf Nvidia – und liegt bei Hugging Face07Woran du erkennst, ob es echt wird
INHALT
01Ein Abend, zwei sich widersprechende Berichte0286-mal Jahresumsatz für einen Modell-Hub03Der Burggraben heisst Open Source04Zurück in die Cloud, durch die Hintertür05Rekordquartal als Kontrastprogramm06Apertus läuft auf Nvidia – und liegt bei Hugging Face07Woran du erkennst, ob es echt wird
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Käme der Deal zustande, gehörten beide Enden des Schweizer Open-Source-Stapels – die Chips und die Verteilplattform – demselben Konzern.

Nvidia hat einer Übernahme der Open-Source-Plattform Hugging Face für 12,9 Milliarden Dollar zugestimmt – das berichtete der US-Fachdienst The Information am Abend des 26. August 2026 unter Berufung auf eine ungenannte Person mit Kenntnis des Vorgangs. Bestätigt ist davon nichts: Weder Nvidia noch Hugging Face haben sich geäussert, und ein zweiter Bericht von Business Insider vom selben Abend spricht von Gesprächen, die noch keinen unterschriebenen Vertrag hervorgebracht hätten und noch scheitern könnten. Zur Grössenordnung: Der kolportierte Preis entspricht rund dem 86-Fachen des Jahresumsatzes von etwa 150 Millionen Dollar.

Wir haben am 25. August darüber geschrieben, dass Hugging Face laut Bericht einen Verkauf prüft. Neu sind jetzt ein Name und ein Preis – nicht aber eine Bestätigung.

Ein Abend, zwei sich widersprechende Berichte

Wer die Schlagzeile diese Woche mehrfach gesehen hat, sollte die Quellenlage kennen. Sie besteht aus genau zwei Ursprungsberichten, und die widersprechen sich beim entscheidenden Punkt: The Information schreibt, Nvidia habe zugestimmt; Business Insider schreibt, unterschrieben sei noch nichts. Alles Weitere – TechCrunch, Fortune, CNBC, heise, Golem, The Decoder – gibt diese beiden Berichte wieder. Das ist Reichweite, keine unabhängige Bestätigung; Fortune hält ausdrücklich fest, man habe die Berichte nicht unabhängig verifizieren können.

Das einzige Indiz jenseits davon liefert TechCrunch: Nvidias Schweigen sei bemerkenswert, weil der Konzern früher schnell reagiert habe, um Berichte zu korrigieren, die er für falsch hielt. Ein Indiz. Kein Beleg.

86-mal Jahresumsatz für einen Modell-Hub

Rechnerisch lässt sich der Preis nicht mit dem Geschäft erklären. Hugging Face setzt laut The Information rund 150 Millionen Dollar im Jahr um – zwei Monate zuvor waren es noch etwa 100 Millionen. CEO Clément Delangue sagte TechCrunch im Juli, die Firma sei nahe an der Profitabilität. Zuletzt bewertet wurde das 2016 gegründete Unternehmen 2023 bei einer 235-Millionen-Runde unter Führung von Salesforce Ventures: 4,5 Milliarden Dollar. Der jetzt genannte Preis wäre fast das Dreifache davon – und Ende letzten Jahres hatte Hugging Face laut Financial Times noch eine 500-Millionen-Investition von Nvidia abgelehnt, weil man keinen dominanten Einzelinvestor wollte.

Der Burggraben heisst Open Source

Warum sollte ein Chipkonzern so viel für einen Modell-Hub zahlen? Weil Nvidias grösste Kunden gerade dabei sind, unabhängig zu werden: OpenAI, Google, Amazon und Anthropic bauen alle eigene KI-Chips. Ein lebendiges Ökosystem offener Modelle ist die Gegenwette. Wer ein offenes Modell herunterlädt, muss es auf eigener Infrastruktur betreiben – und die läuft in aller Regel auf Nvidia-GPUs. Fortune weist zusätzlich darauf hin, dass Hugging Face auch sein eigenes bezahltes Hosting auf Nvidia-Hardware betreibt. Das passt zur bisherigen Strategie: Nvidia hat laut The Decoder 26 Milliarden Dollar über fünf Jahre für offene KI-Modelle zugesagt.

Zurück in die Cloud, durch die Hintertür

Der zweite Grund ist unauffälliger. Nvidia hatte sein eigenes Cloud-Geschäft DGX Cloud vor rund einem Jahr zurückgefahren. Hugging Face vermietet Entwicklern bereits Rechenleistung – laut The Information wäre das ein Wiedereinstieg, ohne bei null zu beginnen. Dazu kommt ein Sicherheitsnetz: Nvidia trägt Cloud-Verträge seiner Kunden in zweistelliger Milliardenhöhe mit. Nutzen diese Kunden die gebuchte Rechenleistung nicht, gäbe es mit Hugging Face einen Abnehmer für die ungenutzte Kapazität.

Rekordquartal als Kontrastprogramm

Was in dieser Woche dagegen hart belegt ist: Nvidias Zahlen. Im zweiten Quartal des Geschäftsjahrs 2027 – es endete am 26. Juli 2026 – setzte der Konzern laut eigener Mitteilung 96,2 Milliarden Dollar um, 106 Prozent mehr als ein Jahr zuvor. Allein das Rechenzentrumsgeschäft steuerte 89,0 Milliarden bei, laut Netzwoche über 92 Prozent des Konzernumsatzes. Der Nettogewinn stieg von 26,4 auf 59,7 Milliarden Dollar; fürs laufende Quartal stellt Nvidia 108 Milliarden in Aussicht, ohne China-Rechenzentrumsumsätze einzurechnen.

«Die KI hat ihren Schlüsselmoment erreicht. Sie leistet nützliche Arbeit.» – Jensen Huang, zitiert von inside-it.ch

Vor diesem Hintergrund relativiert sich die Zahl im Titel: 12,9 Milliarden entsprechen gut einem Fünftel eines einzigen Quartalsgewinns. Finanziell klein, strategisch gross.

Apertus läuft auf Nvidia – und liegt bei Hugging Face

Für die Schweiz ist das keine ferne Übernahme-Nachricht. Apertus, das erste grosse offene Schweizer Sprachmodell von EPFL, ETH Zürich und dem Supercomputing-Zentrum CSCS, wird laut ETH-Medienmitteilung über drei Kanäle verteilt: Swisscom, das Public-AI-Netzwerk – und Hugging Face. Die Modellkarte dort verzeichnet für die 70-Milliarden-Variante zuletzt 1'788 Downloads innerhalb eines Monats.

Der Punkt geht aber tiefer als die Verteilung. Trainiert wurde Apertus laut derselben Modellkarte auf 4'096 Nvidia-GH200-Chips, finanziert über mehr als 10 Millionen GPU-Stunden auf dem CSCS-Supercomputer «Alps». Käme der Deal zustande, gehörten beide Enden des Schweizer Open-Source-Stapels demselben Konzern: die Hardware, auf der das Modell entstand, und die Plattform, über die es zu den Nutzern kommt. Für ein Projekt, das ausdrücklich für digitale Souveränität steht, ist das eine unbequeme Konstellation.

Woran du erkennst, ob es echt wird

Bis eine der beiden Firmen etwas sagt, bleibt die 12,9-Milliarden-Zahl das, was sie ist: eine Zahl aus einem Bericht mit ungenannten Quellen. Achte auf eine offizielle Mitteilung von Nvidia oder Hugging Face – alles andere ist bislang Wiedergabe.

Wenn deine Toolchain an Hugging Face hängt, ist das ohnehin eine Abhängigkeit, die du heute schon prüfen kannst: Apertus steht unter der Apache-2.0-Lizenz, die Gewichte sind frei herunterladbar und lokal spiegelbar. Wem die Plattform gehört, ändert daran nichts – wohl aber daran, wer künftig die Regeln des Schaufensters macht.

Quellen

NVIDIA Announces Financial Results for Second Quarter Fiscal 2027↗ EXTERNER LINKNvidia closes in on Hugging Face acquisition (TechCrunch)↗ EXTERNER LINKNvidia agrees to buy Hugging Face for $12.9 billion, reports (Fortune)↗ EXTERNER LINKNvidia snaps up Hugging Face for $12.9 billion (The Decoder)↗ EXTERNER LINKBericht: Nvidia übernimmt Hugging Face für 12,9 Milliarden Dollar (heise online)↗ EXTERNER LINK96 Milliarden US-Dollar: Nvidia will mit Rekordeinnahmen Hugging Face kaufen (Golem)↗ EXTERNER LINKNvidia erzielt Rekordgewinn (inside-it.ch)↗ EXTERNER LINKNvidia verdoppelt Umsatz dank KI-Rechenzentren (Netzwoche)↗ EXTERNER LINKApertus: a fully open, transparent, multilingual language model (ETH Zürich)↗ EXTERNER LINKswiss-ai/Apertus-70B-2509 (Hugging Face)↗ EXTERNER LINK
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