Anthropic hat laut Bloomberg für rund 45 Milliarden Dollar Rechenkapazität beim britischen Anbieter Nscale gebucht – sechs Jahre, 460 Megawatt, ab Ende 2027. Kurz vor dem Börsengang zeigt der Deal vor allem eines: die Kostenseite.
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45 Milliarden über sechs Jahre sind kein Preisschild für heute, sondern eine Verpflichtung für morgen – und die entscheidende Zahl im kommenden IPO-Prospekt.
Anthropic hat laut Bloomberg einen Vertrag über rund 45 Milliarden Dollar mit dem britischen Infrastrukturanbieter Nscale geschlossen: sechs Jahre lang 460 Megawatt Rechenkapazität in West Virginia, nutzbar ab Ende 2027. Der Deal fällt mitten in die Vorbereitung des Börsengangs, den Anthropic-Investoren gemäss «Financial Times» für Oktober bei zwei Billionen Dollar oder mehr erwarten. Bestätigt hat ihn bisher keine der beiden Firmen – Anthropic äusserte sich auf Anfrage von ITPro nicht, ein Nscale-Sprecher konnte die Berichte nicht bestätigen.
Die Kapazität kommt vom Monarch Compute Campus in Mason County, West Virginia – nach Nscales Angaben das erste staatlich zertifizierte KI-Microgrid der USA. Der Standort erzeugt seinen Strom mit Erdgas-Aggregaten von Caterpillar selbst und hängt nicht am öffentlichen Netz.
Laufen sollen dort Nvidias Vera-Rubin-Systeme – die neue Chipgeneration, die sechs verschiedene Chips zu einer Einheit verbindet. Auf diese Hardware ist der Campus ausgelegt, seit Microsoft dort im März eine Absichtserklärung über bis zu 1,35 Gigawatt unterzeichnete.
Wichtig für die Einordnung: Die 45 Milliarden sind Vertragsvolumen über sechs Jahre, keine Zahlung von heute – rechnerisch rund 7,5 Milliarden pro Jahr, ab Ende 2027.
Anthropics annualisierte Umsatzrate lag Ende Juli bei über 65 Milliarden Dollar, mehr als das Siebenfache gegenüber Ende 2025. Der Nscale-Vertrag entspricht also grob acht Monaten Umsatz auf heutigem Niveau – verteilt auf sechs Jahre.
Der Haken: Es ist längst nicht der einzige. Anthropic hat sich laut Datacenter Dynamics über zehn Gigawatt Serverkapazität bei Cloud-Anbietern gesichert – dazu Abschlüsse mit Amazon, Google, AMD, SpaceX und im August 10 Milliarden mit dem Startup Volta. Was in diesen Verträgen genau zugesichert ist – ob Anthropic auch zahlt, wenn es die Kapazität nicht braucht –, geht aus keinem der Berichte hervor.
Dazu kommt die Zirkularität der Branche: Der Vertrag stützt zugleich Nscales eigenen Börsengang, den das 2024 gegründete Unternehmen ebenfalls vorbereitet. Laut Datacenter Dynamics verhandelt Anthropic ausserdem mit Google über finanzielle Garantien für seine Leasingzahlungen. Zwei ungelistete Firmen, die Hardware einer dritten, die Bonität einer vierten.
460 Megawatt im Dauerbetrieb wären rund vier Terawattstunden Strom pro Jahr. Zum Vergleich: Alle Rechenzentren der Schweiz zusammen verbrauchten 2024 rund 2,1 Terawattstunden oder 3,6 Prozent des Gesamtstromverbrauchs, wie eine Studie im Auftrag des Bundesamts für Energie zeigt. Ein einziger Mietvertrag liegt damit rechnerisch beim Doppelten.
Dieselbe Studie hält fest, dass grosses Modelltraining hierzulande kaum stattfindet – der einzige KI-Supercomputer ist «Alps» der ETH Zürich am CSCS in Lugano. Für dich heisst das: Die Rechnung für Claude wird nicht hier bezahlt, sondern in West Virginia – wo laut West Virginia Public Broadcasting rund 60 Prozent der Hausbesitzer in der Nachbarschaft verkauft und weggezogen sind.
Die aussagekräftigere Zahl kommt im Oktober: ob und wie Anthropic seine Compute-Verpflichtungen im Börsenprospekt ausweist.