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Musk giesst Turbinenschaufeln selbst – KI-Strom 18 Monate früher

Elon Musk hat bestätigt, dass eine geheime SpaceX-Giesserei in Texas Gasturbinen-Schaufeln produzieren soll – damit Kraftwerke für KI-Rechenzentren bis zu 18 Monate früher ans Netz gehen. Genau solche Turbinen haben in den USA bereits eine Klage der NAACP und mehrere Gesundheitsstudien ausgelöst.

Pascal Eugster
Pascal Eugster
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31. AUGUST 2026
3 MIN. LESEZEIT
Illustration einer Giesserei mit Schmelztiegel und Gasturbinenschaufeln auf einem Stahlregal, kinewsletter.ch Stil
Illustration einer Giesserei mit Schmelztiegel und Gasturbinenschaufeln auf einem Stahlregal, kinewsletter.ch Stil
INHALT
01Ein Nadelöhr aus vier Giessereien02Warum plötzlich alle Gas wollen0327 Turbinen ohne Bewilligung04Die Schweiz verlagert ihre KI-Emissionen
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01Ein Nadelöhr aus vier Giessereien02Warum plötzlich alle Gas wollen0327 Turbinen ohne Bewilligung04Die Schweiz verlagert ihre KI-Emissionen
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DAS WICHTIGSTE IN KÜRZE

Der Engpass der KI-Industrie ist nicht mehr nur der Chip, sondern das Kraftwerk daneben. Musk umgeht ihn, indem er ein hochspezialisiertes Giessverfahren selbst beherrschen will – und beschleunigt damit den Ausbau einer Stromquelle, deren lokale Gesundheitsfolgen gerade vor US-Gerichten verhandelt werden.

Elon Musk hat am 29. August 2026 auf X bestätigt, wofür SpaceX im texanischen Bastrop eine bislang unbekannte Giesserei baut: für Schaufeln und Leitschaufeln von industriellen Gasturbinen. Gaskraftwerke, die KI-Rechenzentren mit Strom versorgen, sollen dadurch «bis zu 18 Monate» früher ans Netz gehen. Aufgedeckt hatte das Projekt am selben Tag der Branchendienst The Information – anhand von Stellenausschreibungen, die ausdrücklich eine «blades and vanes foundry» nennen, und rund 830 Acres Land neben der bestehenden Starlink-Fabrik.

«Der limitierende Faktor bei der Produktion von Gasturbinen ist das Giessen der Schaufeln und Leitschaufeln», schrieb Musk. Mit eigenem Guss bei SpaceX lasse sich das um bis zu 18 Monate beschleunigen.

Ein Nadelöhr aus vier Giessereien

In der heissesten Turbinenstufe laufen die Schaufeln laut The Information bei 3'000 bis 3'600 Grad Fahrenheit – rund 800 Grad über dem Schmelzpunkt ihrer eigenen Legierung. Möglich machen das interne Kühlkanäle, hitzeisolierende Beschichtungen und ein Guss, bei dem jede Schaufel als ein einziger, ungebrochener Kristall langsam im Vakuumofen wächst; ohne diese Struktur reisst das Metall unter Last. Laut dem Bericht beherrschen weltweit nur vier Firmen das Verfahren im Industriemassstab – und alle sind ausgebucht.

Warum plötzlich alle Gas wollen

Der Engpass liegt im Netz, nicht im Rechenzentrum. Die Internationale Energieagentur erwartet, dass sich der Stromverbrauch von Rechenzentren bis 2030 auf rund 945 Terawattstunden mehr als verdoppelt – etwas mehr, als Japan heute insgesamt verbraucht. Turbinenhersteller GE Vernova ist deshalb bis 2030 weitgehend ausverkauft. Amazon, Google, Meta, Microsoft und OpenAI bauen inzwischen eigene Gaskraftwerke direkt neben ihre Rechenzentren, statt auf Netzanschlüsse zu warten.

27 Turbinen ohne Bewilligung

Genau dieses Modell steht in den USA vor Gericht. Im April 2026 verklagte die Bürgerrechtsorganisation NAACP, vertreten durch die Umweltkanzleien SELC und Earthjustice, Musks KI-Sparte xAI: Im mississippischen Southaven bei Memphis betreibe sie 27 Gasturbinen für das Rechenzentrum Colossus 2 ohne Luftreinhalte-Bewilligung. Laut Klageschrift können die Anlagen jährlich über 1'700 Tonnen Stickoxide sowie bis zu 19 Tonnen Formaldehyd ausstossen – ein als krebserregend eingestufter Stoff.

Die Messlage ist dabei differenzierter, als beide Seiten es darstellen. Umweltmediziner der University of Memphis untersuchten die älteren Turbinen am Standort Memphis und kamen auf einen modellierten Feinstaub-Zuwachs von rund 1 Prozent; Satellitendaten zeigten keine signifikante Veränderung. Ihr Befund lautet dennoch «etwas schlechter» – weil die Belastung im Quartier schon vorher über dem US-Grenzwert lag. In Virginias «Data Center Alley» rechnete ein Gutachten für den Piedmont Environmental Council mit dem EPA-Modell COBRA vor, dass acht Gasturbinen eines einzigen Rechenzentrums jährlich 3,4 bis 6,5 zusätzliche vorzeitige Todesfälle und 53 bis 99 Millionen Dollar Gesundheitskosten verursachen könnten.

Die Schweiz verlagert ihre KI-Emissionen

Hierzulande stellt sich die Frage anders. Schweizer Rechenzentren verbrauchten 2024 rund 2,1 Terawattstunden Strom, rund 3,6 Prozent des Landesverbrauchs, wie eine Studie im Auftrag von EnergieSchweiz zeigt; bis 2030 erwarten die Autoren 2,5 bis 3,2 Terawattstunden. Gasturbinen braucht dafür niemand: 2025 stammten 55 Prozent der inländischen Stromproduktion aus Wasserkraft und 27 Prozent aus Kernkraft.

Entscheidend ist ein Satz aus derselben Studie: Künstliche Intelligenz spiele in der Schweiz «aus energetischer Sicht eine untergeordnete Rolle», weil das Training grosser Sprachmodelle kaum im Inland stattfinde. Anders gesagt: Wenn du hier Grok, ChatGPT oder Claude nutzt, entsteht der Strombedarf – und die Abgasfahne – in Texas, Tennessee oder Virginia. Musks Giesserei verkürzt vor allem die Zeit, bis dort die nächste Turbine steht.

Quellen

Musk's faster path to more gas turbines comes with a pollution problem (TechCrunch)↗ EXTERNER LINKElon Musk auf X zur SpaceX-Giesserei für Turbinenschaufeln↗ EXTERNER LINKNAACP Sues xAI for Illegal Pollution from Data Center Power Plant (NAACP)↗ EXTERNER LINKxAI built an illegal power plant to power its data center (SELC)↗ EXTERNER LINKAir quality analysis reveals minimal changes after xAI data center opens (The Conversation / University of Memphis)↗ EXTERNER LINKHealth Impacts of the Vantage Data Center – Report (Piedmont Environmental Council, PDF)↗ EXTERNER LINKEnergy and AI – Executive Summary (IEA)↗ EXTERNER LINKData centers drive record surge in GE Vernova orders as turbine slots tighten through 2030 (Power Engineering)↗ EXTERNER LINKBFE-Studie: Wie Schweizer Rechenzentren ihre Energieeffizienz verbessern können (Netzwoche)↗ EXTERNER LINKElektrizitätsbilanz der Schweiz 2025: Stromverbrauch gestiegen (BFE energeiaplus)↗ EXTERNER LINK
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